Zentralverand Oberflächentechnik beklagt hohe Kosten für Betriebe Galvaniseure erreichen alte Umsatzrekorde

Die Galvaniseure erwarten für das laufende Jahr zehn Prozent mehr Umsätze. Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Oberflächentechnik (ZVO), beklagte allerdings auf der Hannover Messe die hohen Energiekosten für die Betriebe.

Die Galvanotechnik in Deutschland - hier Kunststoffrohteile vor der Beschichtung - befindet sich im Aufwind und erwartet für 2011 ein Umsatzplus von 10 Prozent. Foto: ZVO/BIV/BIA - Solingen

Galvaniseure erreichen alte Umsatzrekorde

Das Wachstum im letzten Geschäftsjahr verteile sich recht gleichmäßig auf alle Bereiche der Wertschöpfungskette innerhalb der Galvanotechnik. Etwas geringer falle dagegen das Wachstum im Anlagenbau aus, der später von Wirtschaftskrisen erfasst werde und diese später wieder verlasse. Die Wirtschaftskrise von 2009 hatte den Anlagenbau aber auch weniger stark getroffen als z.B. Beschichter oder Verfahrenslieferanten, die im vergangenen Jahr vereinzelt von Umsatzzuwächsen von 50 Prozent und mehr berichteten. Das Niveau des Rekordjahres 2008 übertroffen hätten im vergangenen Jahr bereits die Kunststoffgalvaniken, wie der Fachverband Galvanisierte Kunststoffe berichtet, die neben neuen Umsatzrekorden auch eine sehr positive Ertragslage verzeichnen. Durch die anhaltend hohen Auftragsbestände in den Kunststoffgalvaniken werde in diesem Jahr in weitere Anlagen investiert, die bereits in der zweiten Jahreshälfte in Betrieb genommen werden.

Die aktuell sehr gute wirtschaftliche Lage wird durch die Frühjahrsumfrage des Verbandes bestätigt. So bewerteten derzeit 15 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit sehr gut, 46 Prozent mit gut und 30 Prozent mit befriedigend. Auch der Ausblick sei äußerst positiv. 71 Prozent der befragten Unternehmen erwarten wesentlich bessere oder bessere Geschäfte, 26 Prozent sehen eine konstante Geschäftsentwicklung voraus.

Fachkräftemangel führt zu unbesetzten Stellen

Das gute Geschäftsklima führe auch zu Neueinstellungen. Viele Unternehmen hätten ihr Stammpersonal über die Krise retten können und rüsteten jetzt personell weiter auf. 70 Prozent der Unternehmen planten Personaleinstellungen, davon 25 Prozent im unbefristeten Bereich. Doch auch die Galvanotechnik sei immer stärker vom Fachkräftemangel betroffen, so dass viele offene Stellen unbesetzt bleiben, auch in der Ausbildung.

Rohstoff- und Energiepreise explodieren

Sorge bereitet nach Auskunft von Matheis die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Verfügbarkeit der Rohstoffe. Daraus ergäben sich lange Liefertermine. Welche Auswirkungen eventueller Lieferengpässe japanischer Bauteilproduzenten haben, lasse sich derzeit noch nicht einschätzen.

Matheis beklagte außerdem die Entwicklungen dem Energiesektor und die entsprechenden politischen Fehlentscheidungen. Seit Jahren bemühten sich Politik und Wirtschaft, nachhaltiges Handeln zu etablieren. Der Umstieg auf erneuerbare Energien und ressourcenschonende Prozesse sei dabei von zentraler Bedeutung. Dieses wichtige gesamtgesellschaftliche Ziel werde selbstverständlich auch vom ZVO unterstützt.

Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit bringe zwangsläufig einen Wertewandel mit sich. "Bisher preisgünstig erzeugte Produkte werden aufwändiger produziert", sagte Matheis. Die EEG-Zulage zeige dies überdeutlich. Die Förderung höherer Kosten zur Erzeugung erneuerbarer Energien erreicht jeden Beteiligten in der Lieferkette – also auch den Endverbraucher. Die politischen Maßnahme und ihre Konsequenzen für die Verbraucher werde jedoch nicht deutlich genug herausgestellt.

ZVO fordert Abschaffung der EEG-Umlage

Gerade in der Galvanotechnik zeige sich, wie unterschiedlich sich dieMaßnahmen auswirken könnten. Obwohl die Betriebe keinerlei Einfluss auf die Ausgestaltung des eigentlichen Produkts hätten und einen sehr geringen Anteil an der Wertschöpfung, werde ihre Dienstleistung wirtschaftlich extrem belastet.

Die Situation der Betriebe werde zusätzlich durch billigere Konkurrenz aus dem Ausland erschwert. Direkte Wettbewerber jenseits der Grenzen müssten außerdem die EEG-Umlage nicht bezahlen und hätten um bis zu 50 Prozent geringere Energiepreise. Damit könnten sie nochmal günstiger sein als deutsche Betriebe. Diese Entwicklung werde bald zu wirtschaftlichen Verlusten und Arbeitsplatzabbau führen. Der kräftige Anstieg der EEG-Umlage in diesem Jahr raube der klein- und mittelständischen, energieintensiven Galvano- und Oberflächentechnik jegliche Spielräume für Neuinvestitionen. Durch die gleichzeitige Rohstoffverknappung seien in diesem Jahr Preissteigerungen sowohl für die eingesetzte Verfahrenschemie als auch die Beschichtungsdienstleistung unausweichlich. Der ZVO spricht sich daher für eine Abschaffung der EEG-Umlage, mindestens aber für eine Begrenzung auf das derzeitige Niveau, aus.

fm