Ein fleischloser Tag pro Woche? Die Grünen fordern in ihrem Wahlprogramm standardmäßig einen "Veggie Day" in deutschen Kantinen. Der Deutsche Fleischerverband empfindet den Vorschlag als Unsinn.
Mirabell Schmidt

Einen Tag, an dem es in deutschen Kantinen kein Fleisch gibt. Das fordern die Grünen in ihrem Programm für die Bundestagswahl im September. Es sei gut vorstellbar, dass es in öffentlichen Kantinen etwa am Donnerstag kein Fleisch mehr gebe, sagt Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt.
"Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein 'Veggie Day' sollen zum Standard werden", heißt es im Wahlprogramm. Mit dieser Maßnahme wollen die Grünen die massenhafte Produktion von Fleisch eindämmen. Denn die Deutschen essen zu viel Fleisch und das fördere die Massentierhaltung.
Fleischerverband: Veggie Day ist Nonsens
"Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen", erläutert Göring-Eckardt den Vorstoß ihrer Partei. Denn so viel isst jeder Bürger durchschnittlich im Jahr – das sind rund 60 Kilogramm. Der "Veggie Day" solle an die Tradition des fleischlosen Freitags anknüpfen und nicht etwa das Fleischessen verbieten.
Der Fleischerverband in Bayern steht dem "Veggie Day" jedoch ablehnend gegenüber und bezweifelt, dass ein solcher fleischloser Tag in öffentlichen Kantinen wirklich Wirkung zeigen würde. "Der Beamte weicht dann aus und isst woanders", sagt der Landesinnungsmeister für das bayerische Fleischerhandwerk, Georg Schlagbauer, der Online-Ausgabe der Deutschen Handwerks Zeitung .
Außerdem sei die Herangehensweise "völliger Nonsens". "Dadurch verdammen die Grünen das Produkt Fleisch in seiner Gesamtheit", so Schlagbauer weiter. Das leite in die völlig falsche Richtung. Es sei zwar richtig, sich gesund zu ernähren und die Massentierhaltung einzudämmen, doch das funktioniere nicht mit Verboten. "Da muss man andere Möglichkeiten aufzeigen."
Fleischkonsum wird zum Wahlkampfthema
Andere Parteien wie CSU und FDP nehmen den Vorstoß der Grünen derweil dankbar an, um bei potenziellen Wählern zu punkten und feuern dagegen. Ein Sprecher von Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU), erklärte etwa: "Wir halten generell wenig von Bevormundungen. Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu."
Und der Spitzenkandidat der FDP, Rainer Brüderle, sagte der Bild-Zeitung: "Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität. Was kommt als nächstes? Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?"
Die Grünen erklärten jedoch, den "Veggie Day" in Kantinen nicht verpflichtend einführen zu wollen. Göring-Eckardt: Kantinen, die einen fleischlosen Tag in der Woche anbieten, könnten aber gefördert werden.