Beratung und Finanzspritzen Förderprogramme der EU für kleine Unternehmen

Ob Praktika im Ausland oder verbilligte Darlehen – Europa bietet konkrete Unterstützung fürs Handwerk. Ein Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten für Betriebe, Mitarbeiter und Inhaber.

In Volterra leben rund 10.000 Menschen. Regelmäßig gesellen sich auch noch einige Azubis aus der Region Stuttgart dazu. - © Handwerkskammer Region Stuttgart

Schreiner Johannes Reischl aus Lenting bei Ingolstadt hat mehrere Monate in den Niederlanden zugebracht. Was im Studium normal ist, stellt in der beruflichen Bildung oft noch die Ausnahme da: ein beruflicher Auslandsaufenthalt. Reischl absolvierte ein durch Erasmus+ gefördertes Praktikum in Rotterdam. Dafür erhielt der 19-Jährige den so genannten Europass, der den Auslandsaufenthalt dokumentiert und Auskunft über die Lernergebnisse gibt. "Wir helfen Lehrlingen, jungen Gesellen und Meistern bei der Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland, unterstützen sie bei der Beantragung von Stipendien und betreuen alle Beteiligten vor, während und nach einem solchen Praktikum", sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, als er Reischl den Europass übergab.

Beinahe schon legendär ist das durch Erasmus+ geförderte Projekt der Handwerkskammer Region Stuttgart im Volterra. In diesem Jahr reisten 14 Handwerkerinnen und Handwerker in das italienische Städtchen. Nach einem vierwöchigen Sprachkurs im Januar arbeiteten sie bis Ende März in italienischen Handwerksbetrieben. "Durch Projekte wie Erasmus+ werden kulturelle Brücken zwischen Ländern gebaut und der europäische Gedanke eindrucksvoll gelebt", sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Dresdner Schreiner auf Youtube begleiten

Wer sich einen Eindruck verschaffen will, wie ein Praktikum mit Erasmus+ abläuft, kann dem Tischlergesesellen Anton Fröhlich aus Dresden über die Schulter blicken. Für ein halbes Jahr hat er sich einen Arbeitsplatz bei einem dänischen Handwerksbetrieb in Aalborg in Norddänemark gesucht. Die Handwerkskammer Dresden hat den Gesellen aus Ostsachsen während seines Aufenthaltes mit einem professionellen Kamerateam begleitet. Zu sehen ist die Serie mit dem Titel "Mit dem Handwerk um die Welt! Länder-Tausch" auf dem Youtube-Kanal der Kammer.

Erasmus+ (www.erasmusplus.de) gehört zu den bekanntesten Programmen, bei denen Handwerkerinnen und Handwerker unmittelbar von der Europäischen Union profitieren. Doch es gibt für kleine und mittlere Unternehmen zahlreiche weitere Möglichkeiten, in den Genuss einer europäischen Förderung zu kommen. "Die Europäische Union bietet auch für das Handwerk vielfältige Fördermöglichkeiten", bestätigt Martina Leyendecker, bei Handwerkskammer für München und Oberbayern zuständig für EU-Förderpolitik. Das bekräftigt Isabella Weeth, Europapolitische Sprecherin bei Handwerk International Baden-Württemberg und Leiterin Europapolitik bei Handwerk BW. Die Betriebsberatung der Handwerkskammern und das Beratungsnetzwerk für Unternehmen (EEN) sind dabei erste wichtige Anlaufstellen, welche Förderprogramme geeignet sind und welche Angebote vor Ort bestehen. Für Unternehmen sind die Beratungen oftmals kostenlos, wie eben das Beratungsnetzwerk EEN (een-deutschland.de/). "Das Enterprise Europe Network hilft Betrieben bei der Suche und Beantragung von geeigneten Fördermöglichkeiten, sei es zum Beispiel im Nachhaltigkeits- oder im Innovationsbereich oder auch zum Thema Internationalisierung", sagt Weeth.

Suche nach Regionen möglich

Einen guten Überblick gibt laut Leyendecker die Website "Was tut Europa für mich?" des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments. Dort lässt sich nach Region suchen, wie die EU vor Ort unterstützt. Wenn als Suchbegriff "KMU" oder "Unternehmen" eingegeben wird, erhält man spezifische Informationen.

Im Hinblick auf eine Förderung sind für Unternehmen zum Beispiel auch der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) von Interesse. Die Verwaltungsbehörden bieten umfängliche Informationen und Beratung dazu.

Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums

Über detaillierte Fördermöglichkeiten in den einzelnen Programmen und Bereichen geben verschiedene Datenbanken Auskunft, so etwa das Bundesministerium für Wirtschaft mit der Förderdatenbank sowie die EU-Kommission mit einer Übersicht über EU-Finanzierungsmöglichkeiten für KMU.

Jeden Tag profitieren nach Angaben der Europäischen Kommission 550 kleine und mittlere Unternehmen in der EU von einer EU-geförderten Finanzierung. Auf dem Access2Finance-Portal informiert die EU, wie kleine Firmen eine EU-Finanzierung für ihr Unternehmen erhalten können.