Frühbucherrabatt auf dem Ausbildungsmarkt

Integration von ausländischen Fachkräften bietet Chancen im Wettkampf um gute Auszubildende und Arbeitskräfte.

Jana Tashina Wörrle

Frühbucherrabatt auf dem Ausbildungsmarkt

Dimitri Yefremenko kommt aus Kasachstan, eigentlich ist er Ingenieur für Systemtechnik, doch nun macht er eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. Er kam im Januar 2007 nach Deutschland, seit September 2008 arbeitet er im Kfz-Meisterbetrieb von Johann Fuchs in Augsburg. "Ich mache die Ausbildung vor allem, um Deutsch zu lernen und erst einmal mitzubekommen, wie das hier in Deutschland so läuft", sagt der 27-Jährige. Nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung in der Autowerkstatt möchte er zurück an die Universität. Durch eine zusätzliche Prüfung, für die er jedoch ausreichend Deutsch sprechen muss, kann er sein technisches Diplom auch hier anerkannen lassen. Auf der Suche nach einer Autowerkstatt kam Dimitri Yefremenko zu Johann Fuchs, beide verstanden sich auf Anhieb sehr gut, kamen ins Gespräch über den erlernten Beruf und nach einer Woche Probearbeit hatte Yefremenko einen Job und Fuchs einen neuen Lehrling.

Auf Jugendliche zugehen

Doch so viel Glück hat in Deutschland nicht jeder ausländische Jugendliche und natürlich kommt auch nicht jeder Einwanderer mit einem abgeschlossenen Hochschuldiplom hierher. Noch immer gilt die berufliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als Problem. Vielerorts bestimmen Vorurteile und gegenseitige Abgrenzung den Alltag. Doch gerade in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels ergeben sich durch ein gelungenes Miteinander von Mitarbeitern verschiedener Herkunft viele neue Chancen - für die Betriebsinhaber wie auch für die neuen Fachkräfte. "Wir werden den Fachkräftebedarf zukünftig nur decken können, wenn wir mehr Jugendliche gewinnen, die bislang keine duale Ausbildung gemacht haben", sagt Reinhold Weiß, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Dazu seien eine frühe und praxisnahe Information an den Schulen, größeres Engagement und Flexibilität bei den Jugendlichen, vor allem aber auch eine größere Bereitschaft von Betrieben, auf Jugendliche zuzugehen, unerlässlich.

In einer Studie hat das BIBB nun aufgezeigt, dass die Ausbildungsquote der Jugendlichen mit ausländischem Pass im Jahr 2008 zwar insgesamt gestiegen sei, dass aber im Vergleich zu den Zahlen der deutschen Jugendlichen trotzdem noch ein großer Nachholbedarf bestehe. Nach Angaben des BIBB ist der Anteil unter den ausländischen Jugendlichen, die einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließen, nur halb so groß wie unter den deutschen und dies, obwohl der Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildung bei beiden Gruppen mit rund 60 Prozent gleich hoch liegt.

Die Probleme mit der Integration zeigen sich vor allem im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt. Nach Angaben des aktuellen Berichts der Bundesregierung über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland lag der Anteil der ausländischen Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren ohne Schulabschluss im Jahr 2008 bei 13,3 Prozent und der Arbeitslosenanteil der Personen in Deutschland mit Migrationshintergrund ist dem Bericht zufolge immer noch doppelt so hoch wie von Einheimischen ohne Migrationshintergrund. Somit sind nun verstärkte Anstrengungen notwendig, um mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Integrationsprozess einzubeziehen und für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Einen Weg sieht die Bundesregierung darin, mehr Lehrer, die selbst ausländische Wurzeln haben, einzustellen.

Für Ausbildung werben

Ein Ansatz, der auch in der Handwerkskammer für München und Oberbayern praktiziert wird. Um schneller und unkomplizierter in Kontakt zu den ausländischen Mitbürgern zu kommen, um den Migranten die Scheu vor der Behörde zu nehmen und auch um damit ausländische Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu motivieren, hat die Kammer Duran Dolu eingestellt. Er kommt selbst aus der Türkei und ist seit dem letzten Jahr Ausbildungsakquisiteur in München. "Ich kenne die türkische Community hier und habe natürlich auch über die Sprache viel schneller Zugang zu den Leuten" sagt Dolu. Sein Job ist es, Schülern, Eltern und auch anderen ausländischen Mitbürgern das deutsche Schul- und Ausbildungssystem näherzubringen.

