Der Reiseveranstalter Tui wagt sich im wahrsten Sinne des Wortes in neue Gewässer. Seit April 2008 heißt es nun auch dort Leinen los für Flusskreuzfahrten. Das schwimmende Hotel bewegt sich auf der Donau von Passau bis hin zum Donaudelta.
Dörthe Rautmann
Faszination Donau erleben
Je nach Wunsch bestimmt der Gast die Länge seiner Reise. Der Klassiker ist der "Donauprinz": Während einer viertägigen Flusskreuzfahrt werden hier die Höhepunkt der Donau zwischen Passau-Wien-Passau mit Zwischenstopps in Krems und Melk präsentiert.
In Passau/Lindau heißt es "Alle Mann an Bord". Noch ein Blick auf die "Dreiflüssestadt" Passau – hier fließen Ilz, Donau und Inn zusammen – sowie ein Blick in die Altstadt, die auf einer schmalen Halbinsel am Zusammenfluss von Inn und Donau liegt, und schon beginnt die Flusskreuzfahrt auf der Tui Maxima. Einem hellblauen, knapp drei Jahre alten Schiff mit dem typischen Tui-Symbol.
Besonders beliebt sind die Flusskreuzfahrten bei älteren Touristen. Aber Andreas Castdorff, Leiter Category Management, denkt bereits darüber nach, die Flusskreuzfahrt auch für andere Zielgruppen wie z.B. Familien anzubieten. Allerdings müsste für solche Fahrten das Schiff zunächst "kindergerecht" umgebaut werden. Auch Variationen bei den Ausflügen wie z.B. eine Teilstrecke selbst mit dem Fahrrad zurückzulegen, sind nach Angaben von Castdorff für das neu aufgelegte Produkt denkbar.
Das Schiff verfügt über vier Decks und bietet Platz für 90 eingerichtete Kabinen mit Panoramafenster, die meisten mit französischem Balkon. Insgesamt haben 180 Passagiere auf dem 126,7 m langen und 11,40 m breiten Schiff Platz. Für Abwechslung sorgen ein Bordshop, ein Sonnendeck, eine Fitnessecke mit Sauna und Whirlpool sowie eine Bibliothek.
Ausreichend Platz
Die Kabinen sind rund 16 m² groß und bieten ausreichend Platz. Am Fenster zieht das Ufer gemächlich an einem vorbei und mit 23 km/h geht es Richtung Wien. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Um genauer zu sein 350 km und neun Schleusen müssen bis zum Ziel überwunden werden. Gerade an das Durchschleusen muss sich der Passagier erst gewöhnen: Auf einmal ist es vorbei mit der schönen Aussicht und es türmen sich meterhohe Betonwände vor dem Fenster auf. Besonders in der Nacht traut man zunächst seinen Augen nicht, wenn die Lichter der am Ufer stehenden Häuser leuchten sollten, eine graue Masse vor dem Fenster erscheint. In der ersten Nacht dürfte diese Begebenheit den einen oder anderen noch aus dem Schlaf reißen. Doch je länger die Reise dauert, umso mehr hat man sich daran gewöhnt.
Mittags und abends stehen mehrgängige Menüs auf dem Programm. Der Koch meint es sehr gut mit seinen Gästen. Das leckere Essen lässt keine Wünsche offen und "zwingt" den einen oder anderen dazu, mit ein paar Kilos mehr von Bord zu gehen.
Die Tui Maxima legt am nächsten Tag gegen Mittag im Handelskai in Wien an. Wer mag, kann Wien auf eigene Faust erkunden oder aber eine gebuchte Stadtrundfahrt unternehmen. Im Programm gibt es auch die Besichtigung der beiden Schlösser Belvedere und Schönbrunn sowie Wien bei Nacht mit einer Fahrt im Riesenrad im Prater. Wer vorher genau den Veranstaltungskalender der kaiserlichen Stadt studiert hat, dürfte keine Probleme bei der Wahl der Besichtigungspunkte haben. Gegen Mitternacht legt die Maxima schon wieder ab und die Stippvisite ist beendet. Es geht zurück Richtung Passau.
Köstliche Marille
Am nächsten Morgen geht die Fahrt durch die Wachau. Eine rund 30 km lange Flusslandschaft, die klimatisch besonders begünstigt ist und zwischen Krems an der Donau und Melk liegt. In Krems geht es von Bord. Eine Reiseleiterin begleitet diejenigen, die sich für den Landausflug entschieden haben, zunächst in die Marillendestillerie Hellerschmid. Die Marillen, in Deutschland als Aprikose bekannt, sind eine regionale Spezialität der Wachau und werden zu Köstlichkeiten wie "B’soffene Marille", Marillenschnaps oder -knödel verarbeitet. Der Juniorchef des Familienunternehmens in der dritten Generation erklärt die Herstellung von Marillenschnaps.
Wer die Produkte testen will, hat im hauseigenen Laden die Gelegenheit. Weiter geht es mit dem Bus nach Dürnstein, einem sehr bekannten touristischen Ziel in Österreich. Dürnstein trennt das Waldviertel vom Dunkelsteinerwald. Sehenswert sind die Stiftskirche, mit ihrer blau-weißen Färbung auch als "Fingerzeig Gottes" bekannt, sowie die Burgruine Dürnstein. In der Ruine wurde einst der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten. Bei gutem Wetter lohnt es sich auf jeden Fall, die Burgruine anzusehen.
Galadinner am Abend
Als letzter Programmpunkt für diesen Tag steht noch die Besichtigung des Stifts Melk an. Ein Ausflug, der zu empfehlen ist. Melk war stets ein bedeutendes kulturelles und geistliches Zentrum in Österreich. Leopold I., 976 mit dem Gebiet des heutigen Südwesten Niederösterreichs als Markgraf belehnt, machte die Burg in Melk zu seiner Residenz und seine Nachfolger statteten sie mit wertvollen Schätzen und Reliquien aus. Im Jahr 2001 wurde das Stiftsmuseum völlig neu eingerichtet und präsentiert nun in einer abwechslungsreichen Gestaltung der Räume und mit modernen technischen Mitteln, wie z.B. Videoinstallationen oder Computeranimationen, die Stiftsgeschichte in all ihrem Auf und Ab sowie das aktuelle Geschehen im Stift Melk. Beeindruckend ist die Bibliothek. Sie ist auf zwei Haupträume aufgeteilt, die mit dem gemalten Deckenfresken aus dem Jahr 1731 von Paul Troger ausgestattet sind. Sie beherbergt ca. 1.800 Handschriften seit dem 9. Jahrhundert.
Auch der über 240 Meter langem sehr imposante Marmorsaal fällt dem Besucher ins Auge: Der an den Kaisertrakt anschließende Saal war als Fest- und Speisesaal für Gäste gedacht, besonders für den kaiserlichen Hof. Die Türfüllungen und die Absätze bestehen aus echtem Salzburger Marmor, die Wände aus Stuckmarmor.
Anschließend geht es wieder an Bord. Ein Galadinner am Abend bildet den passenden Rahmen für den Abschied. Der Kapitän und seine Crew ziehen mit den aus der Serie "Das Traumschiff" bekannten Torten samt Wunderkerzen ein.
Am nächsten Morgen ist die Ausschiffung in Passau. Ein letzter Blick vom Sonnendeck auf die Donau und dann heißt es Abschied nehmen. Die Passagiere treten den Heimweg an und die Maxima wird für die nächste Fahrt startklar gemacht.