Die Bedeutung einer guten Anlagestrategie bei der Altersvorsorge wird nicht selten unterschätzt. Selbst größere Summen sind oftmals schneller verbraucht, wenn bei der Finanzplanung für den Lebensabend der Effekt von Preissteigerungen nicht einkalkuliert wird. Dabei muss das Vermögenspolster oft länger reichen als viele denken.

Eine halbe Million Euro Erspartes, das klingt nach richtig viel Geld. Aber ist das wirklich ausreichend für einen Luxuslebensabend? Tatsächlich ist das noch lange nicht gesagt. Denn wir werden im Schnitt älter als wir es erwarten, wie erste Ergebnisse einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) ergaben: "Die Unterschätzung der Lebenserwartung ist ein verbreitetes Phänomen, das schon länger beobachtet werden kann", erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Im Durchschnitt wird die Lebenserwartung um sieben Jahre zu gering angesetzt. Das bedeutet, das zum Ausgleich einer Rentenlücke benötigte Vermögen muss in vielen Fällen deutlich länger als angedacht reichen. "Für 500.000 Euro wird eine Rentenversicherung idealerweise circa 2000 Euro monatlich auszahlen, wer darüber hinaus Einnahmen aus betrieblicher und gesetzlicher Rente hat, kann damit sicher einem sorgenfreien Ruhestand entgegensehen", sagt Jürgen Prestel, Financial Planner beim Vermögensverwalter Hansen & Heinrich AG am Standort Kempten. Er gibt gleichzeitig jedoch zu bedenken, "wer aber im Berufsleben weit höhere Einnahmen gewohnt war und damit auch hohe laufende Ausgaben hat, wird seinen Lebensstil schnell verändern müssen."
Krux der Altersvorsorge: Inflation
Will zum Beispiel ein Selbständiger seine komplette Altersvorsorge aus dem Ersparten bestreiten, wird es noch schneller schwierig. Nach den letzten Zahlen des Bundesamts für Statistik kann ein 65-jähriger Mann noch mit 17,71 Jahren rechnen, eine Frau sogar mit 20,91 Jahren. "Rein rechnerisch würden 3000 Euro Entnahme pro Monat bedeuten, dass eine Summe von 500.000 nach knapp 14 Jahren aufgebraucht ist und dabei wird noch ein ganz entscheidender Faktor nicht berücksichtigt, die Inflation", erklärt Carmen Bandt, Geschäftsführerin bei der Kidron Vermögensverwaltung GmbH aus Stuttgart. Denn die Preise in Deutschland steigen laut offizieller Statistik im Durchschnitt um etwa 2 Prozent pro Jahr. Schon das bedeutet, dass mit 1000 Euro in 15 Jahren nur noch Waren und Dienstleistungen im heutigen Wert von weniger als 750 Euro gekauft werden können. Also ein Kaufkraftverlust von stattlichen 25 Prozent. Individuell betrachtet kann der Effekt noch deutlich stärker sein. Zum Beispiel haben die steigenden Energiekosten in den letzten Jahren gerade Rentner in unsanierten Eigenheimen überproportional stark getroffen. Auch die Preise für im Alter oft immer stärker benötigte Haushaltshilfen oder Pflegeleistungen stiegen schneller als das die allgemeine Inflationsrate vermuten lassen würde. Deswegen ist es wichtig, sich gerade bei der Altersvorsorge mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.
Gute Balance zwischen Chancen und Sicherheit
"Das Ziel sollte es sein dafür zu sorgen, dass ein guter Anlagemix es ermöglicht, die Preissteigerungen auszugleichen", sagt Kidron-Geschäftsführerin Carmen Bandt. Denn es mache einen erheblichen Unterschied, ob Vermögen mehr oder weniger renditelos quasi unter dem Kopfkissen auf dem Girokonto liegt. "Der Anleger verschenkt damit Monatsrente und Inflationsanpassung", sagt auch Jürgen Prestel von der Hansen & Heinrich AG. Denn mit einer ausgewogenen Anlagestrategie, die sowohl eher konservativere Anlageformen wie festverzinsliche Wertpapiere nutzt, aber auch teilweise auf chancenreichere Aktien setzt, war in der Vergangenheit eine jährliche Rendite von vier Prozent realistisch. Das ist zwar, wie immer wieder betont wird, keine Garantie für zukünftige Entwicklungen und Anleger müssen immer mit Wertschwankungen rechnen. Aber statt sehr sicher durch die Inflation Kaufkraft zu verlieren, ist es schon eine attraktive Option, Erspartes für die Altersvorsorge rentabel anzulegen, damit 500.000 Euro einige Jahre länger reichen.