"Ich werbe für die Ausbildung und versuche gerade die Feinheiten und Spielregeln, die hier gelten, zu erklären", sagt er. Dazu organisiert er Veranstaltungen und geht auch direkt an die Schulen. "Es geht darum, den Schülern eine Perspektive zu geben, dann haben sie auch Lust, sich zu engagieren, und sind motiviert." Integration ist für ihn nichts anderes als Teilhabe an den Möglichkeiten, die die Gesellschaft bietet, und genau diese Teilhabe könne nur über die Bildung ermöglicht werden. "Wir leben heute in einer Wissens- und nicht mehr in einer Industriegesellschaft. Nur mit einer ausreichenden Bildung und vor allem mit einer guten Ausbildung kann man etwas erreichen", sagt Dolu. Genau diese Unterschiede sind es, die er den Schülern und vielfach auch den Eltern erklärt.

Die erste Generation der Türken, die in den 50er und 60er Jahren nach Deutschland gekommen ist, sei auch ohne berufliche Qualifikation und mit weniger Sprachkenntnisse zurechtgekommen, sagt Dolu und betont, dass heute jedoch andere Kriterien wichtig seien: "Die Probleme mit der Integration sind eng verknüpft mit unserer heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur. In der Wissensgesellschaft muss man die Sprache gut beherrschen, denn in unserer globalisierten Welt haben Menschen ohne berufliche Qualifikation keine Chance." In den Zeiten des Fachkräftemangels gäbe es vorhandene Potenziale, die man besser nutzen könne. "Die dritte Generation muss begreifen, dass Bildung unumgänglich ist", sagt Dolu. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, vertritt hier eine ähnliche Meinung und betont, dass es nun gelte, das Potenzial der Arbeitskräfte in Deutschland auszuschöpfen und deshalb müsse ein besonderes Anliegen im Handwerk die berufliche Integration von Migranten sein.

Bildung gibt den Weg vor

Ob während oder durch die Berufsausbildung oder auch im regulären Arbeitsverhältnis - neue Fachkräfte werden gebraucht. Schon im letzten Jahr konnten im Handwerk nicht alle Lehrstellen besetzt werden und auch in diesem Jahr sind noch etwa 10.000 Plätze frei. Nach Angaben des ZDH haben derzeit rund 5,5 Prozent der Handwerksazubis einen ausländischen Pass, für die Lehrlinge mit Migrationsanteil - von denen ein Elternteil also nicht aus Deutschland stammt - liegt die Zahl etwas höher. Da die Prognosen für die zukünftigen Schülerzahlen jedoch negativ ausfallen, also weniger potenzielle Auszubildende zur Verfügung stehen, wird auch der Anteil der ausländischen Azubis im Handwerk steigen - umso wichtiger ist eine gelingende Integration.

Auch Cüneyt Cinal kennt das Problem mit der Integration. Er wurde zwar in Deutschland geboren, verbrachte die Zeit bis nach der Grundschule dann jedoch in der Türkei und hatte deshalb erst einmal große Probleme, in Deutschland Fuß zu fassen. Heute führt auch er eine Kfz-Werkstatt und bildet dort den Handwerksnachwuchs aus. Vier Lehrlinge, von denen drei einen Migrationshintergrund haben, sind momentan bei ihm in München angestellt. "Ich hatte es anfangs in der Schule sehr schwer", erzählt Cinal, "meine Noten waren schlecht. Irgendwann habe ich dann aber kapiert, dass ich keine Lehrstelle bekomme, wenn ich mich nicht besonders stark anstrenge." Seiner Meinung nach müssten die Schulen viel früher anfangen, den Jugendlichen anhand von Praktika in Betrieben oder über einen besseren Fachunterricht einen Zugang zu den Berufen zu verschaffen. Gerade die ausländischen Jugendlichen hätten es nicht leicht, hier den richtigen Weg zu finden, wenn sie nicht von zu Hause vermittelt bekämen, wo es beruflich hingehen soll.

