Kolumne Frankreich zeigt, was möglich ist – und passiert, wenn man wieder aufhört 

Platz eins für Frankreich bei den EuroSkills war kein Zufall. Dahinter stehen Investitionen, Imagearbeit und ein klares Bekenntnis zum Handwerk. Was lernen wir daraus? Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg liefert in ihrer DHZ-Kolumne Impulse für Politik und Betriebe.

Kathrin Post-Isenberg
Die Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. Seit 2025 praktiziert sie darüber hinaus wieder ihr ursprüngliches Handwerk – diesmal im Nebenerwerb. - © Markus Zielke

Frankreich hat in den letzten Jahren massiv investiert: Imagekampagnen, Modernisierung der Ausbildung, attraktive Prämien für Betriebe. Das Ergebnis: volle Werkstätten, mehr junge Menschen im System, ein echtes Plus an Wertschätzung – und ein Team, das bei den EuroSkills an die Spitze geht. Platz eins ist kein Zufall, sondern die Folge davon, dass Frankreich das Handwerk auf die große Bühne holt. 

Aber: Frankreich zeigt auch die Kehrseite. Seit die Politik Prämien kürzt und Anreize zurücknimmt, stagnieren die Ausbildungszahlen wieder. Das beweist, wie fragil Fortschritt ist, wenn man nicht dauerhaft investiert. 

Kein Erfolg der Politik

Und Deutschland? Wir feiern Platz zwei, zu Recht, denn 22 Medaillen, davon zehn im Handwerk, sind Weltklasse. Aber dieser Erfolg kommt nicht, weil die Politik perfekte Rahmenbedingungen geschaffen hätte. Er kommt, weil die Menschen rund um die Nationalteams, die Betriebe, die Ausbilder und nicht zuletzt die jungen Handwerkerinnen und Handwerker alles gegeben haben. Trotzdem findet das in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. 

Die Botschaft ist klar: Wer das Image des Handwerks stärken will, muss handeln – und zwar dauerhaft. Politik, Verbände und Betriebe gemeinsam. Wir brauchen nicht jedes Rad neu erfinden, aber wir müssen die Stärke haben, bewährte Konzepte zu übernehmen und an unsere Realität anzupassen. 

3 Impulse, die wir daraus ziehen können: 

  • Ziele setzen. Ausbildung braucht Anspruch. Wer sich vornimmt, Innungsbeste oder Landessiegerinnen hervorzubringen, verändert Haltung und Kultur im Betrieb. 
  • Selbst wachsen. Wer ausbildet, muss selbst in Führung und Fachlichkeit investieren. Glaubwürdiges Wissen steckt an. 
  • Kooperation statt Konkurrenz. Austausch mit Partnerbetrieben erweitert Horizonte und fördert Talente. 

Weniger Worte, mehr Taten

Würde ich heute noch mit Vollbetrieb ausbilden, wäre mein Ziel klar: Meine Lehrlinge sollen auf die große Bühne. Die EuroSkills zeigen, was möglich ist. Frankreich hat Platz eins geholt, Deutschland Platz zwei. Platz eins ist auch für uns erreichbar, wenn wir endlich aufhören, nur zu reden, und anfangen, dauerhaft in Ausbildung und Image zu investieren. Handwerk ist Zukunft. Und Zukunft gehört gefeiert. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.