Auswertung nach Branchen und Berufen Fachkräfte-Notstand: Baubranche besonders betroffen

Mehr als 41.000 Fachkräfte fehlen im Baugewerbe – der zweitgrößte Engpass aller Branchen. Besonders kritisch ist die Lage bei Elektrikern, bei Kfz-Mechatroniker sowie in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Doch auch viele andere Handwerksberufe sind betroffen.

Mehr als 40.000 Fachkräfte fehlen im Baugewerbe. Besonders betroffen: der Bereich Bauelektrik. - © Tomasz Zajda - stock.adobe.com

In Sachen Fachkräftemangel steht das Baugewerbe auf Platz zwei aller deutschen Wirtschaftszweige. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die erstmals den Fachkräftemangel systematisch auch nach Branchen und Berufen aufschlüsselt. Laut der Untersuchung blieben 2024 im Bereich "Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe" knapp 41.300 Stellen unbesetzt – mehr als in fast jeder anderen Branche. Nur das Gesundheitswesen weist mit mehr als 46.000 unbesetzten Stellen einen noch größeren Engpass auf.

"Zuletzt sind die Fachkräfteengpässe wegen der schwachen Konjunktur zurückgegangen – eine Entwarnung für den Arbeitsmarkt bedeutet das aber nicht", sagt IW-Expertin Valeria Quispe. Besonders in wichtigen Versorgungsbereichen fehle weiterhin Personal, was auch im Alltag spürbar sei: "Engpässe im Gesundheitswesen führen zu langen Wartezeiten bei Terminen, fehlendes Personal im Baugewerbe bremst den Wohnungsbau", erklärt Quispe die praktischen Auswirkungen.

Elektriker und SHK-Fachkräfte besonders gefragt

Die neue Studie blickt auch auf die Lage in spezifischen Gewerken. Und hier zeigt sich im Baugewerbe deutlich, wo die größten Engpässe herrschen:

  • Allein bei Fachkräften für Bauelektrik können laut IW bundesweit 18.342 Stellen nicht besetzt werden. Das entspricht einem Viertel aller Engpässe im Baugewerbe.
  • Zweiter im Ranking der fehlenden Fachkräfte sind die Kfz-Techniker. 16.238 ausgebildete Menschen fehlen.
  • Auf Platz drei folgen Fachkräfte für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 12.046 nicht besetzbaren Stellen.
  • Ebenfalls stark betroffen sind Fachverkäufer für Back- und Konditoreiwaren mit 3.927 unbesetzten Jobs sowie das Dachdeckerhandwerk mit 3.095 fehlenden Fachkräften.

Die IW-Forscher sprechen von einer hohen Konzentration der Engpässe auf wenige Kernberufe, die für die Branche besonders kritisch seien.

Auch Kfz-Gewerbe stark betroffen

Neben dem Baugewerbe kämpfen auch andere handwerksnahe Bereiche mit erheblichen Personalengpässen. In der Herstellung von Metallerzeugnissen fehlen laut der Studie knapp 18.500 Fachkräfte, im Maschinenbau sind es rund 18.000 unbesetzte Stellen.

Das Kfz-Gewerbe, bei dem Handel und Werkstatt zusammengefasst wurden, weist 17.957 rechnerisch nicht besetzbare Stellen auf. Besonders gefragt sind hier ausgebildete Kraftfahrzeugtechniker, die laut IW-Report für fast die Hälfte aller Engpässe in der Branche verantwortlich sind.

Insgesamt konnten laut der IW-Studie in den zehn Branchen mit den größten Engpässen über 260.000 Stellen rechnerisch nicht mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. Dabei konkurrieren verschiedene Wirtschaftszweige oft um dieselben Fachkräfte – etwa bei IT-Spezialisten oder Verwaltungsfachkräften, die in vielen Branchen benötigt werden. Beim Handwerk betrifft dieser Wettstreit ebenfalls viele der knappen Berufe wie beispielsweise Bauelektriker, die in mehreren Wirtschaftszweigen gesucht sind.

IW schlägt Maßnahmen vor

Das Studienteam des Instituts der Wirtschaft schlägt verschiedene Lösungsansätze vor: Beschäftigte ohne Berufsabschluss sollen gezielt für Aus- und Weiterbildung gewonnen werden. Zudem brauche es stärkere Anreize für ein längeres Erwerbsleben und eine bessere Förderung der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Die Studie basiert auf einer neuen Methodik, die erstmals die Zuordnung von Fachkräfteengpässen zu einzelnen Wirtschaftszweigen ermöglicht. Dabei berücksichtigen die Forscher alle Berufe eines Wirtschaftszweigs – nicht nur die Kernberufe. So lassen sich laut IW auch Konkurrenzsituationen bei der Fachkräfterekrutierung zwischen einzelnen Branchen erkennen. ewö

Die 10 Branchen mit dem größten Fachkräftemangel

PlatzBrancheUnbesetzte Stellen
1Gesundheitswesen46.138
2Baugewerbe (Bauinstallation und Ausbau)41.293
3Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung37.639
4Einzelhandel (ohne Kfz-Handel)26.929
5Sozialwesen (ohne Heime)26.426
6Herstellung von Metallerzeugnissen18.480
7Kfz-Handel und -Reparatur17.957
8Maschinenbau16.764
9Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)16.430
10Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung13.965

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Jahresdurchschnitt 2024

Handwerksberufe mit den größten Fachkräfteengpässen

BerufFachkräftelücke
Bauelektrik - Fachkraft18.342
Kraftfahrzeugtechnik - Fachkraft16.238
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik - Fachkraft12.046
Metallbau - Fachkraft7.068
Verkauf von Back- und Konditoreiwaren - Fachkraft3.927
Land- und Baumaschinentechnik - Fachkraft3.734
Holz-, Möbel- und Innenausbau - Fachkraft3.680
Verkauf von Fleischwaren - Fachkraft3.317
Dachdeckerei - Fachkraft3.095
Fleischverarbeitung - Fachkraft2.007
Kältetechnik - Fachkraft1.807
Zimmerei - Fachkraft1.631

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Jahresdurchschnitt 2024,
Sonderauswertungen auf Basis gemeldeter Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit sowie der Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).