Schuster Hoteleinrichtungen hat sich in 100 Jahren vom kleinen Schreinerbetrieb zum Branchenführer entwickelt. Mut zur Veränderung und der Zusammenhalt von Familie und Mitarbeitern zeichnen die Firma aus. Nur gemeinsam konnten sie einen schweren Schicksalsschlag überstehen.

Schon von der Autobahn A8 aus ist das imposante Gebäude kaum zu übersehen. Der Schriftzug strahlt in leuchtenden Lettern vor der modernen Fassade. Hinter dem Eingang erwartet die Besucher eine stilvolle Lounge mit einladenden Designermöbeln. Das Knistern eines Kaminfeuers ist zu hören, und sogar ein Buffet ist für die Gäste angerichtet.
Doch der Eindruck täuscht. Dies ist nicht ein Luxushotel, sondern der Sitz eines Handwerksbetriebs. 2021 eröffnete Schuster Hoteleinrichtungen sein neues Objektforum in Bernau, unweit des Chiemsees gelegen. Es vereint Fertigungsstätte, Verwaltungssitz, Ausstellung und Branchentreffpunkt unter einem Dach.
Den mutigen Plan für den zukunftsgerichteten, aber auch kostenintensiven Umzug vom bisherigen Standort und den Neubau schmiedete Geschäftsführer Michael Schuster gemeinsam mit seinem Bruder Rudi. Ziel war es, einen gemeinsamen Raum für Ideen, Innovationen, fruchtbare Begegnungen und modernste Fertigung zu schaffen.
Zugleich sollte ein Ort entstehen, an dem sich die rund 90 Mitarbeiter rundum wohlfühlen. Zu den Annehmlichkeiten zählen etwa ein Fitnesscenter mit buchbarem Personaltrainer, Rückzugsräume zum Entspannen und konzentrierten Arbeiten oder auch das Restaurant. "Rudi wäre sicher sehr stolz, wenn er heute sehen könnte, was aus unserem Projekt geworden ist", sagt der gelernte Schreinermeister und Holztechniker.
Pandemie, Schicksalsschlag und Neuaufstellung
Aber es kam anders. Am 15. Juni 2021, wenige Monate vor der geplanten Eröffnung, verunglückte der dreifache Familienvater Rudi Schuster im Alter von nur 50 Jahren bei einer Bergtour. "Das war damals natürlich ein sehr großer Schock. Und dann steht man plötzlich allein da und fragt sich, was soll ich jetzt machen und wie soll es weitergehen?", erinnert sich Michael Schuster.
Der Tod seines Bruders und zweiten Geschäftsführers war der zweite Nackenschlag, der dem Handwerksbetrieb in kurzer Zeit zusetzte. So hatte kurz zuvor die Corona-Pandemie mit ihren weitreichenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens zu starken Umsatzausfällen in der Hotellerie-Branche geführt. Die wirtschaftlichen Probleme bei potenziellen Auftraggebern bekam der Handwerksbetrieb schmerzlich zu spüren, auch wenn ein Teil des Defizits durch andere Aufträge ausgeglichen werden konnte.
Doch Michael Schuster ist eine Kämpfernatur, ein stets zuversichtlicher und anpackender Mensch, der sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Und mit Jonas Schuster, dem Sohn seines Bruders, fand er schnell einen neuen Sparringspartner an seiner Seite. Der junge Schreiner und studierte Betriebswirt nahm die doppelte Verantwortung ohne zu zögern an.
Sowohl bei seinen wachsenden familiären Aufgaben, als auch in der Rolle des neuen zweiten Geschäftsführers von Schuster Hoteleinrichtungen. die er seit vergangenem Jahr innehat. "Ich habe diese spannende Aufgabe nicht als Last empfunden, sondern schnell gemerkt, dass wir gemeinsam viel bewegen können. Das hat mich von Anfang an motiviert. Mit Michael verstehe ich mich super und ich wurde auch von den Mitarbeitern sofort voll akzeptiert, das hat mir den Start sehr erleichtert", sagt Jonas Schuster.

