Klischeefreie Berufswahl Frauen ziehen Studium Berufsausbildung vor

Immer weniger Frauen interessieren sich für eine berufliche Ausbildung, ihr Anteil im dualen System sinkt weiter. Dennoch schaffen es manche Branchen, den Frauenanteil allmählich zu steigern. Warum Mädchen eher die Schulbank drücken und wie Unternehmer sie doch für sich gewinnen können.

In manchen "Männerberufen“ steigt der Frauenanteil, allerdings nur minimal. Insgesamt wählen immer weniger Frauen eine berufliche Ausbildung. - © BIBB/ES

Immer weniger Frauen interessieren sich für eine berufliche Ausbildung. Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mitteilt, sank die Zahl der Ausbildungsverträge, die mit Frauen abgeschlossen wurden, im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent auf 204.100. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Ausbildungsverträge mit jungen Männern um 0,5 Prozent auf 316.200 gestiegen.

Schule und Studium: Schulbank statt Werkbank

Das insgesamt niedrigere Interesse junger Frauen an einer dualen Berufsausbildung erklären BIBB-Forscher damit, dass sich Schülerinnen eher für ein Studium oder vollqualifizierende Ausbildungsgänge entscheiden – zum Beispiel im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen.

Immer noch sehr viele junge Menschen wählen ihren Beruf auch heute entsprechend herrschender Rollenbilder, mit deutlichen Folgen für das persönliche Einkommen und die Karrierechancen. "Bildung ist der Weg zu mehr Chancengerechtigkeit", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. "Wir müssen es schaffen, dass Rollenklischees endlich abgelegt werden. Darum brauchen wir eine allein an den Interessen und Fähigkeiten der jungen Leute ausgerichtete Unterstützung bei der Berufs- und Studienwahl."

Um die klischeefreie Berufswahl zu fördern, hat das Bundesbildungsministerium jetzt die Webseite portal www.klischee-frei.de gestartet. Institutionen, Eltern und Unternehmen erfahren hier, wie sie junge Menschen darin unterstützen, ihre Tätigkeit entsprechend ihren Stärken und unabhängig vom Geschlecht zu wählen. Das Portal setzt vor allem auf Aufklärung, denn das Bewusstwerden eigener Rollenbilder sei der Anfang vom Ende stereotyper Leitbilder, so Wanka.

Trendwende bei "Männerberufen"

Immerhin gibt es in manchen Branchen erste Anzeichen für eine Trendwende bei der Berufswahl. In rund 80 von 105 durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) untersuchten "Männerberufen“ ist der Anteil weiblicher Auszubildender in den letzten zwölf Jahren gestiegen.

"Männerberufe“ sind Berufe, in denen der Männeranteil bei über 80 Prozent liegt. Zu ihnen zählten bislang Bäcker, bei denen der Anstieg weiblicher Beschäftigter zwischen 2004 und 2015 um 7,7 Prozent auf insgesamt 25,9 Prozent stieg, so dass der Beruf kein „Männerberuf“ mehr ist. Bei den Malern und Lackierern stieg der Frauenanteil um 6,5 Prozent auf 15,9 Prozent, bei den Tischlern um 5,0 Prozent auf 12,2 Prozent. Auch in der Bauwirtschaft ist der Frauenanteil leicht gestiegen, von zwölf auf 13 Prozent im Jahr 2015, meldet die Soka Bau. bst