Das kommende Jahr könnte nach Auffassung von Experten das wirtschaftlich schwächste in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Zuletzt senkten die Forscher des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung ihre Prognose erneut deutlich ab und erwarten eine "tiefe Rezession".
Forscher erwarten schlimmste Rezession seit 1949
Das RWI geht nun davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 um 2,0 Prozent schrumpfen werde. Dies wäre die schwächste Entwicklung, die in der Bundesrepublik jemals registriert wurde. Noch im September waren die Forscher von einem Plus von 0,7 Prozent ausgegangen. Die deutliche Korrektur begründeten sie damit, dass sich die Finanzmarktkrise deutlich stärker auf die Weltwirtschaft auswirke als bislang angenommen. Insbesondere der deutsche Export werde sich 2009 abschwächen.
Der Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank, Michael Heise, hält einen BIP-Rückgang in dieser Größenordnung ebenfalls für möglich. "Gehen die Exporte auch weiterhin so schnell zurück wie derzeit, wäre ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent im kommenden Jahr möglich", sagte er. Trotz der düsteren Lage warnte er aber vor Schwarzmalerei. So sei schon ein beachtlicher Teil der Rezession vorüber. Diese sei weltweit "scharf, aber nicht sehr lang andauernd".
Auch das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht Deutschland in einer anhaltenden Rezession und reduzierte seine Prognose für das laufende Quartal. Für den Zeitraum Oktober bis Dezember werde mit einem Schrumpfen des BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent gerechnet. Mitte November war noch mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet worden. Nachdem das BIP auch im zweiten und dritten Quartal zurückgegangen war, befindet sich Deutschland damit weiter in der Rezession.
Die Bundesregierung bekräftigte indes ihre Einschätzungen. Es gebe "keine Pläne, die Prognose der Bundesregierung zu ändern", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums und verwies auf den Jahreswirtschaftsbericht am 15. Januar. Derzeit erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 1,7 Prozent und 2009 von 0,2 Prozent, nachdem die deutsche Wirtschaft 2007 noch um 2,5 Prozent gewachsen war.
Die anhaltende Rezession wird nach Ansicht der Forscher deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Das RWI geht davon aus, dass die Arbeitslosenzahl bis Ende 2009 um fast 600 000 zunehme. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen spürbaren Anstieg der Kurzarbeit. "Schrumpft die Wirtschaft 2009, ist nicht auszuschließen, dass die Zahl der Kurzarbeiter im Jahresschnitt das Niveau von 2002 erreicht", sagte IAB-Arbeitsmarktexpertin Sabine Klinger der "Bild"-Onlineausgabe. Vor sechs Jahren waren im Jahresdurchschnitt 206 000 Arbeitnehmer offiziell als Kurzarbeiter registriert gewesen.
Die Rezession drückt bereits auf die Stimmung in den Unternehmen. So brach das Geschäftsklima in der ostdeutschen Industrie einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im November deutlich ein. Die Stimmung unter den rund 300 regelmäßig befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes habe sich "schlagartig verschlechtert".
ddp
