Rhöner Holzschnitzerei Thomas Eyring So werden Fastnachtsmasken handgeschnitzt

Die Rhöner Fastnachtsmasken der Holzschnitzerei Thomas Eyring aus Weisbach sind weit über den kleinen Ort hinaus bekannt. Jedes Jahr sind die sorgfältig geschnitzten und kunstvoll bemalten Holzkreationen sogar im Fernsehen zu sehen. Ein Blick in die Werkstatt von Thomas Eyring zeigt Leidenschaft und Können – und ein ganz besonderes Handwerk.

Bereits gefertigte Masken und das notwendige Werkzeug.
Bereits gefertigte Masken und das notwendige Werkzeug. - © Janina Lutz

Über eine kurvige Landstraße erreicht man den kleinen Ort Weisbach mitten im Biosphärenreservat Rhön. Am Ortseingang hängt links neben dem Wegweiser zum bekannten Basaltsee ein Schild mit der Aufschrift "Rhöner Holzschnitzerei Thomas Eyring – heute geöffnet". Der Hof der Familie Eyring liegt am Ortsrand in Richtung Ginolfs und umfasst das Ladengeschäft mit Büro sowie Werkstatt, Maschinenräume, Holzlager und Wohnhaus. Und genau hier, im Herzen der Rhön, werden nicht nur gängige Holzwaren geschnitzt und verkauft, sondern auch die traditionellen Rhöner Fastnachtsmasken.

Jedes Jahr zwischen Weihnachten und Altweiberfastnacht ist Hauptsaison für die Herstellung der Holzmasken. Dabei sind die Rollen unter den drei Familienmitgliedern klar verteilt. Thomas Eyring ist gelernter Holzschnitzer und Chef der Holzschnitzerei, Tochter Melanie Weigand, hat Holzbildhauerin gelernt und erarbeitet die Masken gemeinsam mit ihrem Vater. Brigitte Eyring, die Frau von Thomas, übernimmt den künstlerischen Teil und bemalt die Masken wie bestellt und gewünscht.

Fastnachtsmasken in der Kultsendung "Fastnacht in Franken"

Bekannt sind die Masken, abseits von den erwähnten Dörfern in der Rhön, auch durch die Kultsendung "Fastnacht in Franken", eine der bekanntesten Karnevalssitzungen Deutschlands, die jedes Jahr im Bayerischen Rundfunk live übertragen wird. So umrahmen zwei "Ünnerälsbicher Fosenöchter" und zwei "Weisbacher Jüde", wie die Orte und Masken im Dialekt heißen, bereits seit 2017 zusammen mit den "Allersberger Flecklashexen" das Programm.

Thomas Eyring beim Schnitzen einer Fastnachtsmaske.
Thomas Eyring beim Schnitzen einer Fastnachtsmaske. - © Janina Lutz

Zum Einsatz kommen die Masken aber auch an Faschingssamstag, an dem die Maskenträger durch ihre Dörfer laufen. Jede Person, die dabei auf der Straße entdeckt wird, wird "gedengelt". Das heißt, man wird erschreckt und auch ein bisschen geärgert, natürlich alles im Rahmen des fröhlichen Faschingstreibens. Jede Ortschaft trägt dabei seine ortsspezifische Maske und das dazugehörige Kostüm. Mitmachen kann jeder, egal ob allein oder als Gruppe im Verein. "Da laufen wir alle mit, selbst unsere Kinder", sagt Melanie und schmunzelt.

Darüber hinaus findet alle zwei Jahre die Maskenfastnacht in Oberelsbach statt. Eine Art Faschingsumzug, bei dem jedes Dorf seine Maske in der Gruppe präsentiert. Zu den Blauen Jüden aus Weisbach gehören zudem "der Hanswurscht, die Geiß, der Aaron, der Mose und das Schlappmaul", erzählt sie weiter, während sie im Buch über geheimnisvolle Masken aus der Rhön blättert. Jeder dieser Charaktere trägt eine andere Maske.

"Insgesamt stellen wir 30 verschiedene Maskenmodelle her", erklärt Melanie. Sie unterscheiden sich anhand von Nase, Augen, Bart, Lippen oder Augenbrauen. Zudem werden sie beispielsweise mit Haaren aus Buchs oder einem langen Bart aus Flachs geschmückt. "Jede Session ist anders", erwidert Thomas Eyring auf die Frage, wie viele Masken sie pro Session verkaufen. Mancher Kunde kauft die Holzmasken auch als Dekoration für den Hausflur.

