Der Ort Schlema im Erzgebirge litt unter dem Uranbergbau - Sanierung weitgehend abgeschlossen Flanierende Kurgäste im einstigen "Tal des Todes"

Wenn der Bürgermeister von Bad Schlema im Erzgebirge seinen Gästen die Veränderungen der vergangenen 20 Jahre zeigen will, fährt Jens Müller mit ihnen zum "Biedenkopfblick". Von der Höhe der Hammerberghalde hat man die beste Sicht unter anderem auf das Kurmittelhaus und einen weitläufigen Park sowie einen schönen Blick hinüber zur alten Bergstadt Schneeberg mit der St. Wolfgangskirche.

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Flanierende Kurgäste im einstigen "Tal des Todes"

Bad Schlema (dapd). Wenn der Bürgermeister von Bad Schlema im Erzgebirge seinen Gästen die Veränderungen der vergangenen 20 Jahre zeigen will, fährt Jens Müller mit ihnen zum "Biedenkopfblick". Von der Höhe der Hammerberghalde hat man die beste Sicht unter anderem auf das Kurmittelhaus und einen weitläufigen Park sowie einen schönen Blick hinüber zur alten Bergstadt Schneeberg mit der St. Wolfgangskirche. Für Besucher hat es den Anschein, als hätte es in der Gegend nie ein gewaltiges Umweltproblem gegeben.

Der Uranbergbau der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in wenigen Jahrzehnten das einst florierende Radiumbad Schlema zerstört. Der Ort wurde in der DDR von vielen zuletzt nur noch "Tal des Todes" genannt.

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung wandelte sich das Bild. Mit millionenschwerer Unterstützung der Sanierungsgesellschaft Wismut gelang es, aus dem Ort wieder ein Schmuckstück zu machen. Die Sanierung ist nun fast abgeschlossen. "Ohne die Wismut GmbH wären wir nie wieder anerkannter Kurort geworden", sagt der parteilose Bürgermeister.

Vom 1. bis 3. Juli feiern die Wismut GmbH und Bad Schlema gemeinsam 20 Jahre Sanierung der Uranbergbau-Hinterlassenschaften in Sachsen und Thüringen.

Auch Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) und seine Frau hatten immer an eine Zukunft des Ortes geglaubt und die Wiederbelebung gefördert. Als Dank benannten die Einheimischen den Aussichtspunkt nach ihnen.

Einen Steinwurf vom "Biedenkopfblick" entfernt befindet sich heute ein Golfplatz. Der wurde vor drei Jahren eingeweiht. Das Geld dafür kommt allerdings nicht aus den Töpfen der Sanierungsgesellschaft. Der Ort fand andere Geldgeber.

Mit Bundesmitteln saniert wurden dagegen die Halden. Dort können Gäste und Einheimische nun wieder ohne Bedenken spazieren gehen. Verschwunden sind die Betriebsgebäude der Schächte. Die Siedlungen an den Hängen zeigen sich mit blühenden Vorgärten und hellen Fassaden. Am Eingang zur Radonquelle stehen Palmen.

Ein älteres Paar aus Leipzig, das durch den Park flaniert, ist schon zum zweite Mal in Bad Schlema zu Gast und lobt die Ruhe und die kurze Anfahrt. In dem Ort sei alles schön geworden, sagt der Rentner. "Nur kulturell könnte vielleicht etwas mehr geboten werden."

Mandy Götze von der Tourist-Information sagt: "Unsere Kurgäste absolvieren ein straffes Behandlungsprogramm. Da bleibt kaum Zeit zum Bummeln." Etwa 10.000 Übernachtungsgäste pro Jahr zählt der Ort den Angaben zufolge. Darunter sind viele ehemalige Bergarbeiter aus den neuen Ländern. Aber auch der Anteil der Gäste aus dem Westen Deutschlands wächst.

Die Kurgesellschaft mit 150 Festangestellten ist das wirtschaftliche Rückgrat von Bad Schlema. Sie gehört zu 92 Prozent der Gemeinde und schreibt nach Angaben des Bürgermeisters von Anfang an schwarze Zahlen. Müller räumt aber auch ein, dass sein Ort wie das ganze Erzgebirge unter dem Wegzug der Jugend leide.

Seit vielen Jahren schon versucht die Gemeinde, gegenzusteuern und ein lebenswertes Umfeld zu bieten. Tatsächlich sollen dort, wo einst einfache Unterkünfte für Bergarbeiter standen, auf günstigem Bauland weitere Eigenheime entstehen. Die Schule wird mit einer modernen Geothermie-Heizung ausgestattet.

Der Ort renovierte das ehemalige Wismut-Kulturhaus und sorgte so dafür, dass ein reges Vereinsleben möglich ist. Dort erinnert nur noch ein Schriftzug an die Vergangenheit: Wie zu DDR-Zeiten lautet der Name des jetzt gemeindeeigenen Kulturhauses "Aktivist".

dapd