Zentraler Immobilienausschuss Experten: Im Wohnungsbau brennt die Hütte

Die Immobilienbranche warnt vor dramatischen Engpässen auf dem Wohnungsmarkt. Forderungen nach höherer staatlicher Unterstützung erteilt Bauministerin Geywitz eine Absage.

Der ZIA geht davon aus, dass 2025 rund 700 000 Wohnungen fehlen werden. Das seien umgerechnet alle Wohnungen, die es derzeit in Bremen und dem Saarland gebe. - © Grand Warszawski - stock.adobe.com

Der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) sieht wachsende Engpässe auf dem Wohnungsmarkt und fordert schnelle Gegenmaßnahmen. "Bei den Wohnimmobilien, da brennt die Hütte", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner bei der Vorstellung des Frühjahrsgutachtens in Berlin. So rechnet der ZIA wegen Kostensteigerungen vorrangig ab 2024 mit einem weiteren Rückgang bei Genehmigungs- und Neubauzahlen. Mattner warnte, dass sich die Neubaulücke bis 2025 auf rund 700.000 Wohnungen ausweiten könnte.

Mattner: Wer baut, legt drauf

Steigende Zinsen, gestiegene Baukosten, höhere Aufwendungen beim Klimaschutz und eine hohe Staatsquote wie etwa durch hohe Grunderwerbsteuern machten Investitionen in Immobilien so unattraktiv wie nie. "Im Moment sind die Renditen im Wohnungsbau irgendwo bei zwei bis drei Prozent", betonte Mattner. Die Finanzierungszinsen lägen dagegen bei mehr als vier Prozent. "Jeder, der baut, legt drauf", erklärte er und forderte höhere staatliche Förderungen und das Aufheben der Mietpreisbremse.

Geywitz setzt auf mehr Produktivität am Bau

Auch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) stellte fest, dass die "Stimmung am Bau deutlich nach unten gegangenen ist" und die Herausforderungen angesichts der Folgen des Ukraine-Kriegs mit höheren Baupreisen, Zinsen und einer Wohnraumnachfrage noch größer geworden sind. Forderungen nach höherer staatlicher Unterstützung erteilte sie gleichwohl eine Absage. "Es kann nicht sein, dass das System nur funktioniert, wenn das Produkt mit einem grundlegenden staatlichen Zuschuss versehen wird", sagte sie. Auf dem frei finanzierten Wohnungsmarkt gehe es jetzt darum, mit mehr Digitalisierung und seriellem Bauen die Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern.

Hohen Klimastandards wollte sie keine Absage erteilen. Sie plädierte außerdem für mehr Dachausbauten und verwies auf hohe staatliche Förderungen im sozialen Wohnungsbau. Schon vor Wochen hatte sie eingeräumt, dass das ursprünglich von der Bundesregierung ausgegebenen Ziel, pro Jahr rund 400.000 neue Wohnungen zu bauen, 2022 und 2023 nicht erreicht werde. Nach Angaben des Zentralverbandes des Baugewerbes wurden 2022 noch rund 280.000 Wohnungen gebaut. Dieses Jahr könnten es den Prognosen zufolge weniger als 250.000 werden.

Ökonom Feld sieht keine niedrigeren Zinsen in absehbarer Zeit

Auch an der Zinsfront sieht es nicht gut aus. "Die Zinsentwicklung hat schon im letzten Jahr dämpfend auf die Bauwirtschaft gewirkt und wird es weiter tun", sagte der Ökonom und Mit-Autor der Studie, Lars Feld. Die Refinanzierungskosten von derzeit vier Prozent werden seiner Einschätzung nach noch etwas ansteigen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen noch weiter anhebe. Und selbst wenn die Zentralbank die Zinsen nach dem Sommer nicht weiter erhöhe, werden sie seiner Einschätzung nach erst einmal hoch bleiben.

Mieten ziehen im Schnitt stärker an

Mit Blick auf die Kaufpreise für Wohnungen stellen die Experten in ihrem Gutachten im zweiten Quartal 2022 einen Rückgang um 3,2 Prozent fest, während sie im Jahr zuvor noch um 7,8 Prozent auf 3.324 Euro pro Quadratmeter angestiegen waren. Die Mieten sind dagegen im vergangenen Jahr weiter um 5,2 Prozent gestiegen. Sie haben nach Angaben des ZIA zum Ende des vierten Quartals 2022 durchschnittlich 9,10 Euro pro Quadratmeter erreicht. Im Vorjahr waren die Mieten im Schnitt noch um 3,7 Prozent gestiegen.