Bei der Suche nach Arbeitskräften genügt es heute nicht mehr, Anzeigen zu schalten und dann abzuwarten. Mitarbeiterbegeisterung und Arbeitgeberattraktivität sind wichtige Grundvoraussetzungen für den Erfolg. Was außerdem dazu gehört.

Keine Bewerber, weder für Fachkraft- noch für Ausbildungsstellen – für tausende Handwerker ist das tägliche Realität. "Wir haben gerade einen extremen Fachkräftemangel. Der Arbeitsmarkt wurde von einem Arbeitgebermarkt zum Bewerbermarkt", erklärt Anja Cordes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Betriebsführung im Handwerk. "Die Arbeitnehmer können sich ihren Arbeitgeber aussuchen."
Vor allem die jüngeren Generationen ab den frühen 1980er-Jahren gelten zudem als sehr wechselwillig. Stoßen sie auf ein attraktives Angebot, kündigen sie.
Haltung des Chefs wichtig
Cordes hat untersucht, was handwerkliche Arbeitgeber für Bewerber attraktiv macht. Ihr Fazit: Es geht nicht um einzelne Aktionen, sondern um die grundsätzliche Unternehmenskultur. "Es ist die Haltung der Chefs gegenüber den Mitarbeitern und den Kunden sowie die Werte des Betriebs, die das Unternehmen attraktiv oder unattraktiv machen." Sechs große Themenbereiche nennt sie, mit denen Unternehmer ihre Arbeitgeberattraktivität verbessern können:
- Mehrwerte und Sicherheit
- Fordern und Fördern
- Beruf und Privatleben
- Arbeitsschutz und Gesundheit
- Führung und Werte
- Organisations- und Arbeitsplatzgestaltung
>>> Hier geht es zur Studie Arbeitgeberattraktivität & Handwerk und zur Studie Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität im Handwerk.
In Handwerksbetrieben wie der Jökel Bau GmbH & Co. KG greifen all diese Bereiche ineinander. Die Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem viele einzelne Schritte die Arbeitgeberattraktivität nach und nach steigern.
Lösungen von der Stange gibt es also nicht, im Gegenteil. "Es geht darum, was den einzelnen Mitarbeiter gerade umtreibt und wo er Unterstützung braucht", so Cordes. Jemand, der weit zur Arbeit pendelt, freue sich vielleicht über einen Tankgutschein, während ein junger Vater eher flexiblere Arbeitszeiten brauche. Interessieren die Angebote die Mitarbeiter nicht oder scheinen sie davon sogar genervt, spreche das dafür, dass der Betrieb noch stärker auf die Präferenzen seiner Mitarbeiter schauen sollte.
Gute Unternehmenskultur in Stellenanzeigen kommunizieren
Viele Betriebe handeln bereits so, doch es ist weder den Mitarbeitern noch potenziellen Bewerbern bewusst. Wie wichtig es ist, Maßnahmen nach innen, aber unbedingt auch nach außen zu kommunizieren, zeigt die Studie "Candidate Experience 2023" des Software-Anbieters Softgarden. Deutlich mehr Interessenten bewerben sich, wenn sie folgende Angaben in der Stellenanzeige finden (Reihenfolge nach Gewichtung):
- Angaben zur Unternehmenskultur
- konkrete Einblicke in die Aufgabe und den Joballtag
- Angaben zu den Anforderungen an den Bewerber
- Informationen zum Gehalt
- Informationen zu den Produkten und Dienstleistungen der Firma
- zusätzliche Leistungen über das Gehalt hinaus
- Aus- und Weiterbildung und Karrieremöglichkeiten
- Arbeitszeiten
- Bilder und Videos von den Arbeitsplätzen.
Folglich genügt eine Stellenanzeige allein nicht. Das Unternehmen braucht einen Internetauftritt mit einer Karriereseite, auf der Interessenten all diese Informationen finden können.
Karriereseite im Internet aufbauen
Softgarden rät Arbeitgebern, die mehr Erfolg bei der Suche nach neuen Kräften haben wollen:
- Wenn möglich, Remote-Angebote und Home Office ausbauen und das offensiv kommunizieren. Solche Stellenanzeigen werden deutlich häufiger geklickt.
- Die Webseite für kleine Bildschirme wie Smartphones optimieren, denn Arbeitgebersuche und Bewerbung finden überwiegend hier statt.
- Sie auch für Google optimieren, denn fast alle Zielgruppen, vor allem Nicht-Akademiker, jüngere Bewerber und Frauen suchen Jobs und Informationen über Google.
- Die Stellenangebote mit Jobnamen und Ort benennen statt mit dem Unternehmensnamen, denn so suchen Interessenten (z.B. "Bäcker" m/w/d + Erfurt)
- Schnelligkeit: Mehr als die Hälfte der Bewerber wollen maximal zehn Minuten für eine Online-Bewerbung aufwenden. Anschreiben sind unbeliebt und seit ChatGPT auch wenig aussagefähig. Von der Bewerbung zum Vorstellungsgespräch will ein Viertel der Bewerber höchstens eine Woche lang warten.
Weiterführende Informationen zu den Befragungen von Softgarden gibt es hier.