Renditeversprechungen Finanzaufsicht warnt vor Betrug beim Verkauf von Lebensversicherungen

Die Finanzaufsicht BaFin warnt vor einer neuen Betrugsmasche bei Lebensversicherungen. Dabei konzentrieren sich die Betrüger nach Erkenntnissen der Behörden auf Besitzer von Lebensversicherungen, die ihre Policen kündigen wollen, und ködern sie mit Renditeversprechen, die weit über den normalen Rückkaufwerten der Versicherer liegen.

"Dabei werden unrealistische hohe Renditen versprochen. Deshalb besteht im Einzelfall die Gefahr, dass es sich um Schnellballsysteme handelt - zulasten der betroffenen Verbraucher", sagte BaFin-Sprecher Sven Gebauer am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Wie viele Verbraucher von den dubiosen Angeboten bereits Gebrauch gemacht haben, weiß die Behörde nicht.

Die Betrüger locken nach Informationen der "Financial Times Deutschland" teilweise mit bis zum Doppelten des Rückkaufwerts der Versicherer, zahlen aber häufig nur einen Teil direkt aus. Der Rest soll der Vereinbarung zufolge über viele Jahre in Raten ausgezahlt werden.
Der BaFin-Exekutivdirektor Michel Sell sagte der Zeitung: "Wir beobachten die Entwicklung in diesem Markt mit großer Sorge." Das Thema Lebensversicherung biete sich für Betrüger geradezu an. Denn finanzielle Engpässe können Inhaber einer Police zum Verkauf ihrer Lebensversicherung zwingen. Die Rückkaufwerte der Versicherer sind jedoch meist niedrig. Die Verlockung, auf Angebote einzugehen, in denen über Internet, Mailings und Call-Center deutlich höhere Summen angeboten werden, ist entsprechend hoch.

Hohe Renditen sind ein Warnsignal

"Verdächtig hohe Renditen sollten immer ein Warnsignal für Verbraucher sein. Denn da werden Leute mit Versprechungen geködert, die möglicherweise nicht eingehalten werden können", warnte BaFin-Sprecher Gebauer. Besondere Vorsicht sei angebracht, wenn nur ein Teil direkt und der Rest in Raten ausgezahlt werden solle, hieß es bei der Behörde. "Man muss sich im Klaren sein, dass man es nach dem Verkauf seiner Lebensversicherung nicht mehr mit diesem vertrauenswürdigen Produkt zu tun hat, sondern sein Geld zur Anlage Unternehmen anvertraut, die man oft gar nicht kennt. Das können riskante Investments sein", sagte Gebauer.

Die BaFin hat bereits vier Anbietern die Geschäfte untersagt. Denn nach Auffassung der Behörden handelte es sich in den betreffenden Fällen um erlaubnispflichtige Einlagegeschäfte, ohne dass die Anbieter hierfür eine Erlaubnis gehabt hätten. Rund 60 weitere dubiose Firmen hat die BaFin im Visier. Doch sind ihre Handlungsmöglichkeiten beschränkt. "Wir können nicht alles in Bausch und Bogen untersagen, zumal es noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung gibt", sagte der Sprecher. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" haben bereits Hunderte betroffene Bürger Strafanzeige gestellt, mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. dapd