Lastwagen, Bagger oder Krane aus Holz - zu DDR-Zeiten waren sie wohl beinahe in jedem Kindergarten zu finden. Gefertigt wurden die auch als "Fröbel-Spielzeug" bekannten Fahrzeuge in der Firma Werdauer Holzspielzeug in Sachsen. Noch leitet Siegfried Eberlein das ostdeutsche Traditionsunternehmen. Am Freitag steht ein Generationswechsel an...
Freie Fahrt für Mini-Fahrzeuge aus Werdau
Werdau (dapd-lsc). Lastwagen, Bagger oder Krane aus Holz - zu DDR-Zeiten waren sie wohl beinahe in jedem Kindergarten zu finden. Gefertigt wurden die auch als "Fröbel-Spielzeug" bekannten Fahrzeuge in der Firma Werdauer Holzspielzeug in Sachsen. Noch leitet Siegfried Eberlein das ostdeutsche Traditionsunternehmen. Am Freitag steht ein Generationswechsel an. Dann werden der 68-Jährige und seine Frau Gisela die Angestellten von Sohn Jens.
Mit der Firmenübergabe soll die jahrzehntelange Tradition fortgeführt werden. "Ich bin quasi in der Werkstatt aufgewachsen, meine Wochenenden bestanden aus Holz", sagt Jens Eberlein. Der 45-Jährige ist Diplomingenieur für Holztechnik und nach einem Zwischenspiel in der Computerbranche seit 2009 wieder im Familienbetrieb tätig.
Das Unternehmen ging aus einer 1958 gegründeten Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) hervor. Siegfried Eberlein war damals der erste Tischlerlehrling.
Vor der Wende entschied weniger der Preis, sondern vor allem die Verfügbarkeit über den Besitz der Spielzeuge. In privaten Kinderzimmern gab es sie kaum, denn die meisten Produkte wurden in Größenordnungen "zu Billigpreisen in den Westen verramscht", wie Siegfried Eberlein berichtet. Dabei konnte sich die Qualität sehen lassen. Und heute könnten sogar noch bessere Materialien verarbeitet werden, sagt er.
Früher wie heute ist das Markenzeichen ein stilisiertes "W" für Werdau, das dem Logo eines damaligen Kraftfahrzeugwerks in der westsächsischen Stadt entlehnt wurde. Die beiden "F" in der Spielzeugmarke stehen für Friedrich Fröbel (1782-1852). Den Namen des Pioniers der kindlichen Bildung erhielt die PGH als Anerkennung für ihre pädagogisch wertvollen Produkte, wie Eberlein senior berichtet.
Er erlebte alle Höhen und Tiefen des Unternehmens mit: Messe-Goldmedaille 1964 in Leipzig, Verstaatlichung der Genossenschaft und Angliederung an das DDR-Spielzeugkombinat, Wegbrechen der Märkte nach der Wende, GmbH-Gründung und Gesamtvollstreckung in den 1990er Jahren und schließlich Gründung der eigenen Firma 1998.
Damals wollten die Eberleins nur die Werkstatt des alten Betriebs haben, aber die Bank verpflichtete sie zur Übernahme der gesamten ehemaligen PGH-Zentrale. Im Maschinensaal arbeiteten früher 40 Leute. Heute können sich die drei Eberleins und eine Teilzeitkraft einteilen, an welcher Maschine welcher Arbeitsgang gerade ausgeführt wird.
Der Neustart sei finanziell hart gewesen. "Aber wir konnten das doch nicht sterben lassen", sagt Siegfried Eberlein. "Wir würden es trotzdem noch mal wagen", fügt seine Frau Gisela hinzu. Sie und ihr Mann wollen in der Firma mitarbeiten, "so lange es geht, weil wir Spaß" daran haben. Die nächste Generation indes braucht noch eine Weile: Jens Eberleins Söhne sind sieben und neun Jahre alt.
Linus, der Jüngere, durfte mit Turmdrehkran und Langholztransporter schon mal für den Katalog der Firma posieren. Der neue Chef hat sich vorgenommen, Marketing und Vertrieb deutlich zu verbessern. Das Netz der Fachhandelspartner in Ostdeutschland soll flächendeckend ausgebaut und schrittweise auf den Westen ausgedehnt werden.
Mit einer neuen Website (werdauer-holzspielzeug.de) hofft er zugleich auf mehr Absatz über das Internet. Sechs bis sieben Prozent wären für den Anfang nicht schlecht, sagt Eberlein. Insgesamt rechnet er für dieses Jahr mit einem Umsatzplus von sechs Prozent.
dapd
