Branche -

Frank Brormann und sein Calligraphy Cut Die Höhle der Löwen: Friseur macht den Deal seines Lebens

Seit dem 4. September zeigt VOX wieder die Erfinder-Show "Die Höhle der Löwen". Mit dabei: Friseurmeister Frank Brormann aus Oelde. Was hinter den Kulissen passierte und wie es nach seinem Deal mit Frank Thelen und Judith Williams weiter ging, erzählt der Gründer im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

DHZ: Warum haben Sie bei "Die Höhle der Löwen" teilgenommen?

Brormann: Ich bin seit 2011 mit meinem Produkt, dem Calligraphy Cut, auf dem Markt und wachse seitdem kontinuierlich aus eigener Kraft. Das Problem ist, dass man als Erfinder fast nie Geld von einer Bank bekommt. Am Anfang waren es 20.000 Euro Investition. Mittlerweile bin ich bei mehreren hunderttausend Euro angekommen. Und das alleine für Schutzrechte, Werkzeugbau, Entwicklung und Bevorratung.

Was ich brauche ist "Smart Money", also nicht Geld allein, sondern jemanden, der weiß, wie man es richtig ausgibt, mit einer nachhaltigen Strategie. Deshalb habe ich mich mit meinem Team bei "Die Höhle der Löwen" beworben. Außerdem erreichen wir über die Sendung unheimlich viele Menschen. Im Schnitt liegt die Einschaltquote bei 2,9 Millionen. Und ich bin in einer späteren Folge sogar ein zweites Mal zu sehen.

DHZ: Wie lief Ihre Bewerbung ab?

Brormann: Ein Freund von mir hat mich angerufen: "Frank, am 19. Januar findet der letzte Pitch statt. Bewirb dich. – In zwei Tagen? Wie soll ich das schaffen?" Als ich dort anrief, war zum Glück eine Frau am Telefon. "Frank Brormann. Hallo. Haben Sie lange Haare? – Ja. – Wünschen Sie sich auch Haare, die nicht mehr splissen und ganz einfach zu stylen sind? – Klar! – Dann laden Sie mich zu Ihrem Pitch ein. Ich habe das richtige Produkt dafür." Wenn ein Mann am Telefon gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich keine Chance gehabt. (lacht)

DHZ: Kurze Zeit später standen Sie dann im Studio. Was ist hinter den Kulissen passiert?

Brormann: Das Set ist einfach gigantisch. Es ist sogar noch größer als es im Fernsehen aussieht. Man hat den Eindruck als wäre man in New York in einem großen Fernsehstudio. Weil ich vor der Aufzeichnung nicht mit den Löwen in Kontakt treten durfte, hatte ich von Anfang an einen Sicherheitsbeamten mit Headset neben mir. Der hat dafür gesorgt, dass ich nicht zufällig Ralf Dümmel oder Judith Williams über den Weg laufe.

In den letzten sieben Minuten vor der Auszeichnung wurde es nochmal ziemlich hektisch. Mein Pitch wurde noch dreimal verändert. Ich hatte vor Judith Williams die Haare zu schneiden, dann kam ihre Stylistin an und sagte: "Nein. Sie dürfen Frau Williams auf keinen Fall in die Haare greifen". Dafür hatte ich zum Glück einen Notfallplan. Ich hatte extra ein Modell engagiert. Jemand, der keine Erfahrung mit so etwas hat, wäre sicherlich sehr verunsichert in die Sendung gegangen.

DHZ: Einige der Löwen stellen ja sehr direkte Fragen und können die Teilnehmer schnell aus dem Konzept bringen. Hatten Sie eine besondere Strategie?

Brormann: Den Pitch habe ich mit Kollegen, Branchenfremden und Unternehmensberatern gründlich vorbereitet. Außerdem habe ich alle Sendungen angeschaut und darauf geachtet, welche Fragen gestellt werden. Ich lasse mich seit zehn Jahren von einer Professorin coachen, die sich in NLP und Verhandlungsstrategien auskennt. Den Abend davor hat sie mich perfekt mental vorbereitet. In der Sendung selbst habe ich dann etwas gemacht, das eher ungewöhnlich ist. Ich habe die Löwen gelobt.

"In den letzten sieben Minuten vor der Auszeichnung wurde mein Pitch noch dreimal verändert."

DHZ: Was meinen Sie damit?

Brormann: Zum Beispiel hat mir Ralf Dümmel eine komplizierte, mathematische Frage gestellt. Ich habe ihm geantwortet: "Ich kann leider gerade nicht folgen. Aber ich würde unheimlich gerne mit Ihnen zusammenarbeiten, weil Sie solche Berechnungen so gut können und ich nicht." Er hat seine Frage dann zurückgezogen und gemeint, es sei auch nicht so wichtig.

DHZ: Gab es Fragen, die Sie aus dem Konzept gebracht haben?

Brormann: Ich war über zwei Stunden in dem Raum und es hat von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß gemacht. Nach meinem Drei-Minuten-Pitch kam direkt die erste knifflige Frage von Carsten Maschmeyer: "Mit dem Werkzeug kann man sich doch auch verletzten, oder?" Die Frage hätte mich fast umgeworfen. Verletzen kann man sich schließlich auch mit einem Messer oder einem Auto, aber das habe ich natürlich nicht gesagt. Ich habe ihm eine automatische Antwort zurückgegeben. Danach wurde es zum Glück besser.

DHZ: Genau. Die Löwen haben ja durchweg sehr positiv auf Ihren Auftritt reagiert und Ihnen gleich mehrere Angebote gemacht. Wie ist das abgelaufen?

