Zum 100. Mal finden die Bayreuther Festspiele statt. Jedoch sind es nicht nur die Künstler, sondern auch Maßschneider, Maskenbildner und Schreiner, die jede Aufführung zu einem unvergleichlichen Musik- und Theatererlebnis werden lassen.

Festspiele des Handwerks
In den Werkstätten des Festspielhauses bauen Schreiner und Metallbauer passgenau jedes noch so ausgefallene Kulissenelement, Maßschneider fertigen mit hoher Präzision und viel Liebe zum Detail aufwendige Kostüme, Maskenbildner verwandeln die Darsteller in täuschend echte Fantasiefiguren und Elektroniker betreuen die komplexe Bühnentechnik.
Darüber hinaus arbeitet das Festspielhaus mit vielen Betrieben aus der Region zusammen. Handwerker mit ihrem Fachwissen und ihrer Flexibilität sind so wichtige Akteure des Festspielbetriebs.
Orchestermitglieder vertrauen dem Handwerk
In Bayreuth zu spielen, ist selbst für erfahrene Musiker eine besondere Ehre. Als Orchester lassen sie die außerordentliche Akustik des denkmalgeschützten Zuschauerraums erklingen. Nehmen ihre oftmals sehr alten und empfindlichen Instrumente dabei unverhofft Schaden, lassen sie nur die Meister des Instrumentenbaus ans Werk, so wie Gottfried Raabs.
Seit vielen Jahren steht der Geigenbaumeister aus Bubenreuth Orchestermitgliedern in Notfällen zu Seite und repariert während der Festspiele beschädigte Geigen, Violinen, Violas oder Cellos. "Besonders wenn extreme Witterungsbedingungen herrschen, etwa sehr hohe Temperaturen oder eine hohe Luftfeuchtigkeit, kann es passieren, dass sich geleimte Stellen öffnen und das Instrument anfängt zu klirren. Meine Aufgabe besteht dann darin, den alten Leim zu entfernen, die betroffene Stelle zu säubern und neuen Leim aufzutragen", erläutert Raabs.
Erst dann kann ein Instrument wieder seinen vollen Klang entfalten. Das Spektrum seiner Reparaturarbeiten reicht aber noch viel weiter: "Manchmal kommt es auch vor, dass der Stimmstock gerichtet werden muss oder sogar ein neuer Steg nötig ist", so Raabs. In jedem Fall erfordert seine Tätigkeit an den filigranen Streichinstrumenten absolute Sorgfalt, höchste Präzision und nicht zuletzt ein gutes musikalisches Gehör.
Raabs schätzt zudem die Beständigkeit seines Gewerks. "Die Tradition im Geigenbau besteht darin, alte Materialien und Techniken beizubehalten und weiterzuentwickeln. Es gab zwar unzählige Versuche, andere Materialien als das bewährte Holz von Ahorn und Fichte zu verwenden, diese haben allerdings die hohen Qualitätsmerkmale nicht erfüllen können", betont er.
Handwerkliche Detailarbeit bis in die Solistengarderoben
Auch Michael Schlegel, Geschäftführer der S + S Ausbau GmbH aus dem oberfränkischen Neudrossenfeld, ist bestens mit dem Festspielhaus vertraut. Sein Betrieb ist vor allem im Vorfeld der Festspiele dafür verantwortlich, die Räumlichkeiten auf den neuesten Stand zu bringen.
So wurden unter anderem moderne Akustikdecken und -wände vom ausgebildeten Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer eingebaut. Auch Tischler, Fliesenleger, Anlagenmechaniker-SHK und Maler legten Hand an: Bei neuen Böden, Türen und Fenstern oder bei der Modernisierung im Sanitärbereich. Die acht Solistengarderoben wurden renoviert, Schminktische, Betten und Schränke auf die Räumlichkeiten individuell zugeschnitten.
Ob für das Geschehen auf der Bühne, im Orchestergraben oder hinter den Kulissen – zahlreiche Handwerker tragen in Bayreuth entscheidend dazu bei, die beeindruckenden Klang- und Fantasiewelten zu erschaffen und das Publikum Tag für Tag von neuem zu begeistern.
Mit ihren individuellen und kreativen Leistungen machen sie die Wagnerfestspiele so immer auch zu Festspielen des Handwerks. Die Bayreuther Festspiele finden in diesem Jahr vom 25. Juli bis zum 28. August statt.
dhz