Studie zur Familienfreundlichkeit Familienfreundlichkeit: So punkten Arbeitgeber

Familienfreundlichkeit ist vielen Beschäftigten bei der Wahl des Arbeitgebers wichtig. Dabei sind es allerdings nicht immer die großen und kostenaufwendigen Maßnahmen, mit denen Chefs punkten. Eine Studie zeigt, was sich Mütter, Väter und Pflegende wünschen und wie Arbeitgeber durch mehr Familienfreundlichkeit attraktiv für neue Mitarbeiter werden.

Familienfreundlichkeit
Familienfreundlichkeit hat einen großen Einfluss darauf, wie attraktiv ein Unternehmen für neue Mitarbeiter ist. - © Ursula Deja - stock.adobe.com

Eine betriebliche Kinderbetreuung oder Ferienprogramme für Schulkinder sind Maßnahmen, die berufstätige Eltern sicherlich gut finden. Solch kostenintensive und aufwändige Mittel stellen aber nicht den realen Bedarf derjenigen dar, die sich mehr Familienfreundlichkeit von ihrem Arbeitgeber wünschen. Dass sie wichtig sind für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gaben in einer aktuellen Studie nur rund 18 Prozent der befragten Personen mit familiärer Verantwortung an. Weitaus bedeutender sind Maßnahmen, die Müttern, Vätern und Pflegenden zeigen, dass sie in ihrer Situation ernst genommen werden und die beruflichen und privaten Belange flexibel miteinander vereinbaren können.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat das Beratungsunternehmen Prognos mehr als 2.500 erwerbstätige Eltern und pflegende Angehörige zu ihren Wünschen in Sachen Familienfreundlichkeit befragt. Die sogenannte "Attraktivitätsstudie" zeigt auf, mit welchen Maßnahmen Arbeitgeber bei ihren Beschäftigten punkten und wie sie dadurch auch für neue Mitarbeiter interessant werden. Die Wünsche unterscheiden sich dabei zwischen Müttern, Vätern und auch denjenigen, die Angehörige pflegen.

Familienfreundlichkeit: Mütter, Väter und Pflegende haben unterschiedliche Wünsche

So ist die Flexibilität zwar für 70 Prozent der Befragten insgesamt ein wichtiges Argument für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ob in Sachen Arbeitszeit oder auch Arbeitsort. Eltern beurteilen dies aber als bedeutender als Pflegende, die oftmals wegen einer besseren Planbarkeit auf feste Arbeitszeiten setzen. Grundsätzlich zeigt die Studie folgende Unterschiede auf:

  • Flexibilität ist für Mütter vor allem bei der Anpassung der Arbeitszeiten an die Zeiten der Betreuungseinrichtungen der Kinder wichtig. Sie wünschen sich zu einem Großteil, dass Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen. Außerdem spielt es für sie eine große Rolle, ob sie ihren Arbeitszeiten bzw. den Umfang an die persönliche Situation flexibel anpassen können – zeitweise auf Teilzeit reduzieren, wieder aufstocken oder auch eine Führungsposition mit reduziertem Umfang ausüben.
  • Väter möchten hingegen ihre Wochenarbeitszeiten gerne an die Belange der Familie flexibel anpassen können – ähnlich wie den Arbeitsort, sodass Möglichkeiten zeitweise im Homeoffice zu arbeiten wichtig sind. Als Wunsch in Sachen Familienfreundlichkeit zeigt die Studie bei den Vätern aber auch auf, dass viele gerne von ihrem Arbeitgeber aktiv zur Elternzeitnutzung ermutigt werden.
  • Pflegende wünschen sich ganz besonders, dass sie in ihrer Situation ernster genommen werden und dass Arbeitgeber sehen, dass auch für sie die Familienfreundlichkeit eine große Rolle spielt. Dabei sind es aber oft feste und verlässliche Arbeitszeiten, die wichtig sind für eine Planung des Alltags. Pflegende benötigen der Studie zufolge einerseits Rücksicht auf spontane Betreuungsbedarfe. Zugleich sind zuverlässige Arbeitszeiten ohne Überstunden wichtig. 

Familienfreundlichkeit ist sehr individuell

Die Studie zeigt auf, dass Familienfreundlichkeit eine sehr große Rolle spielt, wenn es darum geht, als Arbeitgeber langfristig attraktiv zu sein. Sie ist sogar nicht selten der Grund, warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich nach einer neuen Arbeitsstelle umschauen und für eine bessere Familienfreundlichkeit nehmen sie teilweise auch ein Weniger an Gehalt an.

Gleichzeitig macht die Studie auch deutlich, dass Familienfreundlichkeit viele Perspektiven hat und dass sie individuell anders aussehen kann. Die Rücksichtnahme auf die jeweilige Situation der Eltern und Pflegenden ist genauso wichtig, wie das Suchen und Finden individueller Lösungen, um Arbeitsstellen an die Bedürfnisse anzupassen. Dabei müssen Unternehmen oftmals noch nicht einmal kostenintensive Maßnahmen in Angriff nehmen, sondern vielmehr in einen offenen Austausch gehen, mit den Beschäftigten und auch mit potenziellen neuen Mitarbeitern. jtw

>>> Die Studie steht online zur Verfügung und kann unter erfolgsfaktor-familie.de heruntergeladen werden.