Evangelos Iordanidis aus dem Unterallgäu war in Griechenland und hat die Akropolis geputzt. Die BBC hatte ihn vor einem Filmdreh angefragt. Aber wie entfernt man Graffiti ohne alte Steine zu beschädigen?
Stefanie Mayr

Die Wenigsten brechen in Jubelschreie aus, wenn es um den Hausputz geht. Und manch einem treiben die Kalkflecken im heimischen Badezimmer die Schweißperlen auf die Stirn. Wie schwer muss es da sein, die Akropolis zu reinigen? Evangelos Iordanidis hat sich an das Wahrzeichen Athens rangetraut: Gemeinsam mit seinem Team hat der Mindelheimer mit griechischen Wurzeln im vergangenem Sommer die Akropolis und den dazugehörigen Park von Schmierereien und Graffiti befreit.
Spezialgebiet Denkmalreinigung
Evangelos Iordanidis ist selbstständiger Gebäudereiniger. Seit 15 Jahren betreibt er eine Reinigungsfirma in Mindelheim im Unterallgäu. Ein paar Jahre später kam Finalit Deutschland hinzu, über die Firma vertreibt Iordanidis auch firmeneigene Spezialreiniger.

Mit seinen Betrieben hat er sich auf die Reinigung von Natursteinen spezialisiert. "Alles, was der normale Gebäudereiniger nicht mehr macht, das machen wir", sagt Iordanidis. Er hat schon die Dresdener Frauenkirche, den Eingangsbereich von Schloss Neuschwanstein und die Außenfassade der Elbphilharmonie gereinigt.
Akropolis: Zu dreckig für den Filmdreh?
Der Auftrag in Griechenland kam vom Fernsehsender BBC. Dieser wollte in und um die Akropolis eine historische Dokumentation filmen – da störten die Schmierereien. Den Auftrag der BBC bekam Evangelos Iordanidis über seinen Bruder Ioannis, der in Griechenland der Geschäftsführer von Finalit Hellas ist.
Die Firma hatte sich durch ein großes Projekt in Griechenland einen Namen gemacht. Dabei hat das Team in der kompletten historischen Altstadt von Tessaloniki Dreck und Graffiti entfernt. Dadurch war die BBC auf das Unternehmen aufmerksam geworden.
Evangelos Iordanidis hat es sich nicht nehmen lassen, seinen Bruder bei der Reinigung des UNESCO-Weltkulturerbe zu unterstützen. Der Auftrag an der Akropolis war für den Unterallgäuer, der die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, etwas Besonderes. "Die Akropolis darf man eigentlich nicht anfassen. Da haben die Archäologen ein Auge drauf", sagt er und lacht. Mit seiner Arbeit begann er deshalb meistens, wenn das Ausgrabungsteam schon weg war.
Wie werden Graffiti entfernt?
Um die ganze Anlage von Schmutz und Graffiti zu befreien, haben Iordanidis und sein Team vier Tage gebraucht. Unter den Augen zahlreicher Besucher wurden Bänke, Mauern und Säulen gesäubert. Die Erfahrung und einige Spezialreiniger aus dem Angebot von Finalit haben dabei geholfen. "Man kann die Mittel nicht direkt an der Akropolis ausprobieren. Das muss man schon vorher testen", sagt Iordanidis. Im schlimmsten Fall könnten aggressive Reiniger die Struktur der antiken Natursteine angreifen und zerstören.
Bevor das Team mit dem Putzen beginnen konnte, musste es bestimmen, um welche Art von Graffiti es sich handelt. Nicht jedes lässt sich leicht entfernen. "Die Sprayer werden immer kreativer", erzählt Iordanidis. Je nach Art und Farbe dauert es zwischen einer halben Stunde und einem Tag bis ein Stein graffitifrei ist.
Manchmal reicht ein Spezialreiniger, bei anderen hilft nur ein Niederdruckverfahren. Dabei arbeitet das Team mit Calcitpulver oder Marmorstaub. Mit Druck wird der grobe Dreck aus dem Stein geblasen. Dann kommt ein chemischer Reiniger zum Einsatz, der die restliche Farbe herauszieht. Ein chlorhaltiger Reiniger neutralisiert über Nacht die behandelte Oberfläche. Sind alle Schmierereien erfolgreich entfernt, bekommt der Stein eine Imprägnierung, damit er in Zukunft sauber bleibt.
Mittlerweile strahlt die Akropolis wieder graffitifrei und der BBC hat seinen Film abgedreht. Iordanidis und sein Team sind schon am nächsten Weltkulturerbe dran: Aktuell entfernen sie von den Steinen des Taj Mahals in Indien gelbe Verfärbungen.