3 Szenarien, wie lange 500.000 Euro reichen.
Eine halbe Million Euro, das reicht Ihnen sicher für die Altersvorsorge? Das kommt ganz darauf an. Denn was viele unterschätzen, sind die steigenden Preise. Wer die Inflation nicht durch Rendite ausgleicht, ist auch mit 500.000 Euro schnell am Ende (siehe Szenario 1). Aber natürlich ist das immer abhängig von den persönlichen Umständen: Wer eine hohe staatliche Rente plus betrieblicher Altersvorsorge bekommt, im abgezahlten Eigenheim wohnt und gesetzlich krankenversichert ist und statt gekaufter Pflegeleistungen Unterstützung durch die eigene Familie im Alter bekommt, wird nur wenig Vermögen zusätzlich brauchen. Selbständig ohne Kinder, die sich so eine Summe als alleinige Altersvorsorge angespart haben, zur Miete wohnen und eine private Krankenversicherung zahlen müssen, werden mit einer monatlichen Entnahme von 2500 Euro dagegen noch lange kein Luxusleben im Ruhestand führen können. Wie groß die persönliche Rentenlücke ist, ist also individuell oft völlig unterschiedlich. Aber eines ist sicher, wenn man die Inflation nicht durch Rendite ausgleicht, ist das Ersparte oft schnell weg. Drei Beispielszenarien, bei denen monatlich von 500.000 Euro Erspartem anfangs 2500 Euro entnommen werden, was jährlich an eine durchschnittliche Inflationsrate von 2 Prozent angepasst wird:
Szenario 1: "Unter dem Kopfkissen mit 0 Prozent Rendite p.a."
Um eine Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr auszugleichen, muss immer mehr Geld monatlich aufgewendet werden. Nach 14 Jahren müssen deswegen pro Monat bereits fast 3.300 Euro statt anfangs 2.500 Euro entnommen werden. Da das nicht durch Erträge ausgeglichen wird, reichen 500.000 Euro weniger als 15 Jahre.
| Szenario 1 | |||
| Nach Jahren | Anlagekapital zum Jahresanfang | Entnahme pro Monat | |
| 500.000 | 2.500 € | ||
| 1 | 470.000 € | 2.550 € | |
| 2 | 439.400 € | 2.601 € | |
| 3 | 408.188 € | 2.653 € | |
| 4 | 376.352 € | 2.706 € | |
| 5 | 343.879 € | 2.760 € | |
| 6 | 310.756 € | 2.815 € | |
| 7 | 276.971 € | 2.872 € | |
| 8 | 242.511 € | 2.929 € | |
| 9 | 207.361 € | 2.988 € | |
| 10 | 171.508 € | 3.047 € | |
| 11 | 134.939 € | 3.108 € | |
| 12 | 97.637 € | 3.171 € | |
| 13 | 59.590 € | 3.234 € | |
| 14 | 20.782 € | 3.299 € |
Szenario 2: "Anlagemix aus Aktien und Rentenpapiere mit 4 Prozent Rendite p.a."
Mit einer ausgewogenen Mischung von festverzinslichen Wertpapieren und chancenreicheren Aktien ist eine jährliche Rendite von vier Prozent historisch betrachtet realistisch. Damit lässt sich nicht nur die Inflation kompensieren, sondern Vermögenserträge verlängern die Altersversorgung. So würde eine halbe Million Euro mehr als 18 Jahre reichen.
