Gute Beziehungen im Arbeitsleben Fünf Tipps für Smalltalk

Raus mit der Sprache! Wer die Kunst des kleinen Gesprächs beherrscht, kann im Beruf viel erreichen. Auch im Handwerk ist die Plauderei wichtig – und man kann sie lernen. Wie Smalltalk erfolgreich gelingt.

Handwerker Smalltalk
Kurze Gespräche zwischendurch wirken Wunder – sie machen Kunden offen und vertrauensvoll. - © highwaystarz - stock.adobe.com

Nur vier Minuten Smalltalk reichen manchmal aus, um Persönlichkeitsmerkmale unseres Gegenübers und dessen Verhalten besser einschätzen zu können. Das legt eine Studie der University of Warwick nahe, die auf einem Experiment mit 338 Teilnehmenden beruht.

Das Forschungsteam bat die Teilnehmenden dafür, einen Persönlichkeits- und IQ-Test auszufüllen, bevor sie zu zweit an zwei strategischen Spielen teilnahmen. Die Hälfte der Teilnehmenden unterhielt sich vor den Spielen vier Minuten lang per Textnachricht mit ihrem Partner. Die andere Hälfte hatte keinen Kontakt.

Die Gruppe, die sich zuvor unterhalten hatte, konnte den IQ und die Persönlichkeit ihres Partners besser vorhersagen und arbeitete in den strategischen Spielen besser zusammen.

Smalltalk: Gute Stimmung – und Karrierevorteile

Doch auch aus anderen Gründen lohnt es sich, im Arbeitsalltag hin und wieder bewusst über Belanglosigkeiten zu plaudern. "Smalltalk trägt zu einer positiven Stimmung bei", sagt Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig. 

Und das ist längst nicht alles. "Wir wissen, dass Menschen, die Smalltalk nutzen, besser bei Gehaltsverhandlungen, in Einstellungsgesprächen oder auch generell mit ihrer Leistung am Arbeitsplatz abschneiden", so Zacher. Darüber hinaus stärken Gespräche über Privates soziale Beziehungen bei der Arbeit, erklärt der Psychologe. Diese wiederum seien wichtig, um sich unterstützt zu fühlen, wenn Probleme auftauchen. Insofern wirkt sich Smalltalk also auch positiv auf die berufliche Gesundheit aus.

Auch für Handwerksbetriebe kann Smalltalk sinnvoll sein – etwa bei Kundengesprächen auf der Baustelle, bei der Besprechung eines Angebots im Bürocontainer, im Ausbildungsgespräch oder im täglichen Kontakt mit Auftraggebern und Stammkundschaft. Für Betriebsinhaber und Ausbilder ist eine kurze, freundliche Plauderei oft der Türöffner: Sie baut Vertrauen auf, entspannt Kunden und nimmt Azubis die Nervosität.

Doch nicht allen fällt es gleichermaßen leicht, sich im Job auf eine Plauderei einzulassen. Zum Glück kann man Smalltalk lernen. Zum Gesprächsprofi werde man durchs konsequente Ausprobieren, sagt die Diplomsoziologin Madeleine Lang, die als Coachin, Trainerin und Moderatorin arbeitet. Aber wie genau sieht das aus?

1. Übung macht den Meister

"Ich empfehle meinen Klienten, Smalltalk im Kleinen zu üben", so Lang. Für Handwerker kann es helfen, bewusst Alltagssituationen zu nutzen – etwa das kurze Gespräch mit dem Großhändler an der Theke, ein lockerer Satz beim Betreten des Grundstücks oder ein paar freundliche Worte während der Monteursfahrt. Genau diese Situationen schaffen Routine und senken Hemmungen.

Hannes Zacher kann das mit Blick auf die Forschung bestätigen. "Selbstwirksamkeit ist beim Smalltalk ein wichtiger Faktor, also der Glaube daran, ihn erfolgreich einsetzen zu können", erklärt der Psychologe. "Traut man sich, wird das in der Regel auch belohnt." 

