Die Konjunktur erholt sich langsam, doch bei Solo-Selbstständigen und Kleinstbetrieben kommt davon wenig an. Sie sehen ihre wirtschaftliche Existenz fast dreimal so häufig bedroht wie andere Firmen. Im Baugewerbe stellen sich Selbstständige auf schwache Monate ein.

Zum ersten Mal seit drei Jahren sehen etwas weniger Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Trotzdem plagen diese Sorgen noch fast jeden Fünften. Das zeigt der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober 2026. Der Anteil sinkt von 21,2 auf 19,4 Prozent. In der Gesamtwirtschaft liegt er bei 6,7 Prozent.
Für die aktuelle Ausgabe des Index wurden rund 1.800 Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter sowie Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern befragt. Der Index erscheint seit Dezember 2021 jeden Monat.
Lage besser, Aussichten trüber
Das Geschäftsklima der Selbstständigen hellt sich leicht auf, bleibt aber deutlich im negativen Bereich. Laut Index steigt es von minus 18,8 Punkten im September auf minus 18,6 Punkte. In der Gesamtwirtschaft verbessert sich das Klima ebenfalls leicht, von minus 3,5 auf minus 2,9 Punkte.
Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten die Selbstständigen zum vierten Mal in Folge besser. Der Wert steigt um 1,9 Punkte auf minus 14,7 Punkte (September: minus 16,6 Punkte). Laut ifo-Institut setze sich die Konjunkturbelebung zwar fort, komme bei den Selbstständigen aber noch nicht in der Breite an.
Der Blick nach vorn fällt dagegen düsterer aus. Die Erwartungen für die kommenden Monate sinken von minus 21,0 auf minus 22,5 Punkte.
Baugewerbe gegen den Trend
Während sich das Klima insgesamt leicht verbessert, geht es im Baugewerbe abwärts. Laut Index sinkt das Geschäftsklima dort von minus 37 Punkten im September auf minus 42 Punkte im Oktober. Damit hat der Bau unter den vier dargestellten Sektoren das schlechteste Geschäftsklima.
Vor allem die Erwartungen für die kommenden Monate trüben sich deutlich ein. Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten die Selbstständigen am Bau dagegen weniger negativ als im September.
Beim Rückgang spielen allerdings auch saisonale Schwankungen eine Rolle. Das ifo-Institut veröffentlicht die Zahlen für Selbstständige unbereinigt. Jahreszeitliche Schwankungen sind also nicht herausgerechnet, denn die Zeitreihen sind dafür noch nicht lang genug. Gerade im Baugewerbe verschlechtert sich das Geschäftsklima deshalb regelmäßig über die Wintermonate.

Dienstleister und Einzelhandel legen zu
Im Dienstleistungssektor steigt das Geschäftsklima laut Index leicht auf minus 10,3 Punkte (September: minus 10,7 Punkte). Bei den IT-Dienstleistern halten sich positive und negative Einschätzungen die Waage. In der Unternehmensberatung überwiegen erstmals seit zwei Jahren sogar die positiven Stimmen.
Auch im Einzelhandel steigt das Geschäftsklima, auf minus 27,0 Punkte (September: minus 30,0 Punkte). Der Grund: Die Selbstständigen im Handel bewerten ihre laufenden Geschäfte deutlich besser. Ihre Erwartungen fallen allerdings eher negativ aus.
Auftragsmangel bleibt größtes Problem
Das größte Problem der Selbstständigen bleibt der Auftragsmangel. Fast jeder Zweite meldet ihn im Oktober, das sind 45,7 Prozent. Im Vorquartal waren es noch 47,3 Prozent. Unter allen Unternehmen melden 34,9 Prozent zu wenige Aufträge.
Insgesamt sehen sich rund drei von fünf Selbstständigen in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt: 61,3 Prozent nach 63,3 Prozent im Vorquartal. Auch der Anteil der Unternehmen mit Finanzierungsengpässen sinkt, von 9,9 auf 8,3 Prozent.
Verband fordert Rechtssicherheit und faire Rentenbeiträge
Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) fordert strukturelle Reformen. "Die leichten Verbesserungen der letzten Monate sind teuer erkauft durch eine hohe Staatsverschuldung. Für einen nachhaltigen Aufschwung braucht es strukturelle Verbesserungen, vor allem eine rechtssichere Statusfeststellung", sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Lutz.
Neben besseren politischen Rahmenbedingungen fordert der VGSD mit Blick auf die geplante Rentenreform eine faire Beitragsberechnung. "Wenn Teilzeit-Selbstständige durchgängig höhere Beiträge zahlen müssen als vergleichbare Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen, droht ein massiver Einbruch des Gründungsgeschehens", warnt Lutz. jcs/fre
