Auf 7.000 Quadratmetern baut die Stadt Frankfurt derzeit ihre historische Altstadt wieder auf. Handwerksbetriebe aus ganz Deutschland können an dem Projekt mitwirken.
Jonas Rosenberger
Was muss das für ein Gefühl gewesen sein. Tausende Menschen und alle hohen politischen Kräfte der Nation sind zur Feierstunde in die Reichsstadt Frankfurt gekommen. Umrahmt von alten Fachwerkhäusern und jubelnden Menschenmassen macht sich die Prozession vom Dom auf in Richtung des Zentrums der Stadt, dem Römer. Ein neuer König ist gekrönt worden .
Es war in diesem Viertel um den "Hühnermarkt", in dem der Dichter Friedrich Stolze geboren wurde und auf dessen Krönungsweg frisch gekrönte Könige und Kaiser entlangritten. Bis zu seiner Zerstörung durch die Brandbomben im Angriff auf Frankfurt 1944 war es die größte gotische Altstadt Europas. Jahrhundertealte Gebäude wie das "Rote Haus" oder die "Goldene Waage" brannten restlos aus.
Betonklotz auf historischem Boden
Die Ruinen der Innenstadt wurden in den Nachkriegsjahren restlos beseitigt. Nach der Enttrümmerung lag das Areal zwischen Dom und Römerberg für lange Zeit brach, bis in den 70er-Jahren das sogenannte "Technische Rathaus", ein Großbau in Betonoptik, darauf errichtet wurde. Es war wegen seiner Größe, der Architektur und des Standorts mitten in der Stadt eines der umstrittensten Bauwerke Frankfurts. Um genügend Platz zu schaffen wurden zudem fünf Altstadthäuser abgerissen, die den Krieg überdauert hatten. Mit der Abtragung des Rathauses 2010 wurde nahezu der gesamte historische Kern der Stadt wieder frei. Die Stadt erkannte die einmalige Gelegenheit, den ursprünglichen Charme des Viertels wiederherzustellen.
Auf dem 7.000 Quadratmeter umfassenden Gelände wird nun seit 2012 die Altstadt wiederaufgebaut. Handwerksbetriebe, die sich am Wiederaufbau beteiligen möchten, können sich hier über die laufenden Ausschreibungen informieren. Neben historisierenden Gebäudefassaden wird es auch solche geben, die bereits optisch als Neubauten zu erkennen sind. Die Gestaltung der Gebäude wurde 2011 in einem Architekturwettbewerb ermittelt. Insgesamt sollen es 35 Gebäude werden, 15 davon Rekonstruktionen. Der Rohbau des neuen Stadthauses steht bereits. Es soll Mitte 2015 fertig sein.
Entstehen sollen auch rund 80 Wohnungen mit Platz für 200 Menschen. Das ursprüngliche Straßennetz wird ebenfalls größtenteils wiederhergestellt, zu dem auch der Krönungsweg der römisch-deutschen Könige und Kaiser zählt. Zentrum des neu entstehenden Quartiers wird erneut der "Hühnermarkt" mit dem Friedrich-Stolze-Denkmal. 170 Millionen Euro kostet das gesamte Projekt, das 2016 abgeschlossen werden soll.
Tradition der Wiederherstellung
Die Rekonstruktion von Altstadtbauten in Frankfurt ist keineswegs eine Neuheit. Bereits 1947 wurde mit der Paulskirche der Anfang gemacht und 1952 auch das Wahrzeichen der Stadt, der Römer, wiederhergestellt. 30 Jahre später auch die historische Ostseite des Römerbergs, der sogenannte "Samstagsberg". Das Ziel der aktuellen Rekonstruktion ist laut dem Stadtplanungsamt Frankfurt ein " lebendiges innerstädtisches Quartier nach dem Vorbild der zerstörten, urbanen Frankfurter Altstadt."
