Das Institut für Weltwirtschaft prognostiziert ein Abschwächen der konjunkturellen Talfahrt, dämpft aber Hoffnungen auf eine schnelle Erholung. Auch die Europäische Zentralbank rechnet frühestens 2010 wieder mit einem Wirtschaftswachstum.

Experten rechnen erst 2010 wieder mit Wirtschaftswachstum
In seiner jüngsten Prognose korrigierte das IfW seine Erwartungen für die deutsche Wirtschaftsentwicklung im laufenden Jahr noch einmal nach unten. Demnach werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht wie bislang angenommen um 3,7 sondern um 6,0 Prozent sinken. Die Ausgangsbasis gegenüber der Prognose vom März habe sich erheblich verschlechtert, hieß es weiter.
Allerdings habe sich die Konjunktur zur Jahresmitte 2009 "annähernd stabilisiert", erklärten die Wirtschaftsforscher. Einige Indikatoren deuteten darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion nach dem Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 zuletzt nur noch wenig zurückgegangen sei.
Der Einbruch des Welthandels sei offenbar zum Stillstand gekommen und die Nachfrage nach Rohstoffen leicht gestiegen. "Gleichwohl ist die Rezession keineswegs überwunden", hob das IfW hervor. Eine "konjunkturelle Wende" sei aber erst 2010 zu erwarten. Dann rechnen die Ökonomen mit einem BIP-Wachstum von 0,4 Prozent. Im März hatten sie noch einen Rückgang um 0,1 Prozent vorhergesehen.
IWF rechnet mit kräftigerem Wirtschaftswachstum
Der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt offenbar zunehmend optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung und erhöht seine Wachstumsprognose. Für 2010 erwarte der Währungsfonds nun eine Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung von 2,4 Prozent, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf ein Papier für die Finanzminister der G-7-Staaten.
Im April hatte der IWF einen Zuwachs von höchstens 1,9 Prozent veranschlagt. Eine offizielle Revision der Prognose werde der IWF beim G-8-Gipfel im Juli veröffentlichten, hieß es. Die gewachsene Zuversicht des IWF gründe auf der Annahme, dass die staatlichen Stützungspakete für die Konjunktur ihre Wirkung zeigen würden, schreibt die Zeitung. Der Währungsfonds gehe von einer allmählichen Erholung aus. Für das laufende Jahr erwartet der IWF, dass die Weltwirtschaft um 1,3 Prozent schrumpft. Diese Prognose
stammt vom April.
Deutlich pessimistischer zeigt sich dagegen die Weltbank. Sie gehe davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um drei Prozent schrumpft. Damit revidierte sie nach einem Bericht der Zeitung ihre frühere Schätzung von minus 1,75 Prozent. Nach Einschätzung der
Weltbank wird dabei die Wirtschaft in den meisten Industrieländern in diesem Jahr schrumpfen. Eine Erholung sei erst für Ende 2010 zu erwarten.
Wirtschaftsweiser Franz sieht Stabilisierung der Konjunktur
Der Präsident des Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) und Vorsitzende des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, rechnet mit einer Stabilisierung der deutschen Wirtschaft. "Ich gehe davon aus, dass der Konjunkturabsturz in diesen Wochen zum Stillstand kommt, wir also das Schlimmste hinter uns haben", sagte er dem Wirtschaftsmagazin "Euro" laut Vorabbericht.
Kritisch bewertete er die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate. Für den Strukturwandel sei es besser, qualifizierte Arbeitskräfte zu entlassen, als sie zu lange künstlich in Unternehmen zu halten. Zugleich erteilte er weiteren Konjunkturpaketen eine Absage. Diese seien aufgrund von "hoffnungsvollen Signalen" wie den langsam steigenden Auftragseingängen derzeit unnötig. Solche Forderungen waren zuletzt unter anderem in den USA laut geworden. "Meine Kollegen in den USA sollten mit ihren ansonsten willkommenen Ratschlägen mal eine Runde aussetzen und sich die Fakten ansehen", sagte Franz.
Pessimistisch blicke er auf den deutschen Arbeitsmarkt: "Hier haben wir, im Gegensatz zur Konjunktur, leider das Schlimmste noch vor uns." Er rechne damit, dass bis zum Jahresende die Arbeitslosenzahl die Marke von vier Millionen überschreitet. Fünf Millionen würden es aber sicher nicht werden.
In der Tat scheint sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zunehmend zu verschlechtern. Laut IfW gibt es seitens der weltwirtschaftlichen Entwicklung "keine klaren Signale für eine Wende zum Besseren". Das Institut rechnet damit, "dass die Arbeitslosigkeit im Herbst in die Höhe schnellt". In der Folge würden die Ausgaben der privaten Haushalte deutlich sinken. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte sich 2009 um rund 300.000 auf 3,576 Millionen und 2010 auf 4,365 Millionen erhöhen.
Die EZB rechnet für die Eurozone nach einer Stabilisierungsphase "ab Mitte 2010 mit positiven vierteljährlichen Wachstumsraten". Im laufenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung im gemeinsamen Währungsraum zwischen 4,1 und 5,1 Prozent sinken, heißt es in ihrem Monatsbericht. Im kommenden Jahr werde dann bestenfalls ein Wachstum von 0,4 Prozent erreicht, im schlimmsten Fall erwartet die EZB ein Minus von 1,0 Prozent.
ddp/dhz