Das bundesweite Pilotprojekt "Fit for Climate" bringt qualifizierte Bewerber aus Kolumbien und Usbekistan gezielt in deutsche Handwerksbetriebe – insbesondere in klimarelevanten Berufen. Wie das funktioniert und wie Betriebe konkret profitieren, zeigt das Beispiel der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

"Fit for Climate" ist ein bundesweites Pilotprojekt zur gezielten Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte im Handwerk. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und gemeinsam vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Bundesagentur für Arbeit und der sequa gGmbH umgesetzt.
Das Ziel: Qualifizierte Fachkräfte für Gewerke gewinnen, die zentral zur Energiewende und zum Klimaschutz beitragen. Darunter fallen im Rahmen des Projekts:
- Mechatroniker für Kältetechnik
- Elektroniker
- Maurer
- Beton- und Stahlbetonbauer
- Zimmerer
- Dachdecker
- Straßenbauer
- Metallbauer
- Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
- Kraftfahrzeugmechatroniker
Das Projekt ist aktuell auf neun teilnehmende Handwerksorganisationen beschränkt – darunter die Handwerkskammern Niederbayern-Oberpfalz, Freiburg, Potsdam, Koblenz, Münster, Region Stuttgart, Cottbus, Erfurt sowie der Bauverband NRW. Eine Teilnahme ist also derzeit nur für Betriebe in diesen Regionen möglich. Die Projektlaufzeit: bis Dezember 2027.
So funktioniert die Vermittlung – je nach Herkunftsland
Kolumbien:
Hier kommt das sogenannte Direktvermittlungsverfahren zum Einsatz. Betriebe melden ihre offenen Stellen an ihre Kammer. Die kolumbianische Arbeitsverwaltung sucht zusammen mit lokalen Personaldienstleistern gezielt passende Bewerber. Die Handwerkskammer trifft eine Vorauswahl – erst danach führen die Betriebe Vorstellungsgespräche und entscheiden sich für geeignete Fachkräfte.
Usbekistan:
Hier wird nach dem Poolverfahren gearbeitet: Vorausgewählte Kandidaten mit fachlichen Vorkenntnissen und ersten Deutschkenntnissen absolvieren zunächst einen Sprachkurs. Danach erhalten interessierte Betriebe Einblick in die Bewerbungsprofile und vereinbaren direkt Vorstellungsgespräche.
In beiden Fällen erhalten die ausgewählten Fachkräfte einen 9-monatigen Deutschkurs am Goethe-Institut bis Niveau B1 sowie eine interkulturelle Vorbereitung.
Das Projekt bietet den Betrieben außerdem umfangreiche Unterstützung bei Visum, Anerkennung und Onboarding.
"Motiviert, qualifiziert und offen" – Erfahrungen aus Ostbayern
Jakob Schreiner, Projektverantwortlicher bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, berichtet aus der Praxis: "Die Rekrutierung in Kolumbien läuft über Direktvermittlung. Wir suchen gezielt für die Stellen, die unsere Betriebe melden. Gemeinsam mit der kolumbianischen Arbeitsverwaltung und Personaldienstleistern vor Ort finden wir passende Bewerber. Die Online-Vorstellungsgespräche organisiert die Bundesagentur für Arbeit und stellt dafür auch Dolmetscher zur Verfügung."
Bisher konnten sechs Betriebe aus der Region gewonnen werden, die insgesamt 18 Fachkräfte aus Kolumbien rekrutieren möchten. Die ersten Vorstellungsgespräche und Matchings fanden bereits statt. "Das Feedback war durchweg positiv. Die Bewerber waren fachlich stark, sehr offen und hochmotiviert, in Deutschland neu anzufangen. Besonders beeindruckt waren die Betriebe von der großen Unterstützung durch das Projekt – sei es bei der Auswahl, der Bürokratie oder der Begleitung", so Schreiner.
Auch nach der Einreise bleiben die Fachkräfte und Betriebe nicht allein. Schreiner begleitet den gesamten Prozess, von der Rekrutierung bis zum Ankommen im Betrieb. Wichtig sei ihm, dass die neuen Kollegen sich nicht nur im Betrieb, sondern auch am Wohnort wohlfühlen. Nur so gelinge eine langfristige Integration – und genau das sei das vorrangige Ziel.
Wie kann man sich am Projekt beteiligen?
Die beteiligten Handwerksorganisation spielen eine zentrale Rolle in der Umsetzung des Projektes. Die bei den Handwerksorganisationen angesiedelten Fachkräfteeinwanderungsberater stehen als Ansprechperson während der gesamten Projektlaufzeit zur Verfügung. Dies umfasst sowohl Beratungsgespräche als auch die kontinuierliche Begleitung während der Rekrutierung, der Vorbereitung im Herkunftsland sowie nach der Ankunft in Deutschland. Bei Interesse an dem Projekt und einem Beratungsgespräch sollten Handwerksunternehmen direkt die am Projekt beteiligte Handwerksorganisation in ihrer Region kontaktieren.
Die Teilnahme erfordert einen anteiligen Beitrag zu den Projektkosten, die durch die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bereits reduziert sind. Der Beitrag für die Rekrutierung einer Fachkraft beträgt 4.000 Euro. Für zwei Fachkräfte aus demselben Rekrutierungszyklus und aus demselben Herkunftsland liegt der Beitrag bei 6.000 Euro. avs
Alle Infos zum Projekt: www.fitforclimate.de