Ist jemand sehr unsicher, kann es hilfreich sein, andere, die einem sympathisch sind, beim Smalltalk zu beobachten. "So kann man sich abschauen, was sich für einen selbst machbar und authentisch anfühlt", sagt Lang. 

2. Den richtigen Moment erwischen

Manche Gelegenheiten eignen sich besser als andere, um ein lockeres Gespräch anzufangen. Hannes Zacher rät deshalb dazu, vor der Kontaktaufnahme auszuloten, ob die andere Person überhaupt interessiert ist.

"Manchmal sieht man das der Situation schon an", sagt er. "Wenn jemand den Gang entlang hetzt und gestresst wirkt, verschiebe ich einen Smalltalk besser auf einen anderen Moment und verhindere, abgewiesen zu werden." Alternativ lässt sich die Gesprächsbereitschaft auch aktiv abklopfen. Fragen wie "Hast du gerade zwei Minuten?" seien ein guter erster Ansatz. 

Für Handwerker eignen sich Momente für eine Plauderei schlecht, wenn ein Kunde sichtbar unter Zeitdruck steht oder eine Baustelle gerade im Chaos versinkt. Aber bei der Ankunft am frühen Morgen oder beim Blick auf die Pläne ist häufig genug Zeit für ein paar entspannte Worte.

Wichtig ist auch, sich selbst nicht zu viel Druck zu machen, jede günstig scheinende Situation für Smalltalk zu nutzen.

3. Mit einem passenden Thema einsteigen 

Sich über das Wetter zu unterhalten, wird gerne als belanglos abgetan. Doch genau darum geht es beim Smalltalk – unverfängliche, oberflächlich anmutende Themen zu finden und darüber im besten Fall auf Gemeinsamkeiten zu stoßen. 

In Handwerksbetrieben bieten sich alltägliche Beobachtungen für einen möglichst unkomplizierten Einstieg an, etwa die Fortschritte des Neubaus oder der Sanierung. Und sie ließen sich gut im Vorfeld zurechtlegen, so Zacher. 

Hauptsache, man hüpft aus Unsicherheit nicht direkt zum nächsten Inhalt. "Wenn ich zu schnell das Thema wechsle, könnte mein Gegenüber das Gefühl bekommen, ich habe nicht richtig zugehört", erklärt Lang. Im Zweifelsfall ist es also besser, einen Moment der Stille auszuhalten. 

Eher heikle Themen wie Politik oder Religion und sehr private Umstände sind für den Smalltalk im Arbeitskontext übrigens keine gute Idee. Auch mit Klatsch sollte man sich zurückhalten. "Selbst, wenn es einen in dem Moment mit jemandem verbindet, schließt es immer eine andere Person aus", so Lang. Das wirke sich oft negativ auf die Energie im ganzen Team aus. 

4. Das Gespräch am Laufen halten 

Guter Smalltalk lebt von ungeteilter Aufmerksamkeit und Neugier. Madeleine Lang rät dazu, in der Situation wirklich präsent zu sein. Dazu gehöre auch, das Handy beiseitezulegen und sich während des Gesprächs nicht parallel mit etwas anderem zu beschäftigen.

Im Handwerk geht es dabei oft auch darum, Vertrauen zu stärken. Ein Betrieb, der nicht nur fachlich überzeugt, sondern dem Kunden auch das Gefühl gibt, ernst genommen und verstanden zu werden, hat im Wettbewerb einen entscheidenden Vorteil.

Um seinem Gegenüber zu zeigen, dass man wirklich zugehört hat, empfiehlt sie kurze inhaltliche Zusammenfassungen des Gehörten. "Und dann sollte man natürlich offene Fragen stellen – auch das ist Teil eines aktiven Zuhörens", stellt Lang fest. "Damit rege ich eine Person dazu an, weiterzusprechen und halte die Unterhaltung aktiv in Gang."

5. Den Smalltalk gekonnt wieder beenden 

Irgendwann ist der Moment gekommen, dem Gespräch ein Ende zu setzen. Die Redewendung "Mir fällt gerade ein, dass ich jetzt gleich zum nächsten Termin muss" ist laut Zacher eine geeignete Redewendung für einen souveränen Abschluss. dpa/uls