Viele Deutsche arbeiten, besitzen viel Fachwissen - aber keine formale Berufsausbildung. Ihnen soll das Pilotprojekt "ValiKom" nun helfen.

Rund Millionen zwei Millionen junger Menschen in Deutschland arbeiten, haben aber keine formale Qualifikation. Das ist nicht nur ein Problem beim Jobwechsel, auch die Bezahlung leidet darunter. Viele von ihnen haben sich jedoch im Laufe der Zeit umfassendes Fachwissen angeeignet. Diesen Beschäftigten soll ein neues Pilotprojekt des Industrie- und Handelskammertages, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und des Bundesbildungsministeriums helfen. "ValiKom" heißt es und richtet sich genau an die jungen Menschen in Beschäftigung, die aber nie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.
Das Projekt sei zugleich offen für Umsteiger mit untypischen Bildungs- und Erwerbsbiografien, die eine geregelte berufliche Fortbildung anstreben. Aber auch für Flüchtlinge ohne Berufsabschluss sei ValiKom von Bedeutung, heißt es im BMBF. Die Standards zur Kompetenzfeststellung erleichtern ihren Zugang zu Bildung und Beschäftigung.
Erprobung bei Kammern
Die Initiative soll nun in den kommenden drei Jahren unter Mitwirkung von acht Leitkammern Standards, Verfahren sowie Instrumente entwickeln und erproben, um berufsrelevante Kompetenzen im Vergleich zu formalen Abschlüssen feststellen zu können. Dafür orientieren sich die Leitkammern an den bestehenden Ausbildungsinhalten und verwenden laut BMBF Instrumente aus dem Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse.
Aus diesen Erfahrungen werde die Initiative Valikom einen Handlungsleitfaden mit Verfahrensbeschreibung, Zulassungskriterien, Instrumenten, Validierungszertifikat und Empfehlungen erarbeiten. Die Erprobung soll in verschiedenen Berufsbereichen in den Kammerbezirken erfolgen.
Neben dem Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) als Projektkoordinator wirken die Handwerkskammern München, Dresden, Münster, Hannover sowie die Industrie- und Handelskammern München, Halle Dessau, Köln und Stuttgart mit. Das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln begleitet die Arbeit mit seinem wissenschaftlichen Sachverstand. Ein Beirat aus Bundesressorts, Sozialpartnern, Ländern, der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesinstitut für Berufsbildung unterstützt die Arbeit des Projekts. dhz