Mehrfaches Scheitern ist bei der Prüfung zum Führerschein eher die Regel als die Ausnahme. Der Tüv warnt vor einer Überlastung des Prüfsystems.

Der Führerschein genießt nach wie vor eine hohe Beliebtheit unter den Deutschen. Noch nie wurden so viele Prüfungen abgenommen wie im Jahr 2023. Das liegt allerdings hauptsächlich an der hohen Durchfallquote. 42 Prozent der rund 1,97 Millionen theoretischen Prüfungen wurden nicht bestanden. Schlimmer noch: Selbst bei den Wiederholungsprüfungen fielen mehr als die Hälfte der Absolventen (54 Prozent) durch. Bei den praktischen Prüfungen ist die Durchfallquote etwas besser, steigt aber ebenfalls seit Jahren an.
"Mehrfaches Scheitern ist heute eher die Regel als die Ausnahme", konstatiert Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim Tüv-Verband. Gleichzeitig warnt er vor einer Überlastung des Systems. Das Prüfsystem komme an seine Grenzen.
Berufskraftfahrer und 17-Jährige schneiden besser ab
Es gibt aber auch Lichtblicke im Datenreport zu den Fahrerlaubnisprüfungen, den Tüv und Dekra jährlich veröffentlichen: Berufskraftfahrer fallen trotz höherer Anforderungen deutlich seltener durch. Und auch besonders junge Absolventen zeigen bessere Prüfungsergebnisse als der Durchschnitt.
In der Klasse BF17 für das begleitete Fahren ab 17 Jahren bestanden 62 Prozent die theoretische und sogar 74 Prozent die praktische Prüfung. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt beim Pkw-Führerschein der Klasse B, wo mehr als jeder zweite Bewerber (49 Prozent) die theoretische Prüfung nicht auf Anhieb bestand.
Verkehrserziehung sollte höheren Stellenwert bekommen
Insgesamt sieht der Tüv-Verband das deutsche Fahrerlaubniswesen auf einem hohen Niveau. Das spiegelt auch die Zahl der getöteten 18- bis 24-jährigen Verkehrsteilnehmer wider, die zwischen 1991 und 2022 von 2.749 auf 300 sank. Dennoch müsse angesichts hoher Durchfallquoten die Qualität der Fahrausbildung verbessert werden und die Verkehrserziehung insgesamt einen höheren Stellenwert bekommen. "Der Verkehr wird komplexer. Immer mehr Autos treffen auf immer mehr Fahrräder, E-Scooter, Lastenräder, Motorräder und den explodierenden Lieferverkehr", sagt Tüv-Experte Goebelt. "Wir brauchen eine bessere Mobilitätsausbildung während der gesamten Schulzeit – von der Grund- bis zur Oberschule." Aber auch die Eltern seien gefragt, ihre Kinder im Straßenverkehr besser zu unterstützen.
Um eine sichere Teilnahme am Verkehrsgeschehen zu gewährleisten, sollten zudem auch ältere Menschen intensiv auf ihre Leistungsfähigkeit hinsichtlich Fahrkompetenz und Fahreignung aufgeklärt werden. Der Tüv-Verband empfiehlt regelmäßige Rückmeldefahrten für Autofahrer ab 75 Jahren. So könne eine sichere Mobilität ein Leben lang erhalten werden.
Führerschein wird immer teurer
Für den Führerschein müssen Jugendliche immer tiefer in die Tasche greifen. Laut einer Umfrage des ADAC im Herbst vergangenen Jahres unter 1.100 Fahranfängern belaufen sich die Kosten bei der Mehrheit (45 Prozent) zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Der genauere Blick auf den Zeitpunkt der Fahrschule zeige jedoch, dass der Führerschein in den letzten drei bis vier Jahren teurer geworden ist. Denn je später die Umfrageteilnehmer ihren Führerschein erworben haben, desto mehr mussten sie zahlen. Als Grund sieht der ADAC höhere Kosten für Kraftstoff, Personal und die Anschaffung neuer Fahrzeuge.
