Mobilität + Transport -

E-Autos für den Betrieb Für wen lohnt sich ein E-Auto als Dienstwagen?

Elektrisch fahren und Geld sparen – wer Umweltbewusstsein zeigt und sich für elektrisch angetriebene Fahrzeuge in der Firmenflotte entscheidet, kann im kommenden Jahr einiges sparen. Denn das Bundeskabinett traf nun die Entscheidung, E-Autos und Hybride als Firmenwagen zu fördern. Doch für wen eignet sich überhaupt ein E-Auto als Dienstwagen? Diese Kriterien sollten Sie in die Entscheidung miteinbeziehen.

Wie sieht der Markt für E-Autos aus?

Ob tiefergelegte Ladefläche oder spezielle oder Sonderaufbauten – Fahrzeuge, die bei Handwerksbetrieben in Gebrauch sind, werden meist umfunktioniert und individuell angepasst. "Je nach Beförderungszweck kann das Schwierigkeiten bei der Suche nach dem passenden E-Auto geben", gibt Christian Reher, Geschäftsführer der Kfz-Innung Region Stuttgart, zu bedenken. Denn während es immer mehr elektrisch angetriebene Modelle für die private Nutzung gibt, ist die Auswahl an Transportern und speziellen E-Autos für den Wirtschaftsverkehr nach wie vor überschaubar. Zudem erwarten Kunden häufig lange Lieferzeiten. "Ein E-Auto schließt das aber grundsätzlich nicht aus. Es gibt Angebote bis zur Sprinterklasse. Und Handwerker sind kreativ: Für Beratungen und kleinere Reparaturen passen Unterlagen und Werkzeugausrüstung auch in einen E-Smart, um zum Kunden zu fahren."

Wie gut ist die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut?

Stehen Unternehmer vor der Entscheidung ihre Fahrzeugflotte nachhaltiger zu machen, sollten sie sich auch überlegen, auf welchen Fahrten das neue Gefährt eingesetzt werden soll. Denn während sich ein Elektroauto bei geschäftlichen Fahrten in der eigenen Stadt oder der näheren Umgebung als attraktive Alternative zu Benzin- oder Dieselfahrzeugen erweisen kann, ist dessen Nutzung in ländlichen Gebieten oftmals weniger geeignet. "Wenn Handwerker längere Strecken zu ihren Kunden zurücklegen müssen, stoßen elektrisch angetriebene Fahrzeuge schnell an ihre Grenzen", erklärt Manfred Kleinbielen, Umwelt- und Energieberater der Handwerkskammer Region Stuttgart. Die Reichweiten der Fahrzeuge seien häufig noch nicht ausreichend, die Infrastruktur der Ladesäulen oftmals lückenhaft. Ob es in Ihrem Einsatzgebiet eine ausreichende Ladeinfrastruktur gibt, zeigt die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur.

Zudem sollte sich der Betrieb vorab überlegen, welche Abstellmöglichkeiten des Fahrzeugs es am Abend gibt. "Ist eine entsprechende Ladesäule vorhanden?" "Muss ich im Unternehmen oder am privaten Wohngebäude eine Stromtankstelle nachrüsten?" und "was gibt es dabei zu beachten?" sind Fragen, die sich die Firma vorab stellen sollte. "Denn wenn das Betriebsfahrzeug jeden Abend auf öffentlichem Grund abgestellt wird oder man sich auf die Suche nach einer Ladesäule machen muss, wird es schwierig", gibt der Umweltberater zu bedenken. "Bei einer Umstellung der gesamten Flotte, stellen sich diese Fragen umso dringlicher."

Wie viel kostet ein E-Auto?

Ist von der Anschaffung elektrisch angetriebener Fahrzeuge die Rede, wird bei vielen potenziellen Nutzern die Frage nach den Kosten laut. Nach wie vor liegen die reinen Anschaffungskosten für E-Autos höher als für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Langfristig jedoch, können diese durch die günstigeren Betriebskosten wieder ausgeglichen werden. Wenn das Elektrofahrzeug beispielsweise an einer firmeneigenen Stromtankstelle beladen wird, kann das einiges an Kosten sparen. "Ein weiterer Pluspunkt für Elektrofahrzeuge ist die staatliche Förderung", fährt Kleinbielen fort. Um nachhaltiges Fahren zu fördern, bietet der Staat eine Prämie beim Kauf eines E-Autos. "Derzeit liegt die Fördersumme für Batterieelektrofahrzeuge bei 2.000 Euro, der Hersteller muss dem Käufer mindestens den gleichen Betrag als Nachlass vom Listenpreis gewähren." Voraussetzungen für den Zuschuss: Das Fahrzeugmodell muss sich auf der Liste der förderfähigen Fahrzeuge befinden, der Netto-Listenpreis darf maximal 60.000 Euro betragen. Halter von E-Autos müssen außerdem zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer bezahlen. "Hinzu kommen die neu beschlossenen Steuervorteile für Dienstwagenbesitzer", ergänzt der Experte. Denn ab kommendem Jahr soll der geldwerte Vorteil, also der Betrag, den Arbeitnehmer bei der privaten Nutzung eines Dienstwagens als Zuschlag auf ihr Gehalt versteuern müssen, halbiert werden. "Die Neuregelung soll für Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge gelten, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden." Mit welchen Ausgaben für die Anschaffung zu rechnen sind, zeigt der Kostenrechner des Instituts für angewandte Ökologie.

Warum sollte ich mich für ein E-Auto als Firmenfahrzeug entscheiden?

"Neben den rein betriebswirtschaftlichen Erwägungen, spielen dann natürlich auch emotionale Kriterien eine Rolle", weiß der Umweltberater. Ein wichtiger Grund für viele Unternehmen, die Fahrzeugflotte umzurüsten und elektrisch zu fahren, sei das Argument, so Kleinbielen, damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zu sauberer Luft zu leisten. Daneben können praktische Gründe wie Wünsche von Mitarbeitern oder drohende Fahrverbote in belasteten Städten entscheidende Argumente sein. Auch kann das umweltbewusste Fahren zu einer positiven Wahrnehmung führen oder ideal zum vorhandenen Image passen, mit dem der Betrieb Kunden gewinnen will. "Nachhaltiges Handeln hat in der Gesellschaft einen immer höher werdenden Stellenwert. Fährt ein Handwerker mit seinem E-Auto zum Kunden, wird dies sicher positiv wahrgenommen."

Wo kann man E-Autos testen?

Sind Sie jetzt auf den Geschmack gekommen? Testen, ob ein E-Fahrzeug gut zu Ihren Alltagsanforderungen passt, können Sie auch in Ihrer Nähe. Eine Übersicht, wo Sie in Ihrer Region E-Autos finden, testen oder leasen können, bietet zum Beispiel die Vermittlungsplattform e-CarSharing. Dort wird nicht nur angezeigt, in welcher Region es Elektroautos über Anbieter wie nextmove, car2go oder Flinkster zu mieten gibt, sondern auch welche Modelle zur Verfügung stehen und was diese kosten. Wenn es um spezielle Handwerker-Autos geht, sieht Christian Reher die Kollegen allerdings besser beim Autohaus ihres Vertrauens aufgehoben. "Das weiß am besten, was zur Firma und zur vorhandenen Flotte passt, was lieferbar ist und vor allem, was demnächst lieferbar sein wird. Denn alle Hersteller haben Modelloffensiven laufen und neue Fahrzeuge in der Pipeline."

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten