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Franchise: Selbstständigkeit im Handwerk Existenzgründung für Ältere: 'Leidensfähigkeit sollte man mitbringen'

Wer sich im höheren Alter auf eigene Faust selbstständig macht, geht viele wirtschaftliche Risiken ein. Eine Alternative kann die Gründung im Franchisenetzwerk sein. Ein Beispiel aus der Praxis.

Während mancher Handwerker mit Anfang 60 dem Ruhestand entgegenfiebert, hat Sven Pfeiffer nochmal ganz neu angefangen. Als Führungskraft mit langjähriger Erfahrung in der Baubranche wollte er endlich sein eigener Chef sein und ein Unternehmen gründen. Sein finanzielles Risiko hat er durch den Eintritt ins Franchise abgemildert.

DHZ: Herr Pfeiffer, was bewegt jemanden dazu, sich mit 60 Jahren auf das Abenteuer Selbstständigkeit einzulassen?

Pfeiffer: Leider zählt man in Deutschland in diesem Alter zum "alten Eisen" und ist auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar. Wer also noch nicht in die Rente kann oder möchte und eine neue Herausforderung sucht, muss sich selbstständig machen.

DHZ: Warum haben Sie sich für die Gründung im Franchisenetzwerk entschieden?

Pfeiffer: In meinem Alter kann ich einen Verlust der Ersparnisse nicht mehr ausgleichen. Im Franchise habe ich den Vorteil gesehen, ein Geschäftsmodell zu nutzen, das von anderen Franchisenehmern schon über Jahre erfolgreich auf dem Markt erprobt wurde und das wirtschaftliche Risiko überschaubar macht.

"Mit Anfang 60 ist man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar."

DHZ: Aber nicht alle Franchise­modelle funktionieren. Wie findet man ein seriöses Netzwerk?

Pfeiffer: Eine Anlaufstelle ist der Deutsche Franchise-Verband, der die in Deutschland tätigen Franchisebetriebe überprüft und auf Seriosität abklopft. Dabei wird mit Zertifizierungen und Rankings gearbeitet.

DHZ: Was wird genau geprüft?

Franchisegründer Sven Pfeiffer

Pfeiffer: Es wird zum Beispiel analysiert, ob das Franchise langfristig am Markt funktioniert, die Verträge fair sind und den Franchisenehmer nicht übervorteilen.

DHZ: Sie haben sich für das Franchise Town & Country Haus entschieden. Wie kommt man in das Netzwerk?

Pfeiffer: Zunächst habe ich ein Kennenlerngespräch geführt, um die Beweggründe für meine Selbstständigkeit zu erklären. Danach musste ich meine persönliche Eignung unter Beweis stellen. Wichtiger als eine bestimmte berufliche Qualifikation sind die Unternehmerqualitäten. Mit psychologischen Tests wurde zum Beispiel meine Führungsstärke und Stressresistenz bewertet.

DHZ: Und die Finanzierung?

Pfeiffer: Das ist der zweite große Baustein. Ich musste einen schlüssigen Business-Plan erstellen, wobei ich hier vom Franchisegeber unterstützt wurde. Er hat mit mir anhand seiner Erfahrungswerte festgelegt, welche Geschäftsziele realistisch sind. Das Konzept wird anschließend von einer externen Unternehmensberatung geprüft. Bevor ich ins Franchise eintreten konnte, brauchte ich außerdem eine Finanzierungszusage von der Bank.

DHZ: Welches Kapital wird benötigt?

Pfeiffer: Bei Town & County Haus liegt das Eintrittsgeld bei 10.000 Euro. Mit dem Betrag sind die ersten Weiterbildungsmaßnahmen abgedeckt, die für die Franchisegründer angeboten werden. Gegen Gebühr kann ich weitere Kurse und Dienstleistungen in Anspruch nehmen – sei es für IT, Marketing oder Versicherungen. Es besteht aber keine Pflicht, alle Leistungen vom Franchisegeber zu nutzen. Zudem steht Town & Country Haus eine feste Beteiligung an den späteren Umsätzen zu, die im Vertrag festgeschrieben wird.

DHZ: Gibt es noch weitere laufende Kosten?

