Lötzsch und Ernst wollen wieder Sacharbeit machen Führung der Linken übersteht Krisentreffen ohne Rücktritte

Nach monatelangem Streit hat sich die Parteispitze der Linken auf einem Krisentreffen versprochen, die gegenseitigen Attacken zu beenden und Rücktrittsforderungen zu den Akten zu legen. Dies sagte Parteichefin Gesine Lötzsch nach der dreieinhalbstündigen Aussprache am Mittwoch in Berlin.

Foto: dapd

Führung der Linken übersteht Krisentreffen ohne Rücktritte

Berlin (dapd). Nach monatelangem Streit hat sich die Parteispitze der Linken auf einem Krisentreffen versprochen, die gegenseitigen Attacken zu beenden und Rücktrittsforderungen zu den Akten zu legen. Dies sagte Parteichefin Gesine Lötzsch nach der dreieinhalbstündigen Aussprache am Mittwoch in Berlin. Klaus Ernst, der mit Lötzsch die Doppelspitze der Linken bildet sagte, die Mitglieder hätten die Personaldebatten inzwischen "pappesatt".

Zuletzt hatten Forderungen nach dem Rücktritt des Schatzmeisters Raju Sharma für Unruhe in der zwölfköpfigen Parteiführung gesorgt. Sharma hatte nach Ernsts Rede auf dem Hamburger Landesparteitag gesagt, der Parteichef solle sich konkret über innerparteiliche Querelen äußern oder "die Klappe halten".

Der Schatzmeister sagte nach dem Treffen, die heftigen Worte im Vorfeld hätten dazu beigetragen, dass alle gewillt gewesen seien, über die wirklichen Konflikte zu sprechen. Die Aussprache sei "sehr reinigend" gewesen.

Das mit dem "Klappe halten" sei eine "schnodderige Bemerkung" von ihm gewesen, räumte Sharma ein. Ernst habe diese Bemerkung als verletzend empfunden - "und das bedauere ich tatsächlich". Sharma sagte zur künftigen Zusammenarbeit: "Es ist zumindest der Wille aller Beteiligten gestärkt worden, gemeinsam zum Wohle der Partei zu arbeiten."

Der Landesvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt, Matthias Höhn, sagte, das Personaltableau sei ein Kompromiss im vergangenen Jahr gewesen. "Und dieser Kompromiss muss halten."

"Wir müssen uns nicht alle mögen und lieb haben", sagte Höhn. "Wir müssen uns einig sein darin, dass wir eine gemeinsame Aufgabe haben und die erfüllen." Auch Höhn sieht Chancen für eine bessere Zusammenarbeit der Parteispitze: "Die Situation, in die wir jetzt geraten sind, war ernst - und das haben auch alle verstanden."

Parteichef Ernst sagte, dass die Personaldebatten "äußerst schädlich für die Partei und die weitere Entwicklung" gewesen seien. Bislang habe es nur Appelle zur Geschlossenheit gegeben. Diesmal aber seien sich alle einig, dass es ein "Weiter so" nicht geben dürfe.

Auch Lötzsch räumte ein, dass die Linken in eine "schwierige Situation" geraten seien, weil sich Führungsmitglieder negativ übereinander geäußert hätten. Nach vier Jahren als Partei seien die Linken noch ein "fragiles Gebilde". Jetzt stehe aber wieder Sacharbeit auf der Tagesordnung, damit im Oktober wie geplant der Programmparteitag stattfinden könne.

Seit dem enttäuschenden Abschneiden der Linken bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg Ende März war die interne Debatte über Führung und Ausrichtung der Partei nicht abgerissen.

Lötzsch und Ernst führen die Linken seit Mai 2010 als Doppelspitze. Ihre Amtszeit endet offiziell im Frühjahr 2012. Von Anfang an war das Duo umstritten. Fraktionschef Gregor Gysi hatte Anfang des Monats mit der Äußerung für Unruhe unter den Linken gesorgt, der frühere Parteichef Oskar Lafontaine schließe eine Rückkehr in die Bundespolitik für "Notfallsituationen" nicht aus.

dapd