Über Umwege kam die heute selbstständige Meisterin im Korb- und Flechtwerkgestalter-Handwerk, Monika Nickel-Stein, zu ihrer Profession. Geboren in Indonesien, gestrandet in der Pfalz, erhielt sie 2022 den Bayerischen Staatspreis. Im Interview erzählt sie von ihrem Weg ins Handwerk und wie sich mit der Arbeit ihre Hände verändert haben.

Monika Nickel-Stein war 27 Jahre alt, als sie sich entschloss, die Ausbildung an der staatlichen Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels zu absolvieren. Die Wahl-Pfälzerin hat bereits einige Preise gewonnen: 2017 den Pfalzpreis für Kunsthandwerk, 2019 den Staatspreis für das Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz und zuletzt 2022 den Bayerischen Staatspreis. Im Interview erzählt die Handwerksmeisterin von ihrer Handarbeit mit den Weiden und den Folgen.
Wie sind Sie zum Korb- und Flechtwerkgestalter-Handwerk gekommen?
Monika Nickel-Stein: Nach dem Abitur ging ich erstmal nach Südamerika und als ich dann zurückkam, begann ich Realschullehramt zu studieren. Während des Studiums habe ich gemerkt, dass der Lehrerberuf nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Aus Vernunftgründen habe ich noch das erste Staatsexamen absolviert. Danach habe ich überlegt, was ich eigentlich will und kann. Im Berufsinformationszentrum stieß ich damals auf den Korbmacher-Beruf. In einer Caritas Werkstatt habe ich dann ein dreiwöchiges Praktikum absolviert, bei dem mich der Beruf gepackt hat. Ich wusste: "Das will ich lernen". Die Herausforderung bestand darin, einen Betrieb zu finden, der Kapazitäten hat auszubilden. Die Suche verlief leider erfolglos und ich ging an die staatliche Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels. Da war ich 27 Jahre alt.
Im zweiten Ausbildungsjahr hat mich meine Ausbilderin gefragt, ob ich mir nicht vorstellen konnte, zu unterrichten. Dann durfte ich tatsächlich direkt nach meiner Gesellenprüfung die Meisterprüfung ablegen. Das ging damals nur mit Ausnahmegenehmigung. Danach fing ich gleich mit einer Teilzeitstelle an der Berufsfachschule an.
Wie hat sich der Beruf in den vergangenen Jahren gewandelt?
Die Ausbildungsinhalte wurden unteranderem verdichtet. Früher haben die Lehrlinge ein Jahr lang das Feinflechten gelernt – eine spezielle oberfränkische Tradition. Heute lernen sie es in wenigen Wochen. Natürlich lernen sie auch noch die traditionellen Grundtechniken, es ist aber wichtig, auch den Kundengeschmack umsetzten zu können und damit moderne Flechtwerke herstellen zu können. Nach drei Jahren Ausbildung hat man noch immer nicht alles gelernt und auch die Praxis fehlt. Aber die Ausbildung ist mittlerweile breiter gefächert und das ist auch absolut sinnvoll.
2006 hat sich die Berufsbezeichnung geändert. Korbflechter heißt nun mehr Flechtwerkgestalter. Hat sich dadurch etwas in der Wahrnehmung der Kunden geändert?
Wir sind schon in der Schublade "Korb-Tradition-Naturmaterial", was auch gut ist, weil dann das Überraschungsmoment viel größer ist, dass nicht nur Körbe hergestellt werden. Gleichzeitig merke ich, dass viele nicht nachvollziehen können, dass ich auch Körbe herstellen kann. Die meisten Menschen wissen anscheinend nicht, dass der Begriff "Flechtwerkgestalter" nur die neue Berufsbezeichnung ist. Deswegen nehme ich auf Märkte immer ein paar Körbe mit.
Sie verwenden überwiegend Weiden. Arbeiten Sie auch mit anderen Materialien?
Ich flechte auch mit Peddigrohr, Binsen, Papierschnur und Kunststoff. Verschiedene Materialien kommen je nach Wunsch zum Einsatz. Für einen Kunden habe ich mal mit teuren Blaudruckstoffen ein Boot ausgeflochten. Ich bastele unteranderem gerne Papierkörbe und Laternen die ich mit Wäscheleinen flechte. Es ist am Ende immer eine Frage der Arbeitszeit und was der Kunde bezahlen möchte.

Sie arbeiten jedoch mit verschiedenen Weiden. Diese müssen fürs Flechten feucht gehalten werden. Was passiert, wenn die Weiden zu feucht sind?
Das ist unterschiedlich. Es gibt geschälte Weiden ohne Rinde, die eine helle Farbe haben. Diese weichen im Wasser schneller. Diese müssen auch ständig angefeuchtet werden. Da gibt es kaum ein "zu nass". Man kann sie nur zu lange feuchten. Wenn ich sie drei Tage im Wasser schwimmen lasse, dann werden sie irgendwann brüchig. Die Weiden mit Rinde müssen mindestens ein Jahr getrocknet werden. So lange mache ich das zu mindestens. Danach werden sie eingeweicht. Diese bleiben länger feucht und man kann sie gut lagern. Aber auch diese Weiden kann man "überweichen". Das Handwerk ist eine Wissenschaft für sich.
Ist es schwieriger, traditionelle Formen herzustellen als moderne?
Nehmen wir als Beispiel einen traditionellen eckigen Picknickkorb. Für den Aufbau ist unglaublich viel mehr Fachwissen nötig als für die meisten modernen Formen. Diese Techniken müssen auch noch super exakt ausgeführt werden, damit am Schluss die Maße zusammenpassen. So ein Korb wird mit den verschiedensten Flechttechniken erarbeitet. Handwerklich gehört viel mehr dazu.
Sie sind in Indonesien geboren und haben vor ein paar Jahren noch einmal ein Praktikum als Korbflechterin in dem Land gemacht. Wie unterscheidet sich das indonesische Handwerk vom deutschen?
Hauptsächlich im Material. In Indonesien wird traditionell keine Weide benutzt. Dort wird viel mit Rattan, Bambus, Palmenblättern und weiteren verschiedenen tropischen Pflanzen gearbeitet. Sie haben insgesamt eine größere Vielfalt an Materialien und Techniken. Ansonsten würde ich sagen, dass sie es besser können. Sie arbeiten wirklich aufwendige Sachen für im Verhältnis sehr wenig Geld.
Wie haben sich Ihre Hände während der Ausbildung verändert?
Vor meiner Ausbildung habe ich von Freunden einen Filzring geschenkt bekommen. Den konnte ich nach ein paar Wochen gar nicht mehr tragen. Die Finger wurden einfach dicker durch das Schaffen. Ich bekam Schwielen an den Händen und allgemein eine dickere Hornhaut. Heiße Töpfe anzufassen, stellt für mich jedenfalls keine Probleme mehr dar.