Fiat Professional Team Trophy 2017 Im Piemont auf Paparazzi-Tour

Bei der Fiat Professional Team Trophy im Talento auf Entdeckungstour: Kälteanlagenbauermeister Julius Nikodem von der Firma Casa Tec in Bad Homburg spürt mit seiner Partnerin dem italienischen Lebensgefühl nach.

Ulrich Steudel

Mensch und Maschine: Die Teilnehmer der Fiat Professional Team Trophy vor ihren Fahrzeugen auf "La Pista", der legendären Teststrecke auf dem Dach der Fabrik von Lingotto in Turin. - © Stephen Reuss

Langsam schrauben sich die zehn Transporter und Pick-ups nach oben. Die Spannung steigt. Was erwartet die Teilnehmer der diesjährigen Fiat Professional Team Trophy auf dem Dach dieses gigantischen Skeletts aus Stahlbeton? Dann öffnet sich der Blick auf ein riesiges Oval: "La Pista", die legendäre Teststrecke der alten Fiat-Fabrik in Turin.

Jedes der zwischen 1923 und 1982 in den fünf Stockwerken der Fabrik von Lingotto gebaute Auto musste diesen 1,4 Kilometer langen Rundkurs absolvieren, bevor es ausgeliefert wurde. Heute werden Handwerker und Berufskraftfahrer mit den aktuellen Nutzfahrzeugen der Marke Fiat die Steilkurven in luftiger Höhe ansteuern: Mit Dobló, Talento, Ducato und Fullback spüren die zehn Teams die Fliehkraft, wenn sie in Schräglage über die Piste brettern.

„Absolut genial!“ Julius Nikodem macht aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Der Kälteanlagenbauermeister aus Bad Homburg stellt mit seiner Freundin Dira Marie Schneider das Team der Deutschen Handwerks Zeitung. Dass ausgerechnet er zur Trophy eingeladen wurde, freut den Italien-Liebhaber und Fan von Oldtimern der Marke Alfa Romeo besonders. Denn mit seiner mittlerweile fünften Trophy kehrt Fiat Professional an seine Wurzeln zurück.

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    Standort für die Trophy war das Castello di Pollenzo, das 1997 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Im ehemaligen Landsitz der Könige von Savoyen befindet sich heute unter anderem die weltberühmte Weinbank sowie eine Universität für gastronomische Wissenschaft.
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    Fuhrpark: Für die zehn Zweiteams standen die Fiat-Nutzfahrzeuge Fiorio, Dobló Cargo, Talento, Ducato und Fullback zur Verfügung.
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    Für die Deutsche Handwerks Zeitung war Kälteanlagenbauermeister Julius Nikodem von der Firma Casa Tec aus Bad Homburg mit seiner Freundin Dira Marie Schneider am Start.
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    Das Team der Deutschen Handwerks Zeitung war mit einem Fiat Talento im Piemont unterwegs.
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    Der Wettbewerb bestand aus einer Paparazzi-Tour, bei der die Teilnehmer im Piemont mit ihren Fahrzeugen und einer Sofortbildkamera auf Fotopirsch gehen mussten.
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    Zimmerermeister Michael Bernhardt aus Darmstadt startet mit seinem Sohn Jan Philip im Fullback als Team handwerk magazin. Beide belegten den dritten Platz.
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    Die Tour führte durch die hügelige Weinregion zwischen Alba, Barolo und Pollenzo.
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    Hier wächst die Nebbiolo-Traube, aus der unter anderem der berühmte Rotwein der Marke Barolo entsteht.
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    Bei einer Weinprobe lernten die Teilnehmer neben den edlen Tropfen auch die kulinarischen Köstlichkeiten der Region kennen.
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    Marc und Klaus-Dieter Bugiel aus Leipzig (v.l.) wurden von der Jury zum Sieger gekürt. Im beruflichen Alltag teilen sich die beiden die Geschäftsführung der Firma Fox-Courier, die mit Transportern Waren- und Dokumente in alle Welt befördert und immer dann zum Einsatz kommt, wenn es besonders schnell gehen muss.
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    Die Kreativität der Teilnehmer an der Paparazzi-Tour war groß, so dass die Jury beim Bewerten der Mappen keine leichte Entscheidung hatte. Alle Teams lagen eng beieinander.
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    Siegertreppchen knapp verpasst: Julius Nikodem und Dira Marie Schneider vom Team Deutsche Handwerks Zeitung mit Redakteur Ulrich Steudel (l.).
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    Emotionaler Höhepunkt der Fiat Professional Team Trophy 2017 war der Besuch der Teststrecke auf dem Dach der ehemaligen Autofabrik von Lingotto.
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    Inspiriert von den Automobilfabriken in Amerika ließ Fiat-Gründer Giovanni Agnelli in Lingotto ein Werk für die Fahrzeugproduktion in Italien errichten. Auf rund 153.000 Quadratmetern und auf fünf Etagen montierten in Spitzenzeiten bis zu 30.000 Arbeiter die verschiedenen Fiat-Modelle. Einzigartig ist die Teststrecke auf dem Dach der Fabrik, die heute nur noch selten befahren werden darf.
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    Seltenes Erlebnis: Fahrt durch die Steilkurve der Teststrecke "La Pista".
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    In den 1980er Jahren wurde Lingotto nach Plänen des Stararchitekts Renzo Piano zu einem Konferenz- und Shoppingzentrum umgebaut mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. In der Glaskuppel dahinter wurden Teile der Kunstsammlung der Familie Agnelli ausgestellt.
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    Piccola macchina: Vor 60 Jahren wurde der Fiat 500 vorgestellt. Heute hat der Kleinstwagen in Italien Kultcharakter, wie beim Oldtimer-Treffen in Turin zu erleben war.
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    Bei einem Autokorso der 500er bekamen die Trophy-Teilnehmer während ihres Stadtrundgangs eine Ahnung von der großen Bedeutung von Fiat für Turin.
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    Bei einem Besuch im Automuseum von Turin konnten die Trophy-Teilnehmer an rund 200 Fahrzeugen von 80 Herstellern die Geschichte des Autos seit 1769 verfolgen. Die Formel-1-Boliden von Ferrari durften da nicht fehlen.

