Eingetrübter Konjunkturausblick Frühjahrsbelebung im Handwerk bleibt 2023 wohl aus

Die Nachfrage nach handwerklichen Produkten und Dienstleistungen sinkt – das trifft auch gesunde Betriebe. Doch es gibt auch positive Entwicklungen zu vermelden.

Lebensmittel- und Kfz-Handwerke leiden nach wie vor am stärksten unter gestiegenen Energiepreisen. - © Sascha Schneider

Das Handwerk befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Situation. "Im zweiten Quartal droht die übliche Frühjahrsbelebung im Handwerk weitgehend auszubleiben", heißt es in der aktuellen Konjunkturumfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Als Grund für die verhaltenen Umsatzerwartungen nennt der Verband gestiegene Finanzierungs- und hohe Materialkosten sowie eine anhaltend hohe Preisinflation und Kaufkraftverluste. Für die erste Jahreshälfte gehe die große Mehrheit der Betriebe bestenfalls von einer Stagnation der Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Dittrich: Langfristige Aussichten im Handwerk positiv

Die Nachfrage nach vielen handwerklichen Produkten und Dienstleistungen sei zurückgegangen, sagte ZDH-Präsident Jörg Dittrich. "Die Schwierigkeiten, mit denen die Betriebe zu kämpfen haben, sind ganz überwiegend auf externe Faktoren zurückzuführen und treffen auf an sich gesunde Betriebe", betonte er. Die aktuelle Krise ändere an den langfristigen positiven Aussichten für das Handwerk und seinen Beschäftigten nichts. Viele dieser Betriebe seien systemrelevant.

Etwas weniger Probleme auf der Beschaffungsseite

Leichte Verbesserungen sehen die befragten Betriebe bei den Lieferketten und Beschaffungskosten. "Nachdem im November 2022 noch 80 Prozent der Betriebe von diesen Problemen berichteten, waren es zuletzt mit 71 Prozent spürbar weniger", heißt es in der Umfrage, an der sich knapp 2.340 Handwerksbetriebe beteiligt haben. Bei den betroffenen Betrieben rechneten sich bestehende Aufträge allerdings oft nicht mehr. Dies gelte besonders für das Bauhauptgewerbe und die Lebensmittelhandwerke. Von Auftragsverschiebungen und -stornierungen seien dagegen vor allem das Kfz-Handwerk und die Ausbauhandwerke betroffen.

Hohe Energiekosten belasten die Betriebe weiter

Wie die Umfrage weiter deutlich macht, haben auch Anfang 2023 etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (51 Prozent) mit erhöhten Energiepreisen im Vergleich zum Jahresende 2022 zu kämpfen. Der Grund: Betriebe, die 2022 noch von günstigen Bestandsverträgen profitierten, müssen zum Jahresanfang 2023 mit deutlich höheren Bezugspreisen arbeiten. Im Schnitt lag der Preisanstieg bei 54 Prozent.

Lebensmittel- und Kfz-Handwerk besonders betroffen

2022 berichteten 77 Prozent der Betriebe von erhöhten Energiekosten, die im Schnitt um 52 Prozent zulegten, teilweise aber auch weit darüber lagen. Von überdurchschnittlich hohen Preisanstiegen waren Anfang 2023 nach wie vor Lebensmittel- und Kfz-Handwerke betroffen. Bei rund zehn Prozent der befragten Betriebe seien außerdem die Verträge von den Versorgern gekündigt worden und nicht überall hätte ein Anschlussvertrag mit Festpreisen abgeschlossen werden können, heißt es weiter.

Liquiditätsengpässe halten an

Insgesamt berichten knapp ein Fünftel der befragten Betriebe, dass die Energiekostensteigerungen der vergangenen Monate zu einer angespannten Liquiditätssituation geführt hätten. Gas- und Strompreisbremsen seien deshalb weiterhin essentiell für den Fortbestand der Betriebe. Auch die Härtefall-Hilfen müssten endlich aktiviert und den Anspruchsberechtigten zufließen.

Investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen gefordert

Von der Politik wünschen sich die Betriebe bessere Rahmenbedingungen, um Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung bewältigen zu können. Rund ein Viertel der Befragten wünscht sich eine Sonderabschreibung von 50 Prozent für Wirtschaftsgüter, die dem Klimaschutz dienen. Beinahe jeder zweite Handwerksbetrieb würde mehr investieren, wenn eine Sofortabschreibung von 100 Prozent der Investitionssumme möglich wäre.