Die weltweite konjunkturelle Abkühlung trifft auch die deutsche Wirtschaft immer stärker. Die Bundesländer melden deutliche Rückgänge beim Wachstum. Die Abschwächung hat auch den europäischen Automarkt erreicht. Auf die Automobilbranche kommen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer schwere Zeiten zu.
Die Unternehmen in Deutschland blicken immer skeptischer in die Zukunft. Und auch ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen die Firmen schlechter als zuvor. "Die bremsenden Einflüsse auf die Konjunktur dominieren weiterhin", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Der neue Ifo-Index fiel zwischen August und September zum fünften Mal in Folge auf 101,4 Punkte. Dies sei der niedrigste Stand seit Februar 2010, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo mitteilte.
Firmen immer noch skeptisch
Die Rettungsversuche der Politik in der Eurokrise haben der Wirtschaft offenbar noch nicht das nötige Vertrauen zurückgeben können. Die geplanten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank und die Billigung des Euro-Rettungsfonds ESM durch das Bundesverfassungsgericht haben laut Ifo-Experte Klaus Wohlrabe "wohl eher die Finanzmarktexperten bestärkt als die Firmen".
Neben der Eurokrise dämpften vor allem die schwächeren Konjunkturerwartungen in China die Exportaussichten, sagte Wohlrabe. Aber "noch ist nicht klar vorgezeichnet, wo es hingeht". Die Lage werde immer noch besser beurteilt als im langjährigen Mittel, die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate dagegen schlechter.
Die Konjunkturabkühlung spiegelt sich auch im Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt legte im gesamten Bundesgebiet im ersten Halbjahr nur noch um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Vor einem Jahr lag das Plus jeweils noch bei 3,9 Prozent.
Den Statistikern zufolge ist das Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik in allen Bundesländern zu beobachten. Das stärkste Plus erzielte Berlin mit 1,8 Prozent. Am schwächsten schnitten Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 0,1 Prozent ab.
Die Skepsis in der Kraftfahrzeugbranche wächst ebenfalls. "Der europäischen Autoindustrie stehen mindestens drei schwere Jahre bevor", sagte der Leiter des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer. Mit geschätzten 11,6 Millionen Pkw-Verkäufen erwartet er im Jahr 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993.
Positiver Trend in der Elektrobranche
Die Krise im europäischen Automarkt sei da und werde länger und hartnäckiger sein als die von der Finanzkrise ausgelöste Rezession 2008 und 2009, meint Dudenhöffer. Gerade die Südländer würden von Arbeitslosigkeit geplagt, stünden kurz vor einer Rezession oder seien im Falle von Griechenland schon mittendrin.
Positive Zahlen kommen dagegen von der deutschen Elektroindustrie. Dank wachsender Nachfrage aus Schwellenländern erzielte sie im Juli einen Exportrekord.
Nach einem deutlichen Anstieg im Juni legten die Ausfuhren auch im Juli auf Jahressicht um acht Prozent auf 13,2 Milliarden Euro zu, wie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Frankfurt am Main mitteilte. Von Januar bis Juli lagen die Ausfuhren demnach bei 91,9 Milliarden Euro und damit um mehr als vier Prozent höher als ein Jahr zuvor. dapd
Lesen Sie im DHZ-Interview mit Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, was die Autobranche in Deutschland zusätzlich vor Probleme stellt.
