Arbeitsmarkt Fachkräftemangel könnte Aufschwung gefährden

Die Arbeitslosenzahl sinkt, der Aufschwung nimmt Fahrt auf. Trotzdem, oder gerade deswegen, mehren sich in der deutschen Wirtschaft die Warnungen vor einem Fachkräftemangel. Für einen erfolgreichen Kampf gegen diesen drohenden Mangel soll ein neues Zukunftskonzept dienen.

Fachkräftemangel könnte Aufschwung gefährden

"Der Mittelstand liegt mir am Herzen", begründet Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Initiative. Der FDP-Politiker erarbeitete mit seinem Ministerium das Konzept „Deutschlands Zukunft sichern – Fachkräfte gewinnen“, das er nun mit den führenden deutschen Wirtschaftsverbänden abstimmte. "Wir müssen frühzeitig die Weichen stellen, dass der Aufschwung nicht durch Fachkräftemangel in bestimmten Sektoren zum Erliegen kommt", mahnt Brüderle.

"Für das Handwerk birgt der Fachkräftemangel erhebliche Gefahren“, weiß Handwerkspräsident Otto Kentzler. Die seit 2009 rückläufigen Schülerzahlen seien deutlich in dem Wirtschaftszweig zu merken. Sorgen bereite insbesondere die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger. 65.000 Schüler verlassen die Schule ohne erfolgreichen Abschluss. Diese Zahl müsse "möglichst bis 2012 halbiert werden", fordert Kentzler. Insgesamt verlassen nach Angaben des Bundeswritschaftsministeriums fast 100.000 Schüler weniger die Schulen als noch im Jahr 2004.

Brücke zwischen Schule und Beruf schlagen

Das Fackräftesicherungskonzept des Bundeswirtschaftsministeriums berücksichtigt die Forderung des Handwerks. Es basiert auf zwei Säulen: Erstens, sollen die inländischen Potenziale besser ausgeschöpft werden. Zweitens, sollen durch "kluge Zuwanderungspolitik ausländische Fachkräfte" gewonnen werden. Das Handwerk hatte letzteres schon vor einiger Zeit angeregt, aus Polen oder Tschechien Lehrlinge nach Deutschland zu holen. Auch zum ersten Punkt hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) einen Vorschlag parat: "Es muss gelingen, die Brücke zwischen schulischen Inhalten und betrieblichen Anforderungen zu bauen. Das wäre ein enormer Motivationsschub", sagt Präsident Kentzler.

Bis zum Jahresende sind voraussichtlich 10.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt. Entweder fehlt bei den Schülern die Qualifikation oder auch die Motivation, einen bestimmten Handwerksberuf zu erlernen. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerbschaftsbundes (DGB) gehören Handwerksberufe wie Tischler, Kfz-Mechatroniker, Friseur, Maler/Lackierer oder Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk zu den unbeliebtesten Berufen unter Auszubildenden. Der DGB begründet dies unter anderem mit den harten Arbeitsbedingungen. Besonders in kleineren Betrieben fehlten häufiger Ausbilder, sagt die Studie und führt darauf die hohe Unzufriedenheit der Azubis zurück. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen könnte also auch eine Lösung sein, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Migraten besser integrieren

Der Fachkräftemangel erschießt sich jedoch nicht nur aus der Diskrepanz zwischen Lehrstellen und Bewerbern. Auch müssen älteren Mitarbeitern neue berufliche Perspektiven eröffnet werden. Dies wird ebenso in dem Fachkräftesicherungskonzept als Lösung des Fachkräftemangels vorgeschlagen wie die bessere Integration und einfachere Zuwanderung von Migranten.

pc