Pfeiffer: Natürlich muss ich wie bei jeder anderen Selbstständigkeit auch die Kosten für Miete, Einrichtung und Personal selbst tragen. Hinzu kommen speziell in meiner Branche Kosten für Bauprüfungen und Bauabnahmen, zum Beispiel durch Prüfstellen wie den TÜV. Die Belastung durch die Franchisegebühr ist im Verhältnis dazu eher gering.

DHZ: Kann man ein solches Franchise auch als Solo-Selbständiger führen, um die Kosten möglichst niedrig zu halten?

Pfeiffer: Solange man sich noch in der Aufbauphase befindet und noch keine Aufträge abarbeitet, kommt man allein zurecht. Auf Dauer funktioniert das Franchise aber nicht als Ein-Mann-Betrieb. Meine Kollegen im Netzwerk haben in der Regel mindestens eine Handvoll Mitarbeiter. Um seriös arbeiten zu können, brauche ich Unterstützung im Büro, bei der Beratung, im Verkauf und der Bauleitung.

"Als Ein-Mann-Betrieb ­funktioniert es auf Dauer nicht.“

DHZ: Wie schnell stellt sich der Erfolg ein?

Pfeiffer: Ich hatte von Beginn an etwa ein Jahr eingeplant, bis ich im Franchise wirklich Geld verdiene. Die bekannte Franchisemarke im Rücken kann den Erfolg zwar beschleunigen, aber man sollte trotzdem lieber vorsichtig kalkulieren. Nur wer Geduld, Ausdauer und auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringt, kann aus meiner Sicht im Franchise bestehen.

DHZ: Und wenn es trotzdem nicht läuft und das Geld knapp wird?

Pfeiffer: Es muss einem von vornherein klar sein, dass man auch im Franchise das unternehmerische Risiko persönlich trägt. Der Franchisegeber haftet finanziell nicht für Misserfolge. Der Vorteil ist aber, dass ich in der Krise und auch schon davor professionelle Beratung vom Franchisegeber nutzen kann.

DHZ: Gibt es bestimmte Vorgaben, die man erfüllen muss, um nicht aus dem System zu fliegen?

Pfeiffer: Als Lizenznehmer muss ich die vertraglichen Regelungen für den Marktauftritt einhalten. Befürchtet der Franchisegeber einen Imageschaden durch das Verhalten eines Partners, kann er ihn verwarnen oder schlimmstenfalls den Vertrag kündigen. Davon abgesehen gibt der Franchisegeber gewisse Erfolgsziele aus, die man erreichen soll. Diese sind aber nicht in Stein gemeißelt.

DHZ: Wer sich im Franchise etabliert hat, könnte doch auf die Idee kommen, auf eigene Faust weiterzumachen, um sich die Lizenzgebühren zu sparen?

Pfeiffer: Bei Town & Country Haus habe ich einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Danach steht es mir frei, aus dem Netzwerk auszutreten. Ich verliere dann jedoch auch das Recht, weiter mit der bekannten Marke für mein Unternehmen zu werben. Es muss jeder selbst abwägen, ob er so gut in der Branche vernetzt ist, dass er auf diese Werbung verzichten kann.

DHZ: Ist die Gründung im Franchise für jeden Handwerker etwas?

Pfeiffer: Nein, sicher nicht. Wer eine 40-Stunden-Woche möchte, wird auch bei der Selbstständigkeit im Franchise nicht glücklich werden. Und nicht jeder ist ein Unternehmertyp. Es ist viel Disziplin gefragt und die Fähigkeit, Prozesse selbstständig zu strukturieren. Und gerade im Franchise sollte man nicht meinen, alles besser zu wissen und das Rad neu erfinden zu können.

Mehr Informationen unter hausbau-rosenheim.com.

Über das Franchise

Town & Country Haus ist ein Massivhausanbieter mit bundesweit mehr als 300 Franchisenehmern. Das Bauunternehmen ist vom Deutschen Franchise-Verband geprüft und lizenziert. Jeder Franchisenehmer erhält Gebietsschutz und tritt in seiner Region exklusiv auf. Das Auftragsvolumen des Franchises lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 772,5 Millionen Euro und rund 4.200 verkauften Häusern.

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