Frauen, ältere Arbeitnehmer und Zuwanderer könnten nach einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit die drohenden Lücken am Arbeitsmarkt füllen. Außerdem könnte eine bessere Bildungspolitik dem Fachkräftemangel entgegenwirken, heißt es in einem Zehn-Punkte-Plan der BA.
Frauen und Zuwanderer gegen den Fachkräftemangel
Die Bundesagntur für Arbeit (BA) will nach eigenen Angaben mit ihrem Konzept "Perspektive 2025 – Fachkräfte für Deutschland" eine solide Datenbasis liefern. Demnach wird das Potenzial an Erwerbspersonen bis 2025 um rund 6,5 Millionen zurückgehen. Der drohende Fachkräftemangel sei aber kein Schicksal", erklärte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.
Schlummernde Potenziale
Mit den BA-Vorschlägen, die als Broschüre auf der Internetseite arbeitsagentur.de veröffentlicht wurde, ließen sich nach Darstellung der Agentur bis zum Jahr 2025 mehrere Millionen zusätzliche Arbeitskräfte gewinnen. Es gehe darum aufzuzeigen, wo schlummernde Potenziale innerhalb Deutschlands optimal genutzt werden könnten.
So rechnen die Autoren vor, dass allein durch eine Verringerung der Abbrecherquote bei Auszubildenden und Studenten um jeweils nur zehn Prozent bis 2025 etwa jeweils 100.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden könnten. Würden mehr Frauen ihre Arbeitszeit verlängern oder gar Vollzeit arbeiten, etwa aufgrund einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kämen bis zu 2,1 Millionen Vollzeitbeschäftigte hinzu. Mindestens 500.000 weitere Vollzeitjobs könnten besetzt werden, wenn die Erwerbstätigenquote bei den 55- bis 64-Jährigen etwas stiege.
All dies werde aber nicht reichen, um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken, erklärte Becker. Deshalb wird in dem Papier auch das Thema Zuwanderung angesprochen. "Wenn es Deutschland ab 2015 gelingen würde, auf 50 Prozent oder gar 100 Prozent des langfristigen historischen Nettozuwanderungsniveaus von 200.000 Personen pro Jahr zu kommen, ließe sich bis 2025 ein zusätzliches Fachkräftepotenzial von 0,4 bis 0,8 Millionen Vollzeitäquivalenten erschließen", heißt es in der Broschüre. Hierzu sei aber neben dem Abbau rechtlicher und bürokratischer Hürden auch eine "Willkommenskultur" auf allen gesellschaftlichen Ebenen notwendig.
"Diagnose wird geteilt"
Das Bundesarbeitsministerium erklärte zu dem Papier: "Das ist eine Diagnose, die von uns geteilt wird. Das ist nichts Neues." Allerdings sei zum Abbau von Hürden für Zuwanderer – zum Beispiel die sogenannte Vorrangprüfung – noch nichts entschieden. "Dazu laufen Gespräche", sagte ein Ministeriumssprecher.
Doch sind vor allem FDP und CSU darüber völlig uneins. Während die Liberalen für eine Lockerung der Vorrangprüfung und eine Senkung der Einkommensgrenzen für Zuwanderer plädieren, ist die CSU kategorisch dagegen und bestreitet, dass es einen Fachkräftemangel gibt.
Trotz der Anregung, mehr Frauen für den Arbeitsmarkt zu gewinnen, hält die Koalition zudem am geplanten Betreuungsgeld fest. Dieses soll an Mütter gezahlt werden, die ihre kleinen Kinder zu Hause betreuen, statt sie in eine Krippe zu geben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Bundesregierung sei es wichtig, den Frauen die freie Entscheidung zu lassen. Trotzdem sei es ein wichtiges Ziel, die Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben auszuweiten.
Familienministerin Kristina Schröder verwies darauf, dass 1,2 Millionen gut ausgebildete Frauen kurzfristig auf den Arbeitsmarkt zurückkehren könnten, wenn sie ausreichend Kinderbetreuung fänden. "Der bedarfsgerechte Ausbau der Kindertagesbetreuung bis 2013 ist deshalb der richtige Weg", erklärte die CDU-Politikerin. Außerdem habe das Ministerium eine Reihe von Initiativen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestartet, darunter eine für "familienbewusstere Arbeitszeiten".
dapd