Vom Vater zum Sohn zum Enkel. Der Aufbau des Augustiner-Zelts auf der Wiesn liegt seit 40 Jahren in den Händen des Holzbaubetriebs Glaß aus Buttenwiesen. Ein Mitarbeiter ist seit 30 Jahren dabei – ihm wurde heuer eine besondere Ehre zuteil.
Elf Wochen Aufbau, sechs Wochen Abbau und dazwischen zwei Wochen Zeltbetrieb. Seit vier Jahrzehnten ist Holzbau Glaß Partner des Münchner Augustiner-Bräus und damit über die Jahre durchgehend verantwortlich für den bedachten Fest-Saal. Das Zelt – eines von rund 40 Festzelten von sechs Münchner Brauereien – zählt 6.000 Innen- und 2.500 Außenplätze. Ein Großprojekt, das einen Hauptteil der jährlichen Arbeiten für den Betrieb ausmacht. Christopher Glaß, Projektleiter der Holzbau Glaß GmbH, fühlt sich wohl dabei, seit so langer Zeit das Vertrauen der Brauerei zu genießen. "Alle fünf Jahre wieder bekommen wir den Vertrag für das Zelt. Das zeugt durchaus davon, dass wir uns mit Augustiner sehr gut verstehen. Deswegen haben wir auch quasi von Juli bis November durchgehend zu tun."
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Natürlich haben sich die Arbeiten im Laufe der Jahrzehnte verändert. "Früher hat man praktisch noch einzelne Bretter vernagelt und verschraubt. Heute werden komplette Konstruktionsteile mit dem Kran eingehoben", weiß Glaß. Die zehn Mann vor Ort jonglieren die Aufgaben im harmonischen Zusammenspiel mit anderen Gewerken. Ein Maler ist von Anfang an dabei, dazu kommen Elektriker, Bodenleger, Sanitärfachleute, Dekorateure. Irgendwann kommen Küchenbauer dazu, die auf 600 Quadratmeter eigens gegossenem Estrich die Großküche einbauen. Rings um das Zelt werden Rampen geteert. "Das ist schon ganz schön was los", sagt Glaß.
Inmitten dieses Gewusels findet sich Zimmermann Manfred Thoma. Er ist seit 35 Jahren im Betrieb Glaß. Seit 30 Jahren ist er jedes Jahr wieder bei den Auf- und Abbauarbeiten des Augustiner-Zelts dabei. "Ich brauche keinen Plan mehr, ich weiß genau, wie das Zelt gebaut werden muss. Wir kennen die Abläufe mittlerweile in- und auswendig." An einen Unfall oder etwas ähnlich Unglückliches in dieser Zeit kann er sich nicht erinnern. Komplizierter sei es allerdings schon geworden. Gerade die Sicherheitsvorschriften hätten sich verschärft. "Früher gab's keine Security. Aber heute kommt es immer wieder vor, dass Bretter zertreten oder Scheibe eingeschlagen werden", so Christopher Glaß. Daher ist während des Zeltbetriebs auch immer ein Mitarbeiter für Ausbesserungsarbeiten vor Ort.
Hebauf und Zieh-Hoch
Auch der Rest der Mannschaft ist am liebsten im Augustiner-Zelt zu finden. Im "eigenen" Zelt lässt es sich eben am besten feiern. Dieses Jahr gab es sogar etwas Besonderes zu feiern. Manfred Thoma, bald 59 Jahre alt, durfte zu seinem 35-jährigen Firmenjubiläum eine besondere Tradition übernehmen, die eigentlich nur dem Firmenchef zusteht. Zum Hebauf der Handwerker, zwei Tage vor offiziellem Wiesn-Start, durfte er die letzte Fahne der rund 17 Mai-Bäume im Außenbereich des Zeltes hochziehen. "Das war schon wirklich toll. Sie hatten mich damit total überrascht", so Thoma. Im selben Atemzug erzählt er, wie sehr er seinen Job liebt und auch den Werkstoff Holz. Am liebsten sei er ganz oben auf den Dächern. Und noch mehr schätze er, dass seine Arbeit auch Köpfchen verlangt. Auch nach seiner Rente könnte er sich vorstellen, noch ab und an im Betrieb aufzuhelfen. "Mein Beruf ist ein guter Grund aufzustehen."
Die Abbauarbeiten sind mittlerweile wieder voll im Gange. Jetzt heißt es für das gesamte Wiesn-Team von Holzbau Glaß: Gas geben. Denn die nächste Großveranstaltung steht schon vor der Tür. Während das Oktoberfest kleingemacht in den Lagern verschwindet, erscheinen gleichzeitig schon die ersten Zelte des Tollwood Winterfestivals und beschließen damit eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Glaß und Augustiner.


