Deutsch-chinesische Regierungskonsultationen am 27. und 28. Juni in Berlin Experte Sandschneider: Deutsch-chinesisches Treffen Grund für Ais Freilassung

Die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen kommende Woche in Berlin sind nach Einschätzung von Experten der Hauptgrund für die Freilassung des Künstlers Ai Weiwei. So nehme China ein brisantes Thema vom Tisch, sagte der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider, am Donnerstag im dapd-Interview.

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Experte Sandschneider: Deutsch-chinesisches Treffen Grund für Ais Freilassung

Berlin (dapd). Die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen kommende Woche in Berlin sind nach Einschätzung von Experten der Hauptgrund für die Freilassung des Künstlers Ai Weiwei. So nehme China ein brisantes Thema vom Tisch, sagte der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider, am Donnerstag im dapd-Interview. Ähnlich äußerte sich der Sinologe Tilman Spengler. Die Zukunft Ais könnte dennoch Thema bei dem Treffen am 27. und 28. Juni werden.

Ai Weiwei war am Mittwoch nach zweieinhalb Monaten Haft auf Kaution freigelassen worden. Trotz seiner Freilassung steht er weiter unter strenger Beobachtung der Behörden und darf zudem ein Jahr lang Peking nicht verlassen. Im April war er als Gastprofessor an die Universität der Künste (UdK) in Berlin berufen worden.

Sandschneider sagte, es könne sein, dass die Gastprofessur Ai Weiweis auch ein Thema der Regierungskonsultationen werde. "Da könnte ja die Frage gestellt werden, wann er diese Gastprofessur antreten kann. Das wäre dann die indirekte Frage nach der Ausreiseerlaubnis." UdK-Präsident Martin Rennert forderte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse den Fall ansprechen. Diese Bitte habe er in einem Brief an Merkel und an Außenminister Guido Westerwelle (FDP) geäußert. "Von mir aus könnte Ai bei uns sofort beginnen", sagte Rennert.

Sandschneider rechnet nicht mit weiteren Haftentlassungen

In der Freilassung Ais sieht Sandschneider nur einen Einzelfall. "Bei allen anderen Inhaftierten würden die Chinesen reagieren mit dem Hinweis, dass diese nach geltendem chinesischen Recht verurteilt sind", sagte er. Die internationalen Proteste hätten auf die Freilassung jedenfalls keinen Einfluss gehabt, sagte der Politikwissenschaftler, der auch an der Freien Universität Berlin lehrt. Darauf reagiere die chinesische Führung nie, zumindest nicht direkt erkennbar.

Nach Einschätzung des Publizisten Spengler will China mit der Freilassung Ai Weiweis sein Gesicht wahren. Vor den Regierungskonsultationen solle so Dampf rausgenommen werden, sagte der Sinologe im Deutschlandradio Kultur. Ihm war Ende März die Einreise nach China zur Eröffnung der deutschen Ausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking verboten worden.

Goethe-Institut kritisiert China

Das Goethe-Institut kritisierte Chinas Vorgehen. "Die Art und Weise, wie der Künstler verhaftet wurde und keine Informationen über seinen Aufenthaltsort und sein mögliches Vergehen über die lange Zeit gegeben wurden, war ein inakzeptables Vorgehen und entspricht auch nicht der chinesischen Rechtslage", sagte Präsident Klaus-Dieter Lehmann.

Der Deutsche Kulturrat kritisierte dagegen das Agieren der Bundesregierung. "Die von Deutschland finanzierte und von deutschen Museumsleitern kuratierte Großausstellung 'Kunst der Aufklärung' in Peking ist trotz der willkürlichen Verhaftung von Ai Weiwei ungerührt weitergelaufen", monierte Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Es sei "business as usual im Zeichen der Aufklärung" betrieben worden.

Die vom Auswärtigen Amt mit 6,6 Millionen Euro finanzierte Ausstellung der Staatlichen Museen von Berlin, Dresden und München war zwei Tage vor der Verhaftung Ai Weiweis eröffnet worden. Zahlreiche Politiker und Kulturinteressierte hatten den Abbruch der Ausstellung gefordert.

Der in Peking lebende Künstler Li Hui zeigte sich froh über die Freilassung seines Kollegen. "Ich bin glücklich, dass Ai Weiwei seine Arbeit fortsetzen kann. Und ich bin gespannt, wie seine kommenden Werke aussehen werden", sagte der 1977 geborene Li am Rande einer Ausstellungseröffnung in Berlin.

dapd