| Szenario 2 - 4% Rendite p.a. | ||||
| Nach Jahren | Anlagekapital zum Jahresanfang | Rendite p.a. in % | Rendite Vorjahr* | Entnahme pro Monat |
| 500.000 | 4 | 2.500 € | ||
| 1 | 484.246 € | 4 | 19.350,00 € | 2.550 € |
| 2 | 467.419 € | 4 | 18.706,86 € | 2.601 € |
| 3 | 449.475 € | 4 | 18.020,51 € | 2.653 € |
| 4 | 430.368 € | 4 | 17.289,21 € | 2.706 € |
| 5 | 410.051 € | 4 | 16.511,14 € | 2.760 € |
| 6 | 388.476 € | 4 | 15.684,40 € | 2.815 € |
| 7 | 365.593 € | 4 | 14.807,05 € | 2.872 € |
| 8 | 341.350 € | 4 | 13.877,09 € | 2.929 € |
| 9 | 315.692 € | 4 | 12.892,41 € | 2.988 € |
| 10 | 288.564 € | 4 | 11.850,87 € | 3.047 € |
| 11 | 259.909 € | 4 | 10.750,23 € | 3.108 € |
| 12 | 229.668 € | 4 | 9.588,18 € | 3.171 € |
| 13 | 197.777 € | 4 | 8.362,34 € | 3.234 € |
| 14 | 164.174 € | 4 | 7.070,24 € | 3.299 € |
| 15 | 128.793 € | 4 | 5.709,31 € | 3.365 € |
| 16 | 91.566 € | 4 | 4.276,92 € | 3.432 € |
| 17 | 52.422 € | 4 | 2.770,34 € | 3.501 € |
| 18 | 11.289 € | 4 | 1.186,74 € | 3.571 € |
| *(monatlich berechnet, davon werden 26,375 % Steuer/Soli abgezogen) | ||||
Szenario 3: "Optimistische Prognose einer reinen Aktienstrategie mit 7 Prozent Rendite p.a."
Nur auf Aktien zu setzen war in der Vergangenheit keine schlechte Strategie und brachte im Vergleich zu anderen Anlageklassen meist die beste Rendite ein. Trotzdem sind die hier angenommen durchschnittlichen sieben Prozent Rendite pro Jahr mit Vorsicht zu betrachten. Es gab auch immer wieder Jahre mit großen Schwankungen und Verlustphasen. Unter dem Strich hätte so eine optimistische Strategie dazu beitragen können, dass 500.000 Euro über 23,5 Jahre zur Altersvorsorge hätten reichen können.
| Szenario 3 - 7% Rendite p.a. | ||||
| Nach Jahren | Anlagekapital zum Jahresanfang | Rendite p.a. in % | Rendite Vorjahr* | Entnahme pro Monat |
| 500.000 | 7 | 2.500 € | ||
| 1 | 494.931 € | 7 | 33.862,50 € | 2.550 € |
| 2 | 488.985 € | 7 | 33.484,94 € | 2.601 € |
| 3 | 482.102 € | 7 | 33.045,46 € | 2.653 € |
| 4 | 474.224 € | 7 | 32.540,04 € | 2.706 € |
| 5 | 465.284 € | 7 | 31.964,39 € | 2.760 € |
| 6 | 455.217 € | 7 | 31.314,02 € | 2.815 € |
| 7 | 443.950 € | 7 | 30.584,18 € | 2.872 € |
| 8 | 431.407 € | 7 | 29.769,85 € | 2.929 € |
| 9 | 417.510 € | 7 | 28.865,74 € | 2.988 € |
| 10 | 402.174 € | 7 | 27.866,27 € | 3.047 € |
| 11 | 385.310 € | 7 | 26.765,54 € | 3.108 € |
| 12 | 366.825 € | 7 | 25.557,35 € | 3.171 € |
| 13 | 346.621 € | 7 | 24.235,14 € | 3.234 € |
| 14 | 324.594 € | 7 | 22.792,00 € | 3.299 € |
| 15 | 300.633 € | 7 | 21.220,64 € | 3.365 € |
| 16 | 274.624 € | 7 | 19.513,37 € | 3.432 € |
| 17 | 246.444 € | 7 | 17.662,10 € | 3.501 € |
| 18 | 215.965 € | 7 | 15.658,28 € | 3.571 € |
| 19 | 183.052 € | 7 | 13.492,91 € | 3.642 € |
| 20 | 147.561 € | 7 | 11.156,49 € | 3.715 € |
| 21 | 109.343 € | 7 | 8.639,02 € | 3.789 € |
| 22 | 68.239 € | 7 | 5.929,96 € | 3.865 € |
| 23 | 24.082 € | 7 | 3.018,19 € | 3.942 € |
| *(monatlich berechnet, davon werden 26,375 % Steuer/Soli abgezogen) | ||||