Abtei Münsterschwarzach Fähigkeiten als Selbstversorger: Handwerk hinter Klostermauern

Das Handwerk dient in der Abtei Münsterschwarzach seit Jahrhunderten der Selbstversorgung. Doch die hochwertigen Produkte aus nachhaltiger Herstellung sind längst auch außerhalb der Klostergemeinschaft gefragt.

Im Gebet findet der Mönch Ruhe und Zeit für Gott. Doch die eigene Ertüchtigung gehört zu einem ausgeglichenen spirituellen Leben ebenso dazu. - © Julia Martin/Abtei Münsterschwarzach

Die benediktinische Lebensweise ist geprägt durch drei Gelübde, die jeder Mönch im Laufe seines Ordenslebens ablegt. Gehorsam, ein klösterlicher Lebenswandel und Beständigkeit in der Gemeinschaft.

Die große Bedeutung des Miteinanders ist auch hinter den Klostermauern der Abtei Münsterschwarzach überall zu spüren. Offen, herzlich und fürsorglich scheinen die heute noch rund 80 Mönche und viele Beschäftigte in den Einrichtungen und klostereigenen Betrieben ­mit­einander umzugehen.

Pater Christoph Gerhard betont, dass das Leben und Arbeiten im Kloster durch kurze Wege, viele Begegnungen und einer Kultur des einander Zuhörens und Unterstützens geprägt ist. ­Spiritualität und Arbeit sind für die Benediktiner dabei eng verbunden. "Wer gute und ehrliche Arbeit leistet, ist auch im Geiste ausgeglichener", sagt der Pater, der zugleich Wirtschaftsverwalter des Klosters ist.

Arbeit soll nicht der persönlichen Bereicherung dienen, sondern sicherstellen, dass sich die Gemeinschaft selbst versorgen kann. Dafür wurde im Kloster über die Jahrhunderte eine Landwirtschaft mit Obst, Gemüse und eigener Viehzucht aufgebaut.

Ebenso wichtig ist das Handwerk. Bäcker, Müller und Metzger kümmerten sich um die Verarbeitung der Lebensmittel, Schmiede stellten Werkzeuge her und Schneider sorgten für warme Kleidung.

Gesellschaft für den Verkauf eigener Erzeugnisse gegründet

An der Philosophie der Selbstversorgung hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen ist das Kloster dank eigener Biogas- und Windkraftanlagen zudem energieautark und CO2-neutral. Die hohe handwerkliche Qualität der Produkte und Dienstleistungen ist jedoch längst weit über das Kloster hinaus bekannt. Einige Betriebe produzieren deshalb heute deutlich mehr als selbst verbraucht wird.

Da dem Kloster als Körperschaft des öffentlichen Rechts bei den Einkünften aber enge Grenzen gesetzt sind, wurde vor einigen Jahren die Vier-Türme GmbH gegründet, der Pater Gerhard als Geschäftsführer vorsteht. In ihr sind die Betriebe des Klosters ausgelagert, die ihre Waren heute hauptsächlich nach außen verkaufen. Mit den Einnahmen trägt das Kloster, das keine Kirchensteuer bekommt, die Instandhaltungskosten der Liegenschaften und zahlt die Löhne der Beschäftigten.

Sakralkunst ist ein Schwerpunkt der Arbeit in der Goldschmiede. - © Julia Martin/Abtei Münsterschwarzach

Zu diesen Betrieben zählt etwa die Klostermetzgerei. Auch an einem gewöhnlichen Mittwochvormittag ist der Laden gut besucht. Metzgermeister Alfred Kolerus erzählt, dass alle Tiere selbst geschlachtet und von den Mitarbeitern handwerklich verarbeitet werden. Das Rindfleisch kommt direkt vom eigenen Hof des Klosters.

Bei zugekauften Tieren macht sich der Meister bei den Landwirten vor Ort selbst ein Bild der Haltungsbedingungen. Ihm es wichtig, seine Partner persönlich zu kennen und faire Preise zu zahlen, die deutlich über dem Markt liegen. "Damit stellen wir sicher, dauerhaft hochwertige Qualität zu bekommen. Das ist es, wofür uns die Kunden so schätzen", sagt der Metzgermeister.

Wasserschutzbrot zum Wohl der Umwelt

Im gleichen Gebäude befindet sich die Klosterbäckerei. "Besonders gefragt ist aktuell das Pilgerbrot, ein Saatenbrot mit Buchweizen", berichtet die Verkäuferin. Bäckermeister Leo Stöckinger achtet darauf, dass in seiner Backstube keine Hektik herrscht, sondern sich Zeit für die Verarbeitung genommen wird. "Wenn der Teig länger ruht, bildet sich mehr Geschmack", sagt Stöckinger.

Die Bäckerei ist biozertifiziert und achtet wie alle Betriebe des Klosters auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Eine Besonderheit ist das Wasserschutzbrot der Bäckerei. Beim Weizenanbau wird auf die sonst übliche dritte Düngung verzichtet, um das Grund- und Trinkwasser weniger stark zu belasten. Da dieser Weizen jedoch einen geringeren Anteil an Klebereiweiß besitzt, erfordert die Zubereitung der Backwaren besonderes handwerkliches Geschick.

Wie eine Druckerei nachhaltig arbeiten kann, erklärt Leiter Michael Blaß. So wird in seinem Betrieb zunehmend recyceltes Papier verwendet, werden weniger Chemikalien im Druckprozess eingesetzt und im angrenzenden Liefergebiet soll künftig ein Elektrotransporter zu den Kunden kommen.

Freiwillige Prüfung der Umweltstandards

Die Druckerei des Klosters ist technisch auf dem neuesten Stand. - © Julia Martin/Abtei Münsterschwarzach

Ob die EMAS-­zertifizierte Druckerei ihre Umweltziele wirklich erreicht, lässt sie regelmäßig von externen Gutachtern überprüfen. Der Handwerksbetrieb steht vor großen Herausforderungen. Durch den Siegeszug der Online-­Druckereien habe das Ansehen des Berufs und die Ausbildungsqualität gelitten, sagt Blaß. Fachkräfte seien kaum zu finden. Zudem erschweren steigende Papierpreise und Lieferengpässe die Arbeit.

Auszubildende findet auch Goldschmiedemeisterin Sabine Bechtel derzeit nicht und die Corona-Krise hat dem Betrieb zugesetzt. Dennoch hat Bechtel ein Lachen im Gesicht, wenn sie über ihr Handwerk spricht. Besonders bei ihren sakralen Arbeiten sei die starke Gemeinschaft im Kloster ein wertvoller Schatz. So werden viele Projekte gewerkeübergreifend umgesetzt, etwa mit den Schreinern oder der Metallwerkstatt. Zuletzt haben sie gemeinsam den Kirchplatz neu gestaltet.