Nur jeder fünfte in Deutschland glaubt, dass Beruf und Familie gut zu vereinbaren sind. Dabei können Betriebe Familien gut unterstützen, findet Sofie Geisel. Die DHZ hat mit der Expertin, die das Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie" leitet, über Familienfreundlichkeit im Handwerk gesprochen.
Familienfreundlichkeit macht attraktiv
DHZ: Frau Geisel, warum ist Familienfreundlichkeit für das Handwerk wichtig?
Sofie Geisel : Das Handwerk ist stark betroffen vom Fachkräftebedarf, heute schon und in der Zukunft noch mehr. Deswegen ist es für Handwerksbetriebe wichtiger denn je, als attraktiver Arbeitgeber sichtbar zu werden. Familienfreundlichkeit ist eine Möglichkeit dafür, und zwar nicht nur Familienfreundlichkeit, die gelebt wird, sondern auch eine, die nach außen getragen wird.
DHZ: Was heißt das konkret?
Geisel: Oft ist es natürlich ein Kapazitätsproblem. Bei einer Betriebsgröße von fünf bis zehn Mitarbeitern ist meist niemand explizit für die Außenkommunikation zuständig. Aber wir leben in einem Kommunikationszeitalter und wer nicht kommuniziert, wird die guten Leute wahrscheinlich auch nicht gewinnen. Den Handwerksbetrieben muss bewusst werden, dass sie mit anderen, meist größeren Unternehmen in Konkurrenz um wenige Fachkräfte stehen. Deswegen müssen sie auch über Familienfreundlichkeit sprechen – zum Beispiel im Bewerbungsgespräch, bei der Suche nach Bewerbern oder auch mit schon vorhandenen Mitarbeitern.
DHZ: Viele Handwerksbetriebe sind familiengeführt und klein. Können sie Familienfreundlichkeit überhaupt umsetzen und finanzieren?
Geisel: Familienfreundlichkeit muss überhaupt nicht teuer sein. In erster Linie geht es um Verständnis dafür, dass die Beschäftigten zuhause noch einen anderen Job haben, den sie nicht aufgeben können oder wollen und der wichtig dafür ist, dass sie beruflich leistungsfähig sein können. Sich das bewusst zu machen und das mit den Beschäftigten auch mal zum Thema zu machen, ist schon drei Viertel der Miete. Handwerksbetriebe sind häufig sehr gut darin, gerade weil es kleine Betriebe sind, weil das Klima persönlich ist, weil es kurze Wege gibt und weil die Kommunikation oft sehr offen ist.
DHZ: Wie können sich Handwerksbetriebe familienfreundlich aufstellen?
Geisel: Ich bin kein Freund davon zu sagen: Je mehr Maßnahmen, desto familienfreundlicher. Natürlich geht es um flexible Arbeitszeiten, oder darum, dass man bei der bei der Kinderbetreuung unterstützt oder Informationen bereit hält, die Menschen brauchen, die sich oft plötzlich um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Aber vor allem gehts um die Frage wie man eine individuelle Lösung finden kann? Große Unternehmen brauchen Maßnahmen, bei kleinen reichen meist Verständnis, Flexibilität und Kommunikation.
