Nach Niederlage in Bremen fordert sie von ihrer Partei Akzente in der Umwelt- und Bildungspolitik Frankfurter OB Roth will großstadtfreundliche CDU

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth sorgt sich um das Großstadtprofil der CDU. Einen Tag nach der Wahlniederlage in Bremen forderte die Christdemokratin ihre Partei im Interview der Nachrichtenagentur dapd deshalb auf, vor allem in der Bildungs- und Umweltpolitik klare Akzente zu setzen.

Frankfurter OB Roth will großstadtfreundliche CDU

Frankfurt/Main (dapd). Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth sorgt sich um das Großstadtprofil der CDU. Einen Tag nach der Wahlniederlage in Bremen forderte die Christdemokratin ihre Partei im Interview der Nachrichtenagentur dapd deshalb auf, vor allem in der Bildungs- und Umweltpolitik klare Akzente zu setzen. In Frankfurt am Main, wo Roth seit 1995 Oberbürgermeisterin ist, konnte sich die CDU bei der Kommunalwahl am 27. März mit 30,5 Prozent als stärkste Partei behaupten. Ihre Koalition mit den Grünen in der Stadt hat sie inzwischen für die nächsten fünf Jahre erneuert.

Auf Nachfragen wollte sich Roth ausdrücklich nicht auf Schwarz-Grün als Erfolgsrezept ihrer Partei auch in anderen Großstädten festlegen. "Eine solche Koalition muss wachsen, man kann sie nicht einfach als Modell verordnen", sagte die CDU-Politikerin. In Frankfurt habe sich zwischen Politikern beider Parteien in jahrelangem Kontakt großes Vertrauen aufgebaut. Klar sei, dass die Grünen von heute, die ja von der Herkunft auch zum bürgerlichen Spektrum zählten, nicht mehr die selben seien wie vor 20 Jahren. Wichtig für ein klares Großstadtprofil sei aber, dass sich auch die CDU selbst mehr der Umweltpolitik widme.

"Das ist doch originäre Aufgabe christdemokratischer Politik: aus Verantwortung für die Schöpfung eine Strategie zu entwickeln, um die Natur zu bewahren", sagte Roth. Schließlich seien die oft damit verbundenen neuen Technologien auch eine wirtschaftliche Chance. Das Eintreten für Nachhaltigkeit wird auch in einem kommunalpolitischen Papier gefordert, das Roth zusammen mit CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sowie den Spitzenkandidaten der Partei in Berlin und Bremen erarbeitet hat. Unter dem Titel "Politik für die Stadt der Zukunft" soll es nach den Worten der Frankfurter Oberbürgermeisterin dazu beitragen, dem Abwärtstrend der CDU in den ganz großen Städten entgegenzuwirken.

Weitere wichtige Punkte dafür seien die Bildungs- und Kulturpolitik, wobei letztere als Standortfaktor ja auch Wirtschaftspolitik sei. Bildungspolitisch seien die Durchlässigkeit der verschiedenen Schulformen und "Bildung für alle" wesentliche Ziele. Schon an den Hauptschulen gebe es in Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und Betrieben praxisbezogene Angebote, um die Berufschancen der jungen Menschen zu verbessern. Und auch an Hochschulen wie dem "House of Finance" stehe heute die Anwendung des Gelernten ganz im Vordergrund. Bei Themen wie Integration und Sozialpolitik müsse sich die CDU gerade in den großen Städten ebenfalls weltoffen zeigen, um erfolgreich zu sein, betonte Roth, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Städtetags ist.

dapd