Fiat steht für Fabbrica Italiana Automobili Torino. In Turin schlug lange Zeit das Herz der italienischen Automobilindustrie. Heute werden in Lingotto zwar keine Autos mehr gebaut, aber Leben pulsiert hier immer noch, nachdem Stararchitekt Renzo Piano den Industriekomplex in ein Konferenz- und Shoppingzentrum umgestaltet hat.

Die Autofahrt auf dem Dach von Lingotto war für Julius Nikodem der Höhepunkt der Trophy. Aber der eigentliche Wettbewerb lag da schon hinter ihm und seiner Partnerin. Tags zuvor mussten die zehn Teams in ihren Fiat-Nutzfahrzeugen das Piemont erkunden – jene hügelige Region, die für ihre Weine aus der Nebbiolo-Traube weltberühmt ist und Turin zur Hauptstadt hat.

Mit Sofortbildkamera durch "Bela Italia"

Ausgerüstet mit einer Sofortbildkamera sollten die Teams im Dreieck zwischen Pollenzo, Alba und Barolo dem italienischen Lebensgefühl nachspüren. Mit den Fotos, die in den Weinbergen, in den Gassen der malerischen Dörfer und im samstäglichen Marktgewimmel von Alba entstanden, sollten die Teilnehmer eine Mappe gestalten, in der sie ihre Eindrücke von "Bella Italia" mit viel Kreativität zum Ausdruck bringen.

An Ideenreichtum mangelte es nicht. Fotos in Backstuben und Weinhandlungen, Porträts mit Carabinieris und wohlgenährten älteren Herren, Landschafts- und Straßenszenen verzierten die Mappen genauso wie die unterwegs ergatterten Souvenirs oder Symbole für die kulinarischen Köstlichkeiten der Gegend. Am Ende hatte die Jury keine leichte Aufgabe, aus den abgelieferten Arbeiten die besten herauszu­finden.

Ein Platz auf dem Siegertreppchen blieb Julius Nikodem und Dira Marie Schneider vom Team Deutsche Handwerks Zeitung zwar verwehrt, aber den beiden hat die Paparazzi-Tour trotzdem viel Spaß gemacht. „Es war ein tolles Erlebnis für uns, das wir sicher nicht vergessen werden“, sagte Julius Nikodem, der die Trophy im 145 PS starken Fiat-Talento-Kastenwagen mit der gleichen Leidenschaft angegangen war, mit der er seinen Beruf als Kältetechniker ausübt.

Dass der 26-Jährige beruflich einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, war für ihn lange kein Thema. Erst mit 16 entschied er sich für die Kältetechnik. „Aber es war von Anfang an klar, dass ich einmal als Handwerker arbeiten will“, betont Julius, der wie viele Jungs zunächst vor allem an Mofas und Motorrädern schraubte. „Die Funktionsweise des Verbrennungsmotors gehört für mich zum Bildungskanon. Physik hat mich schon immer interessiert.“

Abwechslungsreicher Beruf in der Kältetechnik

Das kommt dem Kälteanlagenbauermeister heute bei seinem Job im elterlichen Betrieb Casa Tec in Bad Homburg täglich zugute. „Die physikalischen Vorgänge, mit denen sich ein Mechatroniker für Kältetechnik beschäftigen muss, sind echt anspruchsvoll. Aber gerade das macht unseren Beruf ja so vielseitig und abwechslungsreich“, erzählt Julius über seine Arbeit im heimischen Familienbetrieb, in dem neben seinen Eltern Thomas und Corinna Nikodem auch sein Bruder Maximilian beschäftigt ist. Das Tätigkeitsfeld der sieben Monteure von Casa Tec reicht von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik über Elektrotechnik bis zur Hydraulik – von Kaltwassersystemen bis zu Wärmepumpen.

In seiner Freizeit greift Julius Nikodem immer noch gern zum Schraubenschlüssel. Seine gesamte Familie teilt die Leidenschaft für historische Autos von Alfa Romeo. Einige davon werden bei den Nikodems liebevoll restauriert. Die Oldtimer kommen danach auch schon mal bei einem Geschäftstermin zum Einsatz.

Das Lieblingsauto von Julius im familiären Fuhrpark ist ein Alfa Romeo Bertone, Baujahr 1968. „Für mich das schönste Auto der Welt“, schwärmt Julius Nikodem. Da kann der Talento zwar nicht ganz mithalten, aber immerhin sei er besser als der Mercedes Vito, mit dem Julius aktuell seinen Berufsalltag bestreitet.