Online-Handel Fahrradkauf im Internet: Keine einfache Sache

Die Auswahl ist riesig und es ist bequem: Wer sein Fahrrad im Internet kauft, muss dafür nicht einmal das Haus verlassen. Doch das passende Fahrrad zu finden, bedarf oftmals fachlicher Beratung. Online-Käufer sollten wissen, worauf sie sich einlassen.

Wer sein Fahrrad im Internet kauft, muss auf die fachliche Beratung verzichten. - © Foto: Sergey Ryzhov/fotolia

Was für Computer, Schuhe oder Kleidung gilt, gilt auch für Fahrräder: Beim Kauf im Internet lässt sich oft Geld sparen. "Das ist nicht immer der Fall, aber grundsätzlich sind im Internet sicher Schnäppchen möglich", sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Trotzdem ist der Anteil der über das Internet verkauften Räder noch relativ gering. Bei elf Prozent lag er laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) im vergangenen Jahr. Bei steigender Tendenz: 2012 waren es noch neun Prozent. Dem ZIV zufolge geht der leichte Zuwachs in erster Linie zulasten der SB- und Baumärkte, nicht zulasten der Einzelhändler. Die sind nach wie vor für 70 Prozent der Verkäufe gut. Auch weil zunehmend mehr Elektrofahrräder verkauft werden, für die es einen höheren Beratungsbedarf gibt, mutmaßt der ZIV.

Probefahrt ist wichtig

Doch auch abgesehen von den E-Bikes gehören Fahrräder zu den komplexeren Waren, die man im Internet bestellen kann. Deshalb sollten Online-Kunden wissen, worauf sie sich einlassen.

Für Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) lässt sich ein Rad ohne Probefahrt nur schwer beurteilen. "Das ist oftmals mit echten Aha-Effekten verbunden", sagt er. Anhand der reinen Daten den Charakter eines Rades einzuschätzen, sei schwer. Denn neben der Rahmengröße spielen etwa Oberrohrlänge, Vorbaulänge und -neigung sowie die Länge der Sattelstütze eine Rolle. "Wer sein altes Rad von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sattels ausmisst, bekommt Werte, die man mit denen des Wunschrades vergleichen kann", sagt Fehlau. Allerdings sieht er hierin nur einen Anhaltspunkt.

Hilfe für das Ausmessen nötig

Die meisten Versender bieten Online-Tools an, mit denen sich die korrekte Rahmengröße ermitteln lässt. "Da gibt es unterschiedliche Ausprägungen, bei manchen gibt man nur die Schrittlänge ein, andere nehmen noch weitere Daten auf", sagt Filippek. Ausgegeben wird dann in der Regel eine bestimmte Rahmenhöhe. "Die feine Anpassung erfolgt allerdings über die Vorbaulänge und –neigung", gibt er zu bedenken. Filippek empfiehlt, sich für das Ausmessen Hilfe zu holen. "Sich ganz alleine auszumessen, ist sehr schwer."

Während man beim Händler vor Ort das Wunschrad ganz genau unter die Lupe nehmen kann, gibt es im Netz meist nur mehr oder weniger aussagekräftige Fotos - und die Liste der verbauten Teile. Darüber bekommt man laut Fehlau zumindest einen Eindruck davon, ob die Qualität der Einzelteile stimmt. "Man kann das mit einem Cocktail vergleichen: Ich sehe, ob der die richtigen Zutaten hat, deshalb weiß ich aber noch nicht, ob er mir wirklich schmeckt." Er rät, genau zu überprüfen, ob etwa eine "sortenreine" Schaltgruppe verbaut ist. Dazu gehören streng genommen neben Tretlager und -kurbel, Schaltwerk und Umwerfer auch die Ritzel und die Kette.

Heute bestellt und morgen geliefert - das sieht bei Rädern oft anders aus. "Ob ich online oder beim stationären Händler bestelle, macht oftmals keinen Unterschied", sagt Fehlau. In der Regel müssen die Versandhändler auch beim Großhändler oder Hersteller ordern. "Wenn ein begehrter Rahmen oder eine Gabel ausverkauft ist, ist sie eben ausverkauft. Nachbestellen dauert oftmals sehr lange", sagt Filippek.

Fahrräder nur vormontiert

Beim Online-Kauf muss man auch Eigenleistung einplanen. "Die Räder kommen meist vormontiert im Karton", sagt Fehlau. "Da sind die Pedale nicht montiert, der Sattel ist versenkt und der Lenker quergestellt", erläutert er. Beim Vorbau müsse man viele Anzugsdrehmomente beachten. "Ohne Drehmomentschlüssel geht das nicht, und nur wenige Hersteller liefern ihn mit."

Fehlau weist zudem darauf hin, dass der quergestellte Lenker eine Einstellung des Steuersatzes notwendig macht. "Da muss man also ein Gefühl fürs Lagerspiel haben, was nicht unbedingt jedem liegt." Und das Rad muss an den Fahrer angepasst werden. "Ein erfahrener Händler sieht unter Umständen, ob Schmerzen im Handgelenk eventuell von der Sattelneigung herrühren, der Laie würde eher den Lenker justieren."

Wer sein Fahrrad im Internet gekauft hat, kann vom Händler um die Ecke nicht allzu viel Entgegenkommen erwarten, wenn etwas kaputt ist, gibt Filippek zu bedenken. Und während Händler an bei ihnen gekauften Rädern sicher auch die ein oder andere Einstellung zwischendurch machen, berechnen sie bei Rädern aus dem Internet die Arbeitszeit für gewöhnlich voll. dpa