Spekulationen über die Folgen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland
Von Karin Birk und Roman Leuthner
Finanzkrise fegt durch die Konjunktur
Die Turbulenzen an den Finanzmärkten machen vor der deutschen Wirtschaft nicht halt. Niemand kann die Risiken der Beteiligungen deutscher Banken und Fondsgesellschaften genau einschätzen, die in den Bilanzen der in Not geratenen US-amerikanischen Geldhäuser schlummern. Vermutet wird allerdings, dass auch hierzulande mehrere Institute Verlusten entgegensehen könnten. Schwer wiegt , dass die US-amerikanische Regierung die Lage offensichtlich als so ernst beurteilt, dass sie das größte Hilfsprogramm aller Zeiten auflegt und einen staatlich verwalteten Sanierungsfonds schaffen will, der mit einem Volumen von insgesamt mehr als einer Billion US-Dollar ausgestattet werden soll. Gleichwohl versucht die Bundesregierung, die aufgewühlte Stimmung zu beruhigen und warnt vor Panikmache.
Prognose für 2009 reduziert
So sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Rede vor der Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin, die deutsche Wirtschaft befinde sich in einem „schwierigen Umfeld“ und weiter: „Wir können froh sein, dass wir nicht allein im Finanzdienstleistungsbereich stark sind.“ Eine insgesamt starke wirtschaftliche Basis mache Deutschland allerdings robuster. Angesichts der Verwerfungen auf den Finanzmärkten werde sie von deutscher Seite stark darauf hinarbeiten, internationale Transaktionen transparenter zu machen und die Risiken so zu beschränken. „Wir müssen darauf drängen, dass sich solche Dinge künftig nicht wiederholen“, betonte sie. Deutschland habe aber schon während seiner G-8-Präsidentschaft 2007 eine entsprechende Transparenzinitiative gefordert, die damals von vielen noch belächelt worden sei, mittlerweile aber von ebenso vielen gefordert werde.
Zuvor hatten Merkel und auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in der Haushaltswoche deutlich gemacht, dass durch die Bankenkrise die wirtschaftliche Dynamik beeinflusst werde. Steinbrück sagte, er könne deshalb nicht ausschließen, dass die deutsche Wirtschaft 2009 nur noch zwischen 1,0 und 1,2 Prozent wachse und damit unter der bisherigen Regierungsprognose von 1,2 Prozent liegen werde. Für dieses Jahr hält die Bundesregierung hingegen immer noch ein Wachstum von 1,7 Prozent für realistisch.
Deutlich vorsichtiger sind auch die Prognosen verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute und des Bankenverbandes ausgefallen. So hat das RWI in Essen seine Wachstumsprognose für 2009 von 1,5 auf 0,7 Prozent und für 2008 von 2,2 auf 1,7 Prozent nach unten korrigiert. Nicht ganz so pessimistisch sieht es das HWWI in Hamburg. Die Hamburger rechnen mit einem Wachstum von 1,9 in diesem und 1,0 im kommenden Jahr. Deutliche Bremsspuren erkennt auch der Bankenverband, der im 2. Halbjahr 2008 eine Stagnation erwartet. Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung zum Anfang dieses Jahres ergebe sich für das laufende Jahr aber immer noch ein Wachstum von 1,9 Prozent, sagte Kurt Demmer, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik. Doch auch die Chefvolkswirte der Privatbanken haben für 2009 ihre Prognose um fast einen Prozentpunkt auf 1,0 Prozent zurückgeschraubt.
Keine Kreditklemme erwartet
Demmer sieht angesichts der Bankenkrise anders als in den Vereinigten Staaten oder in anderen europäischen Ländern in Deutschland allerdings keine Anzeichen für eine so genannte Kreditklemme. Es gebe keine Veränderungen bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen und Selbstständige, sagte er. Dies gelte angesichts des unverändert starken Wettbewerbs der Banken untereinander auch für die Kreditkonditionen der einzelnen Institute.