Flexible Arbeitszeitmodelle Freiheit lockt Fachkräfte

Großunternehmen kommen an flexiblen Arbeitszeitmodellen kaum mehr vorbei. Doch auch das Handwerk geht neue Wege, um Mitarbeiter an sich zu binden. Was zunächst ungewohnt ist, birgt Vorteile für beide Seiten.

Von flexiblen Arbeitszeiten profitieren beide: Chef und Mitarbeiter. - © amh-online.de

Flexible Arbeitszeitmodelle und Home Office gelten neben Weiterbildung als Top-Maßnahme gegen Probleme bei der Besetzung neuer Stellen. Das hat eine Untersuchung des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) an der Uni Bamberg unter den 1000 größten Unternehmen in Deutschland ergeben. Bewerber fordern demnach die Vereinbarkeit von Familie und Beruf inzwischen fast selbstverständlich ein. In den befragten Firmen geht man davon aus, dass flexible Arbeitszeiten die Produktivität der Mitarbeiter erhöhen.

Tatsächlich werden Mitarbeiter produktiver, wenn sie ihre Arbeitszeit an ihre medizinischen und psychologischen Bedürfnisse anpassen können und gleichzeitig die Besonderheiten des betrieblichen Arbeitsablaufes einbezogen sind.

Flexibilität lockt Fachkräfte

Auch für das Handwerk ist flexible Arbeitszeit ein wichtiges Mittel, um Mitarbeiter an sich zu binden. Nicht nur die Mitarbeiter profitieren davon. Gerade Kleinstunternehmen können mit Hilfe der Flexibilisierung häufig stärker auf Anforderungen der Kunden eingehen .

Mit Hilfe flexibler Arbeitszeiten ergeben sich für Handwerksbetriebe bessere Kapazitätsauslastungen und niedrigere Kosten pro Stück beziehungsweise pro Dienstleistung, hat das Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) in München herausgefunden. In der LFI-Untersuchung "Personal- und Arbeitszeitmanagement im Handwerk" heißt es, Produktionskonzepte wie zum Beispiel Just-in-Time zur Verringerung der Lagerhaltung und der Wertschöpfungszyklen erforderten regelrecht flexible Arbeitszeiten.

Firmenchefs profitieren von der Flexibilisierung außerdem, weil notwendige Mehrarbeit nicht bürokratisch beantragt und genehmigt werden muss, Extrakosten entfallen .

Mut zur Abwesenheit

Ob ein flexibles Arbeitszeitmodell funktioniert, hängt nicht nur von der Bereitschaft des Unternehmens, sondern auch ganz stark von den jeweiligen Mitarbeitern ab. Die Befürchtung vieler Arbeitgeber, Mitarbeiter könnten die neue Flexibilität ausnutzen, ist in den meisten Fällen unbegründet. Im Gegenteil: Können die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit völlig frei wählen, so führe das häufig zu einer Arbeitsintensivierung und Überstunden, warnt Yvonne Lott, Arbeitsmarktforscherin bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Insbesondere Menschen, die sich stark mit ihrem Job identifizieren, seien gefährdet.

Bei Microsoft setzt Personalchefin Elke Frank deswegen auf drei Punkte: "Klare Zielvereinbarung, klare Regeln und die Kommunikation muss passen", sagt sie und betont, dass es feste Zeiten brauche, in denen sich das Team und Vorgesetzte auch in der Realität treffen können.

Nicht jeder Mensch ist für flexible Arbeitszeiten geeignet. Erkennt der Unternehmer, dass sein Mitarbeiter entweder in seiner Leistung nachlässt oder aber, dass er überfordert ist und das Gefühl hat, ständig erreichbar sein zu müssen, so sollte der Chef mit dem Betroffenen wieder feste Zeiten vereinbaren.

Ausführliche Informationen zu verschiedenen Arbeitszeitenmodellen finden Sie hier:

dhz/dpa