Berufsqualifikationen einfacher bewerten Fachkräftesuche: Neues Web-Angebot für Nicht-EU-Bürger

Nicht-EU-Bürger können ihre Qualifikationen in einem neuen Online-Tool eintragen. Es soll helfen ihre Kompetenzen besser und schneller zu bewerten. Zielgruppe sind vor allem Flüchtlinge mit Bleibeperspektive.

Hajo Friedrich

Abschlüsse und Qualifikationen von Nicht-EU-Bürgern können jetzt schneller bewertet werden. - © Kzenon/Fotolia.com

Nahezu zeitgleich zum fünfjährigen Bestehen des deutschen Anerkennungsgesetzes für Berufsqualifikationen stellt die Europäische Kommission jetzt ein neues europäisches Kompetenzprofil-Instrument bereit. Dabei handele es sich um einen Off-/Online-Webeditor. Dieser soll Drittstaatsangehörigen ermöglichen, ihre Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen so darzustellen, dass sie EU-weit für Arbeitgeber, Bildungsanbieter und Organisationen, die mit Migranten arbeiten, gut verständlich sind, erklärte die Brüsseler Behörde.

"In der heutigen Arbeitswelt muss jeder seine Kompetenzen auf unseren Arbeitsmärkten uneingeschränkt einsetzen können. Die Fähigkeiten von Drittstaatsangehörigen dürfen nicht ungenutzt bleiben", sagte die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin, Marianne Thyssen. Das Kompetenzprofil-Instrument soll den nationalen Behörden ermöglichen, sich ein genaues Bild von Kompetenzen und Qualifikationen zu machen. Es sei ein erstes Tool für Aufnahmezentren, Integrationsdienste, öffentliche Arbeitsverwaltungen und sonstige Einrichtungen, die Dienste für Drittstaatsangehörige anbieten, erklärte die EU-Behörde.

Kompetenzen und Qualifikationen besser erkennen

Das Tool biete nicht nur – ähnlich wie ein Lebenslauf – einen Überblick über das Kompetenzprofil eines Drittstaatsangehörigen, sondern soll helfen, die speziellen Bedürfnisse des Einzelnen im Blick auf seine Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu ermitteln. Das Instrument ergänze andere Instrumente, um die Transparenz von Kompetenzen zu gewährleisten, wie den Europass und den Europäischen Qualifikationsrahmen. Sie sollen Arbeitgebern, Bildungsanbietern und zuständigen Behörden ermöglichen, nationale Qualifikationen auf EU-Ebene und auf internationaler Ebene miteinander zu vergleichen.

Das neue EU-Portal wird voraussichtlich eine Schnittstelle mit dem Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen des Bundeswirtschaftsministeriums, dem BQ-Portal, haben. Über 63.000 Anträge auf Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen seien in den vergangenen fünf Jahren – nach Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes - gestellt worden, erklärte jetzt das Bundeswirtschaftsministerium. Die zuständigen Stellen vergleichen und bewerten hierfür alle im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen mit deutschen Abschlüssen und unterstützten besonders die Handwerkskammern bei der Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen bei dualen Ausbildungsberufen.

Ausländische Abschlüsse einfacher bewerten

" Das BQ-Portal hilft bei der äußerst komplexen Bewertung ausländischer Abschlüsse. Effiziente Anerkennungsverfahren auf gleichbleibend hohem Qualitätsniveau sind nicht nur für die Betroffenen wichtig, sondern auch für die Unternehmen, die nach Möglichkeiten suchen, dem Fachkräftemangel zu begegnen", erklärte die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke.

Das BQ-Portal gebe bei der Integration von Flüchtlingen wertvolle Hilfestellungen, indem es umfangreiche, leicht zugängliche Informationen zu den Berufsbildungssystemen der zentralen Herkunftsländer, wie beispielsweise Syrien, bereitstelle. Das BQ-Portal ist Deutschlands umfangreichste Online-Wissens- und Arbeitsplattform zu ausländischen Berufsqualifikationen, hieß es. Es biete Beschreibungen von 83 Berufsbildungssystemen weltweit und über 2.770 ausländische Berufsprofile.