Genau diese fehlende Brücke versucht Duran Dolu mit seinem Einsatz für die ausländischen Jugendlichen zu schlagen. "Hier spielen die Betriebe eine Schlüsselrolle", sagt Dolu. Sie müssten sich mehr öffnen und sehen, dass sie mit der neuen Zielgruppe sehr viel dazugewinnen könnten - auch viele neue Beziehungen und damit Kunden. "Es ist wie mit den Flugtickets. Früher war Last Minute angesagt, heute gilt der Frühbucherrabatt, die Handwerksbetriebe, die sich also früh genug kümmern, bekommen auch die besten Mitarbeiter ab", sagt der Ausbildungsakquisiteur.

Gute Mitarbeiter zeichnet besonders auch ihr Fleiß und die Begeisterung für den Beruf aus. Genau mit diesem Werten erreicht so manch ein Betriebsgründer mit Migrationshintergrund dann auch seine Ziele. "Für mich spielt die Nationalität keine Rolle. Hauptsache ist, dass wir gut im Team zusammenarbeiten können", sagt Johann Fuchs. Er ist Ausbilder von drei Lehrlingen. Jeder einzelne seiner Mitarbeiter hat einen so genannten Migrationshintergrund - auch der Chef selbst. Vor 21 Jahren kam er von Kasachstan nach Augsburg und weiß daher sehr genau, was es bedeutet, wenn man sich in einem fremden Land zurechtfinden muss, wie lange es dauern kann, bis man sich in einer fremden Kultur heimisch fühlt und welche Barrieren zum Einsturz gebracht werden müssen, wenn man als Migrant beruflich etwas auf die Beine stellen will. Integration gehört für ihn zum Alltag, beruflich und privat.

Kontakt über die Sprache

Seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker hat er in Kasachstan gemacht, darauf folgten mehrere Jahre im Beruf und damit die Anerkennung zum Kfz-Meister. In Deutschland musste er die Meisterprüfung dann jedoch komplett von vorne beginnen. "Ich wollte in Deutschland meinen eigenen Betrieb gründen und auch ausbilden und dafür braucht man hier nun mal den deutschen Meisterbrief", sagt Fuchs. Mit großem Ehrgeiz und viel Fleiß hat er es dann sehr schnell geschafft, seine Ziele zu erreichen. Und genau dieser Ehrgeiz ist es auch, den er bei den ausländischen Lehrlingen, die er ausgebildet hat, immer wieder bemerkt. "Meine Mitarbeiter haben einen großen Ansporn, etwas zu erreichen, sie wollen weiterkommen und die Chance nutzen, die ich ihnen hier geben kann", sagt Fuchs, "und das merken wir auch immer wieder an unserem guten Arbeitsklima." Auf die Frage, ob er sich heute - nach über 20 Jahren in Deutschland - integriert fühle, sagt Fuchs eindeutig "ja".

Trotzdem habe es einige Zeit gedauert und vor allem die vielen Behördengänge wären anfangs sehr kompliziert für ihn gewesen. Für seine Azubis, die oft die selben Probleme haben, hat er deshalb heute viele Tipps parat und kann auch gleichzeitig selbst ein gutes Beispiel dafür abgeben, wie gelungene Integration aussehen kann. "Den ersten Schritt müssen immer diejenigen machen, die neu sind", erklärt er, "dann kommt auch die Gegenseite einen Schritt näher und schon sind die Barrieren gefallen." Das Erste, was er damals, als er in Deutschland angekommen ist, gemacht hat, ist Kontakt zu suchen - beruflich und privat. "Ich rate auch jedem, der mich zu diesem Thema etwas fragt, dass er so schnell wie möglich die Sprache lernen soll, denn dann fühlt man sich nicht ausgeschlossen und kann anders auf die Menschen zugehen", so Fuchs. Wenn man sich zurückzieht, sei man selbst schuld, wenn die Integration nicht klappt.


Auch Cüneyt Cinal kennt das Problem mit der Integration. Er wurde zwar in Deutschland geboren, verbrachte die Zeit bis nach der Grundschule dann jedoch in der Türkei und hatte deshalb erst einmal große Probleme, in Deutschland Fuß zu fassen. Heute führt auch er eine Kfz-Werkstatt und bildet dort den Handwerksnachwuchs aus. Vier Lehrlinge, von denen drei einen Migrationshintergrund haben, sind momentan bei ihm in München angestellt. "Ich hatte es anfangs in der Schule sehr schwer", erzählt Cinal, "meine Noten waren schlecht. Irgendwann habe ich dann aber kapiert, dass ich keine Lehrstelle bekomme, wenn ich mich nicht besonders stark anstrenge." Seiner Meinung nach müssten die Schulen viel früher anfangen, den Jugendlichen anhand von Praktika in Betrieben oder über einen besseren Fachunterricht einen Zugang zu den Berufen zu verschaffen. Gerade die ausländischen Jugendlichen hätten es nicht leicht, hier den richtigen Weg zu finden, wenn sie nicht von zu Hause vermittelt bekämen, wo es beruflich hingehen soll.