Fastnachtsmasken: Traditionshandwerk trifft Familienbetrieb

Maskenkollektion der Familie Eyring an der Maskenwand im Verkaufsraum.
Maskenkollektion der Familie Eyring an der Maskenwand im Verkaufsraum. - © Janina Lutz

Das Ladengeschäft von Familie Eyring besteht aus zwei geräumigen, hellen Räumen und ist mit verschiedensten Holzerzeugnissen bestückt. Weihnachtskrippen, große und kleine Krippenfiguren, Madonnen, massive Standuhren, Wappen, Kreuze, Drehorgeln und vieles mehr wird in den Verkaufsräumen ausgestellt. Auf einem Tisch in der Mitte sind Dekoartikel und Brotzeitbrettchen aufgereiht. An der Maskenwand in der Ecke kann man sich einen guten Überblick über die umfassende Auswahl der verschiedenen Masken verschaffen.

Hinter der Kasse führt eine schmale Treppe hinauf zu Büro und Werkstatt. Auch in der Werkstatt sind zahlreiche Madonnen und Krippenfiguren in jeder Art und Größe zu finden. Eine umfangreiche Auswahl verschiedener Werkzeuge liegt fein säuberlich angeordnet auf einem schmalen Tisch an der Wand. Auf sämtlichen Freiflächen hängen oder stehen die Holzmasken, bemalt oder unbemalt. Überall finden sich Holzspäne und der charakteristische Duft von frischem Holz ist deutlich wahrnehmbar. In der Ecke liegen Pinsel und bunte Farben für die Verzierung der Masken.

Setzt man seinen Weg durch die Tür in der Werkstatt fort, gelangt man zum großflächigen Maschinenraum, welcher mit etlichen Holzbearbeitungsmaschinen ausgestattet ist. In einem benachbarten, etwas kleineren Raum steht die, für die Maskenherstellung, wichtige Kopierfräse. "Wenn wir noch kein vorgefertigtes Modell haben, schnitzen wir die Maske per Hand", so Eyring. Wurde das Modell bereits hergestellt, wird für das Kopieren oder Vervielfältigen die Kopierfräse eingesetzt, die es ermöglicht, bis zu acht Masken gleichzeitig zu bearbeiten.

Kopierfräse für die parallele Bearbeitung von acht Holzmasken.
Kopierfräse für die parallele Bearbeitung von acht Holzmasken. - © Janina Lutz

Fastnachtsmasken ausschließlich aus Lindenholz

Thomas Eyring und Tochter Melanie an der Werkbank.
Thomas Eyring und Tochter Melanie an der Werkbank. - © Janina Lutz

In der Werkstatt der Eyrings wird ausschließlich Lindenholz für die Maskenherstellung verwendet. Ist der Maskenrohling einmal auf der Werkbank eingespannt, werden mit verschiedenen Schnitzeisen die feinen Gesichtskonturen von Hand bearbeitet. "Für eine Maske brauche ich ungefähr einen Arbeitstag", erzählt Thomas Eyring. Holzschnitzmesser, Balleisen, Hohleisen und Geißfuß kommen dabei zum Einsatz. "Scharf muss es sein, das Werkzeug", antwortet er auf die Frage, worauf man beim Holzschnitzen besonders achten sollte. Mit ruhiger Hand bearbeitet er das Holz Stück für Stück, bis die Konturen präzise und im Detail zu sehen sind. Die dabei herabfallenden Späne pustet der Holzschnitzer sanft beiseite.

In der Werkstatt hängt auch eine, für die Eyrings, ganz besondere Maske: Eine Rhöner Fastnachtsmaske, geschnitzt im Jahr 1947 von Thomas Vater Gerold Eyring, die sich trotz ihres beachtlichen Alters in einem sehr guten Zustand befindet.

Gelernt hat Thomas Eyring das Handwerk bei seinem Vater, welcher den Beruf wiederum bei seinem Vater erlernt hat. Alternativ kann man die Ausbildung aber auch in der Schnitzschule in Bischofsheim absolvieren, die bereits im Jahr 1862 gegründet wurde. Das zeigt, wie lange das Schnitzerhandwerk und das Maskenschnitzen in der Rhön bereits Tradition haben.

Generationendruck ist für Thomas Eyring ein Fremdwort: Er führt die Holzschnitzerei bereits in der fünften Generation und das mit Freude und Leidenschaft. "Ich wollte das schon immer", entgegnet er auf die Frage, ob die Schnitzerei schon immer sein Traumberuf war. Auch für die kommenden Jahre ist Thomas Eyring zuversichtlich, denn mit Tochter Melanie liegt die Zukunft der Holzschnitzerei in guten Händen – ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.