Dienstleistung und Erlebniswelten Fleischer Gränitz: "Vom Wurstverkauf allein könnte ich nicht leben"

Das Handwerk ist nicht selten Vorreiter für Innovationen und nachhaltiges, regionales Wirtschaften – auch Fleischer Benny Gränitz aus Chemnitz Harthau geht neue Wege.

Fleischer zeigt Charolais Rotbunt
Bei Benny Gränitz gehören die Weitergabe von Fachwissen und die direkte Kundenbindung bewusst zum Geschäftsmodell. - © Metzgerei Gränitz

Genügend Auslauf, kurze Transportwege, schonende Schlachtung – Faktoren, auf die Fleischer Benny Gränitz aus Chemnitz Harthau beim Fleischeinkauf achtet. Inzwischen kann er guten Gewissens behaupten, dass 90 Prozent seines Fleisches "sauber" ist: "Aber es ist ganz schwer auf die Kunden umzulegen", muss er gestehen. Wer heute Fleisch von kleinen regionalen Erzeugern anbieten und verarbeiten möchte muss tiefer in die Tasche greifen. Benny Gränitz weiß warum: "Egal ob klein oder groß – oft ist der bürokratische Aufwand für kleine Fleischerzeuger derselbe wie für Großbetriebe. Das treibt prozentual natürlich die Preise hoch."

Fleisch aus Großbetrieben ist trotzdem keine Alternative für ihn. Inzwischen hat er sich ein kleines Netzwerk aus regionalen Rinder- und Schweine-Züchtern aufgebaut, weiß also genau woher die Tiere stammen, wie sie gelebt haben und wo sie geschlachtet wurden. Der Kauf der Tiere unterstützt wiederum diese Bauern, die ihren Tieren damit ein artgerechtes Leben ermöglichen.

Quantität versus Qualität

Benny Gränitz ist die fünfte Generation einer Familie von Fleischern. Er hat heute mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als noch sein Großvater. Er ist sich dessen bewusst, dass es nicht mehr nur der Wurstverkauf ist, der das Überleben einer Fleischerei heute absichert. Vegetarische und vegane Lebensformen nehmen zu, Fleischkonsum wird eingeschränkt. Eine Entwicklung, die der junge Fleischer respektiert und ihr bewusst Qualität, völlig neue Dienstleistungen und Erlebniswelten entgegensetzt – hochwertige Produkte, weniger Filialen, dafür wechselnde Angebote, ein Liefer- und Partyservice, Workshops mit Fleischsommeliers und Grillkurse. Die Basis ist dabei immer der direkte Kontakt mit Herstellern und Kunden. Der Grundgedanke dabei: "Man muss den Kunden heute viel erklären, Einblicke geben, zeigen mit welchem Aufwand Handgemachtes hergestellt wird, wie lange ein Produkt benötigt hat. Damit der Kunde am Ende weiß, wo steckt der Mehrwert. Warum bezahle ich hier jetzt mehr?"

Neue Wege

Der Online-Shop und der Partyservice sind zu festen Standbeinen geworden, die momentan auch Umsatzeinbußen mit kompensieren müssen. Die Hauptfiliale trifft eine komplette Straßensperrung wegen Brückenbauarbeiten besonders hart. Eine zeitweise Straßensperrung an der zweiten Filiale in Harthau und Parkplatzprobleme an der Filiale Markersdorfer Straße haben – neben Corona – ebenfalls Löcher in die Kassen gerissen. Benny Gränitz ist trotzdem zuversichtlich. Er liebt seine Arbeit und den Kontakt zu den Kunden. Längst ist die Arbeit in der Fleischerei nicht mehr nur seine einzige – die Vermarktung über Social-Media-Kanäle und Event-Angebote nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit, die aber gut investiert ist – in neue Kundengenerationen, die Wert auf Qualität und regionale Produkte legen. dhz