Genau diese fehlende Brücke versucht Duran Dolu mit seinem Einsatz für die ausländischen Jugendlichen zu schlagen. "Hier spielen die Betriebe eine Schlüsselrolle", sagt Dolu. Sie müssten sich mehr öffnen und sehen, dass sie mit der neuen Zielgruppe sehr viel dazugewinnen könnten - auch viele neue Beziehungen und damit Kunden. "Es ist wie mit den Flugtickets. Früher war Last Minute angesagt, heute gilt der Frühbucherrabatt, die Handwerksbetriebe, die sich also früh genug kümmern, bekommen auch die besten Mitarbeiter ab", sagt der Ausbildungsakquisiteur.
Gute Mitarbeiter zeichnet besonders auch ihr Fleiß und die Begeisterung für den Beruf aus. Genau mit diesem Werten erreicht so manch ein Betriebsgründer mit Migrationshintergrund dann auch seine Ziele. "Für mich spielt die Nationalität keine Rolle.

Hauptsache ist, dass wir gut im Team zusammenarbeiten können", sagt Johann Fuchs. Er ist Ausbilder von drei Lehrlingen. Jeder einzelne seiner Mitarbeiter hat einen so genannten Migrationshintergrund - auch der Chef selbst. Vor 21 Jahren kam er von Kasachstan nach Augsburg und weiß daher sehr genau, was es bedeutet, wenn man sich in einem fremden Land zurechtfinden muss, wie lange es dauern kann, bis man sich in einer fremden Kultur heimisch fühlt und welche Barrieren zum Einsturz gebracht werden müssen, wenn man als Migrant beruflich etwas auf die Beine stellen will. Integration gehört für ihn zum Alltag, beruflich und privat.

Kontakt über die Sprache

Seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker hat er in Kasachstan gemacht, darauf folgten mehrere Jahre im Beruf und damit die Anerkennung zum Kfz-Meister. In Deutschland musste er die Meisterprüfung dann jedoch komplett von vorne beginnen. "Ich wollte in Deutschland meinen eigenen Betrieb gründen und auch ausbilden und dafür braucht man hier nun mal den deutschen Meisterbrief", sagt Fuchs. Mit großem Ehrgeiz und viel Fleiß hat er es dann sehr schnell geschafft, seine Ziele zu erreichen. Und genau dieser Ehrgeiz ist es auch, den er bei den ausländischen Lehrlingen, die er ausgebildet hat, immer wieder bemerkt. "Meine Mitarbeiter haben einen großen Ansporn, etwas zu erreichen, sie wollen weiterkommen und die Chance nutzen, die ich ihnen hier geben kann", sagt Fuchs, "und das merken wir auch immer wieder an unserem guten Arbeitsklima.“ Auf die Frage, ob er sich heute - nach über 20 Jahren in Deutschland - integriert fühle, sagt Fuchs eindeutig "ja".

Trotzdem habe es einige Zeit gedauert und vor allem die vielen Behördengänge wären anfangs sehr kompliziert für ihn gewesen. Für seine Azubis, die oft die selben Probleme haben, hat er deshalb heute viele Tipps parat und kann auch gleichzeitig selbst ein gutes Beispiel dafür abgeben, wie gelungene Integration aussehen kann. "Den ersten Schritt müssen immer diejenigen machen, die neu sind", erklärt er, "dann kommt auch die Gegenseite einen Schritt näher und schon sind die Barrieren gefallen." Das Erste, was er damals, als er in Deutschland angekommen ist, gemacht hat, ist Kontakt zu suchen - beruflich und privat. "Ich rate auch jedem, der mich zu diesem Thema etwas fragt, dass er so schnell wie möglich die Sprache lernen soll, denn dann fühlt man sich nicht ausgeschlossen und kann anders auf die Menschen zugehen", so Fuchs. Wenn man sich zurückzieht, sei man selbst schuld, wenn die Integration nicht klappt.