Brormann: Frank Thelen war von Anfang an begeistert und hat mir nach einer halben Stunde das erste Angebot gemacht: 500.000 Euro für 25 Prozent. Ab dann war der Druck weg.

Ralf Dümmel war erstmal nicht sehr von meinem Produkt überzeugt. Er hat mich gefragt, was mich das Werkzeug in der Herstellung kostet. Ich habe ihm erklärt, dass alles "made in Germany" ist und es daher mit 100 Euro etwas teurer ist als Produkte, die im Ausland hergestellt werden. Herr Thelen hat sofort geklatscht und gemeint "deutsche Wertarbeit hat ihren Preis".

Anschließend ist Carsten Maschmayer zu Dagmar Wöhrl gegangen und hat ihr etwas ins Ohr geflüstert. Beide haben mir ein unglaubliches Angebot gemacht: 1 Million Euro für 25 Prozent. Frank Thelen und Judith Williams haben nach einer Beratungspause gleichgezogen. Für die beiden Löwen habe ich mich schließlich auch entschieden.

"Die Löwen machten mir ein unglaubliches Angebot: 1 Million Euro für 25 Prozent."

DHZ: "Die Höhle der Löwen" wurde bereits im Februar und März aufgezeichnet. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Brormann: Die ersten Wochen danach waren sehr ruhig. Ich hatte einige Meetings mit Frank Thelen und Judith Williams. Dann kam die Phase, in der die Verträge geprüft werden. Seit der neuen Datenschutz-Grundverordnung ist dies noch schwieriger geworden. Ich habe Verträge, die ich den Investoren nicht sofort zeigen durfte, sondern erst freigeben lassen musste. Diese Phase ist bis heute noch nicht ganz abgeschlossen.

DHZ: Am 4. September sieht dann ganz Deutschland Ihren Pitch. Wie haben Sie sich auf die Ausstrahlung vorbereitet?

Brormann: Ich habe mir Hilfe geholt im Team von Frank Thelen, weil mein Team nicht die nötigen Strukturen und das Wissen hat, mit dem bevorstehenden großen Medien- und Kundeninteresse umzugehen. Ich kann momentan sehr schwer einschätzen, was uns die Sendung bringen wird. Wie viele werden am Mittwoch anrufen? Zehn, tausend, zehntausend? Wie viele kommen auf unsere Webseite? Wie viele buchen unsere Seminare? Frank Thelen hat gesagt: "Rechne mit extrem viel und nimm es mal zwei". Seit sechs Wochen wird meine Firma deshalb komplett umgebaut: Webseite, Abläufe, Interna, Verantwortung, Organigramm und vieles mehr.

DHZ: Und jetzt steht alles?

Brormann: Wir wären pünktlich fertig gewesen, wenn nicht eine Fernsehzeitung vorab veröffentlicht hätte, dass ich in der Sendung dabei bin. Das hat uns komplett zurückgeworfen. Wir bekommen seit Anfang August ständig Presseanfragen. Diese sind noch einfach zu managen. Aber wir haben noch ein viel größeres Problem. Unsere Webseite wurde viermal gehackt und beim letzten Mal so professionell, dass sie jetzt tot ist. Das waren Vollprofis. Die wussten durch die Ankündigung in der Fernsehzeitung, dass wir am Abend vom 4. September sehr viel Traffic bekommen. Wir setzen die Webseite jetzt komplett neu auf. Ich hoffe bis zum Sendetermin steht alles.

Über Frank Brormann und den Calligraphy Cut

Frank Brormann absolvierte seine Ausbildung als Friseur in Forchheim auf der Friseurschule Meininghaus und legte 1988 die Meisterprüfung in Düsseldorf ab. Zeitgleich als Stylist bei Pierre Alexandre in London tätig, übernahm er 1989 den elterlichen Salon mit 15 Mitarbeitern in Oelde/Westfalen. Zunächst als Top-Stylist bei Vidal Sassoon in Hamburg aktiv, eröffnete Frank Brormann nach einigen Jahren seinen zweiten Salon in Oelde. Seitdem verzeichnet er ein kontinuierliches Wachstum seiner Geschäftstätigkeit durch die Eröffnung fünf weiterer Salons mit derzeit ca. 100 Mitarbeitern.

2005 entwickelte er den 360°-Volumen-Haarschnitt und das dafür optimierte Curfcut-Profimesser. Die Weltpremiere des Calligraphy Cut fand in Paris auf der IC Mondial Performance im September 2011 statt. Inzwischen wurden Salons und Friseure von ihm in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland und Österreich mit Calligraphy Cut lizensiert und ausgebildet. Seit 2015 auch in Kanada und der USA.

Welche Idee steckt hinter dem Calligraphy Cut und wie funktioniert er?

Brormann: Die Schnitttechnik erinnert an das schräge Anschneiden von Blumen. Ich habe überlegt, warum machen wir Friseure das nicht mit Haaren? Eine Frau hat zwischen 80.000 und 100.000 Haare, und bei all diesen Haaren die Spitze vergrößern? Das war der Impuls. Eine Schere quetscht, eine Klinge nicht. Mit dieser Erkenntnis habe ich jahrelang geforscht und getestet. Entstanden ist der Calligraph- The 21 – mit welchem Friseure die Haare Ihrer Kundinnen immer im konstanten Winkel von 21 Grad anschneiden können. Die eigens dafür entwickelte Klinge ist so verbaut, das die Haare sauber geschnitten werden. So splissen die Haare später, glänzen in der Spitze und sind einfach zu stylen. Eine von mir in Auftrag gegebene Studie an der FH Münster wurde vor kurzem mit dem Seifriz Preis ausgezeichnet.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten