Deutsche Friedensforscher fordern von Europa mehr Unterstützung für die revolutionären Bewegungen in der arabischen Welt. Die Debatte sei fälschlicherweise nicht zuerst in diese Richtung gegangen. Stattdessen "schlug sofort die Angst zu" vor Islamisten und Flüchtlingen, kritisierte Bruno Schoch von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.
Friedensforscher fordern europäische Hilfe für arabische Aufstände
Berlin (dapd). Deutsche Friedensforscher fordern von Europa mehr Unterstützung für die revolutionären Bewegungen in der arabischen Welt. Die Debatte sei fälschlicherweise nicht zuerst in diese Richtung gegangen. Stattdessen "schlug sofort die Angst zu" vor Islamisten und Flüchtlingen, kritisierte Bruno Schoch von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung bei der Vorstellung des Friedensgutachtens 2011 am Dienstag in Berlin.
In dem Gutachten wird insbesondere die Arbeit der EU-Grenzschutzagentur Frontex angegriffen, deren Praktiken sich häufig in einer "Grauzone" bewegten, "die weder vom Völkerrecht noch von der Menschenrechts-Charta abgedeckt ist". Die Flüchtlingspolitik der EU setze allein auf Abwehr und blende menschenrechtliche Bedenken völlig aus. Schoch sprach von einer "irrationalen Angst" Europas vor Flüchtlingen.
Die Wissenschaftler kritisierten zudem die Rolle Europas bei der Stabilisierung autoritärer Herrscher in der arabischen Welt in der Vergangenheit. "Wir haben im Interesse des Ölflusses und der Stabilität viel zu lange mit diesen Regimen paktiert", sagte Schoch.
Die Forscher forderten, Waffenverkäufe in Spannungsgebiete und an Gewaltherrscher zu unterbinden. Sie kritisierten zugleich mangelnde Einigkeit innerhalb der EU. Diese befinde sich in der schwersten Krise seit ihrer Gründung und agiere international zerrissen.
Das Friedensgutachten wurde von Wissenschaftlern der fünf führenden deutschen Institute im Bereich Friedens- und Konfliktforschung erstellt. Es erscheint seit 1987 jedes Jahr.
dapd
