Die Fußball-WM im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Franzosen ohne Ehre

Sie sind die Skandaltruppe dieser Weltmeisterschaft, vergleichbar mit einer Horde unerzogener Sonderschüler auf Klassenfahrt: Die einst so ruhmreiche französische Nationalmannschaft sorgt ausschließlich für peinliche Schlagzeilen, blamiert sich fußballerisch, wo es nur geht und zerdeppert so viel Porzellan, das man sich kaum vorstellen kann, wie die Equipe Tricolore in den nächsten Jahren überhaupt wieder auf Kurs kommen will. WM-Kolumne von Stefan Galler

Franzosen ohne Ehre

Meisterbetrieb: Afrikanisches Kräuterweiblein

Jetzt gibt es also doch wieder ein Endspiel für die deutsche Elf: Gegen Ghana muss am Mittwochabend ein Sieg her, sonst können Schweini, Lahm und Co. schon am Freitag die ersten Sponsorentermine in der Heimat wahrnehmen. Aber mal unter uns: Wer Ghana nicht schlägt, braucht vom vierten Stern gar nicht zu reden. Und überhaupt: Gegen die Serben haben wir nur verloren, weil dieser Mannschaft in den 90 Minuten so viel Übles widerfuhr wie etwa dem FC Bayern normalerweise in einer ganzen Halbserie nicht. Vielleicht hatte es ganz andere Gründe, dass ausgerechnet Stürmer Klose eine frühe Gelb-Rote Karte erhielt und Podolski beim Elfmeter in Sekunden von Prinz Peng zum Pipi-Prinz mutierte, der sich ob der großen Aufgabe ins Höschen pullerte und verschoss. Eine ghanaische Seherin soll während des Spiels mit zwei Voodoo-Puppen durch Accra gelaufen sein und unverständliche Verwünschungen gemurmelt haben. Den spanischen Schiri soll sie ebenfalls verzaubert haben, so dass der das dringende Bedürfnis hatte, allen Spielern seine schönen Gelben Karten zu zeigen, dem sympathischen Klose sogar die seltene Rote. Und Jogi Löw, der deutsche Trainer, bekam den Voodoo-Kult bei der Pressekonferenz nach dem Spiel zu spüren, als er nicht mal mehr wusste, gegen wen seine Mannschaft eigentlich gerade verloren hatte. Bosnien? Kroatien? Nee, es waren wirklich die Serben. Dann wollen wir mal hoffen, dass das geheimnisvolle afrikanische Kräuterweiblein am Mittwoch nicht wieder in den richtigen Giftschrank greift.

Gesellenstück: Spritzige Sause in Pjöngjang

Sie sind schon schlaue Leute, diese Nordkoreaner. Das zeigen sie tagtäglich mit ihrer cleveren Außenpolitik, die einzig und allein darauf ausgelegt, sich so schlecht zu benehmen, dass es ihnen sogar als großes Verdienst ausgelegt wird, wenn sie mal ausnahmsweise nicht provozieren. Aber auch im Fußball ist das rote Reich ein echter Vorzeigestaat. Das beginnt schon damit, dass man in der Heimat bereits vor dem ersten Vorrundenspiel eine mögliche WM-Siegesfete simulierte. Das beruhigt uns hartgesottene Feier-Biester: Wenn Nordkorea den Titel holt, wird die Party geordnet ablaufen. Keine Schnapsleichen, keine halbnackten Groupies auf der Tribüne des Nationalstadions von Pjöngjang und auch keine unästhetischen Bierduschen. Dafür Einheitsklamotten, Militärparade und saftige Marschmusik. Wir wollen ja nicht als Spaßbremsen unangenehm auffallen, aber es steht zu befürchten, dass diese spritzige Sause doch wider Erwarten ins Wasser fällt: Wenn Nordkorea am Montag gegen Portugal verliert, was ja durchaus im Bereich des Möglichen liegt, ist der Traum vom Titel vorbei. Dann würde das Land genauso hemmungslos weinen wie Star-Stürmer Jong Tae Se bei der Hymne vor dem Brasilien-Match. Die ganze Welt hat sich gefragt, warum der selbsternannte „Rooney Nordkoreas“ derart bitterlich schluchzte. Wir haben knallhart recherchiert – hier sind die wahren Gründe: Erstens beklagte er die Tatsache, dass der echte Rooney ungefähr eine Million mal mehr Geld verdient als er und zweitens betrauerte er die Tatsache, dass es ihn, obwohl er in Japan geboren ist, ausgerechnet in diesen Schurkenstaat verschlagen hat.