Starke Gemeinschaft seit mehr als 100 Jahren
Die Schusters knüpfen damit an die Firmenphilosophie an, die das Unternehmen schon seit seinen Anfängen vor mehr als 100 Jahren auszeichnet und stark gemacht hat. Sie ist geprägt von Solidarität und Bescheidenheit. Jeder Einzelne stellt sich in den Dienst der gemeinsamen Ziele. Dies hat schon Schreinermeister Max Schuster vorgelebt, als er 1923 den Betrieb gründete und sich zunächst auf die Fertigung von Möbeln im Chippendale-Stil fokussierte, die damals eine Renaissance erlebten.
Mit seinen 14 Kindern, von denen sechs in seine Fußstapfen traten, legte er den Grundstein dafür, dass über mehrere Generationen hinweg ein marktführendes Unternehmen aufgebaut werden konnte. Zur heutigen Ausrichtung als Hotelausstatter trug ab den 1950er-Jahren insbesondere Rudi Schuster sen. bei, der mit einer Hotelierstochter verheiratet war und das Wissen seiner Frau mit seinem Know-how für den klassischen Möbelbau in einem neuen Geschäftskonzept vereinte.
Heute ist Schuster Hoteleinrichtungen weit über den Chiemsee hinaus bekannt und hat sich sowohl in Deutschland als auch in Österreich einen renommierten Namen im Bereich der Ausstattung von Hotels und Ferienwohnungen aufgebaut. Eine Besonderheit ist, dass der Handwerksbetrieb alle Leistungen aus einer Hand anbietet.
Von hochwertigen Holzmöbeln über Beleuchtung bis hin zu dekorativen Elementen wie Polstern oder Vorhängen – Kunden können ihr gesamtes Interieur von Schuster Hoteleinrichtungen beziehen. Während sich Jonas Schuster um alle internen Aufgaben kümmert, ist Michael Schuster das Gesicht bei den Kunden. "Jonas ist sozusagen der Innenminister und ich bin der Außenminister", erklärt er schmunzelnd.
Stammkunden langfristig binden und neue gewinnen

Bei ihren Partnern und Kunden legen die beiden großen Wert auf langfristige Beziehungen und investieren dafür viel Zeit in persönliche Kontakte und fachliche Beratungen. Denn Kompetenz lasse sich durch niedrige Preise nicht ersetzen, wie es mancher Wettbewerber aus dem Ausland versuche. Regelmäßig veranstalten die Schusters kostenfreie Branchentreffen, bei denen sie gemeinsam mit Experten Einblicke zu aktuellen Trends und Herausforderungen im Markt geben. Die Veranstaltungen seien bestens besucht, und der Erfolg gibt ihnen recht: "Circa 70 Prozent unserer Aufträge erhalten wir jedes Jahr von unseren Bestandskunden", weiß Michael Schuster.
Diese hätten verstanden, dass ein Interieur in regelmäßigen Abständen modernisiert werden sollte, um Hotelgäste anzuziehen. "Mit einem ansprechend gestalteten Zimmer lassen sich zudem höhere Preise rechtfertigen", betont der erfahrene Chef. Ob Land- oder Stadthotel, er rät allen dazu, sich regelmäßig mit der Frage zu beschäftigen, ob sich der Gast noch wohlfühlt. Nehmen die kritischen Bewertungen im Internet erst einmal überhand, sei dies nur noch schwierig zu korrigieren. Dazu gehöre auch ein zeitgemäßer Internetauftritt mit hochwertigen Fotos des Hotels.
Bedenken mancher Interessenten bezüglich der Kosten einer solchen Modernisierung ließen sich meist schnell zerstreuen. Zunehmender Beliebtheit erfreue sich dabei das Leasing von Hoteleinrichtungen, das die Firma ihren Kunden zusammen mit Partnerbanken anbietet. "Das schont die Liquidität und wirkt sich zugleich steuergünstig aus", erklärt Jonas Schuster.
Die beiden sind deshalb überzeugt, dass es künftig in vielen weiteren Hotels so einladend aussehen wird wie in ihrem Foyer. "Nur den Blick auf den Chiemsee können wir leider nicht mitverkaufen", sagt Michael Schuster mit einem Lachen.