Wort des Jahres Flüchtlinge vor "Je suis Charlie"

Das beherrschende Thema 2015 wurde nun auch zum Wort des Jahres gewählt. "Flüchtlinge" setzte sich gegen die Worte für andere große politische Themen durch.

"Je suis Charlie" ist auch ein Zeichen gegen Terrorismus. - © Foto: picture alliance / Godong

Die Flüchtlingsproblematik bestimmte 2015 die Nachrichtenlage wie nichts anderes. Keine zweite politische Debatte polarisiert derart die Gesellschaft und wird von den Medien so umfangreich thematisiert. Auch Kanzlerin Merkel hat zu spüren bekommen, wie sehr das Thema über Gunst und Mis sgunst in der Bevölkerung entscheidet.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat also genug Gründe "Flüchtlinge" zum Wort des Jahres zu küren. Nach Meinung der Wissenschaftler ist das Wort aber auch sprachlich betrachtet sehr interessant.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache dazu: "Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling, klingt Flüchtlinge für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig. Analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling sind negativ konnotiert, andere wie Prüfling, Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling haben eine deutlich passive Komponente. Neuerdings ist daher öfters alternativ von Geflüchteten die Rede. Ob sich dieser Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten."

VW- und DFB-Skandal

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen schafft es bei der Wahl zum Wort des Jahres mit "Mogel-Motor" hingegen nur auf Platz 5. Auf Platz zwei schafft es indes "Je suis Charlie". Der Slogan entstandt unmittelbar nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris am 7. Januar 2015. Er soll Solidarität und Mitgefühl zu den ermordeten Journalisten symbolisieren.

Ebenfalls auf dem Treppchen landet "Grexit", das einen zwischenzeitlich möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone beschreibt. Das Land ist nach wie vor hochverschuldet und stand bereits kurz vor dem Bankrott.

Auch der Skandal um den Deutschen Fußball-Bund und ein womöglich gekauftes Sommermärchen bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland landete mit "Schummel-WM" auf der Liste zum Wort des Jahres. Ebenso Merkels "Wir schaffen das" .

Die Top 10 im Überblick

1. Flüchtlinge

2. Je suis Charlie

3. Grexit

4. Selektorenliste

5. Mogel-Motor

6. durchwinken

7. Selfie-Stab

8. Schummel-WM

9. Flexitarier

10. Wir schaffen das!

sg