Erstes Lehrjahr: Orientierungslos fürs Vaterland

Mal ehrlich: Der Unterhaltungswert dieser Weltmeisterschaft hält sich insgesamt gesehen in Grenzen. Wie gut tut es da, dass doch hin und wieder lupenreiner Slapstick angeboten wird. Wie zuletzt beim Spiel Spanien gegen die Schweiz. Nicht dass wir uns jetzt über die angeblich so unbesiegbaren Iberer lustig machen wollen, die sich von den wackeren Eidgenossen klassisch haben auskontern lassen. Oder gar über all jene, die monatelang durch die Gegend gerannt sind und verkündet haben, dass nur Spanien den Titel holen wird, nun aber allerorten die Ausnahmestellung der Argentinier betonen. Nein, unsere Aufmerksamkeit gilt dem Schweizer Philippe Senderos, der für ein Novum im internationalen Fußball sorgte: Mit Schmackes haute er den Spieler Lichtsteiner ohne Aussicht auf einen Ballgewinn aus den Socken. Ist an sich nichts Neues, wird mancher sagen. Vielleicht sollten wir hinzufügen, dass Lichtsteiner ebenfalls Schweizer ist, Senderos also einfach mal einen Mannschaftskameraden umsenste. Und zwar nicht irgendwie so ein bisschen, sondern mit Voll-Karacho und so heftig, dass es bei dieser Szene sogar einen Verletzten gab – nämlich Übeltäter Senderos selbst. So recht weiß man nicht, warum er das gemacht hat, vielleicht ja, weil ihm Lichtsteiner im Trainingslager immer tote Mäuse ins Bett gelegt oder die letzte Nachspeise weggegessen hat. Vielleicht liegt es aber auch ganz einfach daran, dass der Vater von Senderos – kein Witz – ein waschechter Spanier ist, der einst in die Schweiz emigrierte. Und der Sohnemann derart gemischte Gefühle über den Rasen trug, dass er irgendwann einfach die Orientierung verlor. Der Arme, und wir lachen ihn auch noch aus.

Zwei linke Hände: Sonderschüler auf Klassenfahrt

Sie sind die Skandaltruppe dieser Weltmeisterschaft, vergleichbar mit einer Horde unerzogener Sonderschüler auf Klassenfahrt: Die einst so ruhmreiche französische Nationalmannschaft sorgt ausschließlich für peinliche Schlagzeilen, blamiert sich fußballerisch, wo es nur geht und zerdeppert so viel Porzellan, das man sich kaum vorstellen kann, wie die Equipe Tricolore in den nächsten Jahren überhaupt wieder auf Kurs kommen will. Das Schmierentheater beim amtierenden Vizeweltmeister ist glänzend besetzt: In der Rolle des unbeliebten Paukers brilliert der herrlich schrullige Raymond Domenech: Pseudo-intellektuelles Gehabe, gepaart mit völliger sportlicher Inkompetenz und einem Ego, das größer ist als der Eiffelturm. Als der bei den anderen Schülern unbeliebte Streber überzeugt Yohan Gourcuff, Typ Schwiegersöhnchen mit Hang zur ausgeprägten Egoismus auf dem Platz. Einer, dem man Juckpulver ins Trikot reibt und der vom harten Kern der coolsten Jungs geflissentlich ignoriert wird. Den Klassenflegel gibt Nicolas Anelka, Typ ewiger Sitzenbleiber mit dem Hang zu Verbalinjurien der besonders hässlichen Art. Man fragt sich ohnehin, warum der immer noch planlos auf dem Platz herumstehen darf, aber offenbar ist er Domenech nicht einmal dafür dankbar, dass der seine fast immer bodenlosen Leistungen im Nationaldress nicht mit endlich mit konsequenter Nicht-Achtung straft. Stattdessen wurde Anelka in der Halbzeitpause der Uruguay-Pleite richtig ausfallend, empfahl dem Übungsleiter eine nicht alltägliche Sexual-Praktik im Selbstversuch und wurde daraufhin gefeuert. Damit nahm das Chaos im Team endgültig seinen Lauf, am Sonntag legten die Fußball-Millionäre einen Generalstreik ein und erschienen nicht zum Unterricht. Der Verbandsoffizielle Jean-Louis Valentin ist ob der Exzesse schon mal zurückgetreten, es wirkt so, als würde die Lawine weiterrollen, auch nach dem endgültigen Ausscheiden am Dienstag.